Im siebten Himmel: Singapurs Weg zur Smart Nation

F5-Ökosystem | 13. Dezember 2015

Die Infocomm Development Authority (IDA) möchte Singapur zur weltweit ersten Smart Nation machen. Diese Vision sieht vor, Geräte, Objekte und Menschen miteinander zu vernetzen, um in einer Zeit zunehmender Mobilität, hoher urbaner Bevölkerungsdichte, einer alternden Bevölkerung und weiterer Herausforderungen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Steve Leonard, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der IDA, erklärte, dass Unternehmen in Singapur zur Bewältigung komplexer städtischer Herausforderungen in Bereichen wie Gesundheitsversorgung und Energie enorme Datenmengen erfassen und analysieren und das daraus gewonnene Lagebewusstsein nutzen müssen, um gezielte Maßnahmen zu ergreifen (Link).

Aus technologischer Sicht hat die Cloud im Unternehmensumfeld einen Wendepunkt erreicht. Eine spannende neue Ära der Cloud-Bereitstellungen beginnt, die sich durch ein hohes Maß an Flexibilität, Agilität und Innovation auszeichnet. Heute ist die Cloud nicht mehr nur ein Schlagwort, sondern ein integraler Bestandteil moderner Unternehmen. Inzwischen geht es nicht mehr um die bloße Bereitstellung von Cloud-Lösungen, sondern um die Optimierung dieser Ressourcen und damit um die Verbesserung des gesamten Benutzererlebnisses.

Sehen wir uns sieben relevante Fragen zu Singapurs Ansatz an:

1. Singapurs Smart-Nation-Vision ist in die „Aufbauphase“ eingetreten. Was hat es damit auf sich?

Der Schwerpunkt auf Infrastruktur und Dienstleistungen wird den Rahmen für das Land bilden. Es gibt drei Innovationsbereiche: Smart Logistics, Smart Nation Tech Challenges und Smart Health-Assist. Die Vision, Geräte, Dinge und Menschen miteinander zu vernetzen, ist ambitioniert und beginnt damit, sicherzustellen, dass der Rahmen des Landes auf einem soliden Fundament aufbaut.

Anwendungen und Konnektivität stehen im Mittelpunkt dieser Vision, und die Technologien, die den Informationsfluss ermöglichen, basieren zunehmend auf der Cloud. Unternehmen setzen immer schneller auf eine Hybrid-Cloud-Infrastruktur, sodass sensible Daten in einer privaten Cloud gespeichert werden können, während sich die öffentliche Cloud als Quelle für Rechenressourcen nutzen lässt, um weniger kritische Anwendungen auszuführen.

2. In die Cloud oder nicht in die Cloud? – Das ist hier die Frage!

Bereits 2013 gaben 83 % der Unternehmen in Singapur an, die finanziellen Vorteile von Cloud-Bereitstellungen erfahren zu haben. Das sind 16 % mehr als im weltweiten Durchschnitt (Link). Die Einführung der Cloud steht im Einklang mit der Smart Nation Initiative, und Singapur investiert in erheblichem Umfang in die Cloud-Nutzung. Abgesehen von staatlichen Initiativen stellt sich die Frage: „Cloud oder nicht Cloud?“ Zu den zahlreichen Vorteilen der Cloud-Nutzung zählen kürzere Wiederherstellungszeiten nach Ausfällen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Beschäftigten, da sie ihre Arbeit synchronisieren und gleichzeitig an Dokumenten und gemeinsam genutzten Anwendungen arbeiten können. All dies kann sich nur positiv auf das Geschäft auswirken, da die Produktivität steigt. Noch wichtiger ist, dass die Cloud Unternehmen mehr Agilität bietet: Sie können ihre IT-Infrastruktur innerhalb relativ kurzer Zeit nach Bedarf hoch- oder herunterskalieren und zahlen mitunter nur für die tatsächlich genutzte Kapazität. „Für die Nutzung zahlen“ statt „Kaufen und abschreiben“ ist finanziell überzeugender – ein Argument, das bei Finanzvorständen in der Regel gut ankommt.

Da Technologien wie das IoT zunehmend zum Mainstream werden und Singapur auf dem Weg zur Smart Nation voranschreitet, lautet die entscheidende Frage: „Wie können wir die Cloud effektiv einsetzen und ihr Potenzial voll ausschöpfen?“

3. Gut … wie können wir also das Potenzial der Cloud voll ausschöpfen und damit einen positiven Geschäftseffekt erzielen?

Unternehmen haben bei der Nutzung von Cloud-Computing innerhalb und außerhalb ihrer Organisation einen Wendepunkt erreicht. Um das Potenzial der Cloud voll auszuschöpfen, sind bei einer unternehmensweiten Cloud-Strategie vier wesentliche Aspekte zu berücksichtigen.

Anwendungen:

Unternehmen betreiben heute eine bemerkenswerte Anzahl von Workloads in ihren IT-Umgebungen, wobei einige Großunternehmen mehr als 100 gleichzeitig ausführen. Die meisten dieser Anwendungen stellen unterschiedliche Anforderungen und weisen verschiedene Merkmale auf. Da cloudbasierte Dienste jedoch zunehmend ihre Leistungsfähigkeit und Reife für den Betrieb zentraler Workloads unter Beweis stellen, wächst das Vertrauen in extern betriebene Lösungen. Infolgedessen sind Unternehmen heute eher bereit, geschäftskritische Workloads in eine Cloud-Umgebung zu migrieren.

Entscheidungsträger im Unternehmen:

Der Self-Service-Charakter von Cloud-Lösungen führt dazu, dass sich der Entscheidungsprozess zunehmend von der IT weg und hin zu einem Prozess entwickelt, an dem mehrere Stakeholder und Führungskräfte aus den Fachbereichen beteiligt sind. Abteilungsleiter werden künftig eine immer wichtigere Rolle dabei spielen, Anforderungen zu ermitteln und Cloud-Lösungen in die engere Auswahl zu nehmen. Anschließend müssen die Verantwortlichen für Compliance und Risikomanagement bei der Bewertung der Lösungen und der Steuerung der Risiken die Federführung übernehmen, während die gesamte Geschäftsleitung die endgültige Kaufentscheidung trifft.

Kunden:

Die Cloud und die IT im Allgemeinen haben sich traditionell auf unternehmensinterne Belange und Vorteile wie Kosteneinsparungen, Ressourcenoptimierung und geschäftliche Agilität konzentriert. Dabei wird jedoch eine wichtige Gruppe von IT-Nutzern außer Acht gelassen: die Kunden! Zukunftsorientierte Unternehmen beginnen nun zu untersuchen, welche Bedeutung die Cloud für ihre Kunden hat und wie sie diese nutzen können, um das Kundenerlebnis zu verbessern.

Verteidigung:

Sicherheit und Datenschutz in IT-Umgebungen sind bei allen Diskussionen rund um die Cloud zentrale Dauerthemen – unabhängig davon, ob es um Anwendungen, Unternehmen oder Kunden geht. Sicherheitsbedenken werden häufig als größtes Hindernis für die Einführung von Cloud-Diensten oder die Auswahl von Dienstanbietern genannt. Sicherheitsaspekte dürfen bei der Planung einer Cloud-Migration niemals erst im Nachhinein berücksichtigt werden, sondern müssen vor jedem Wechsel in die Cloud umfassend geprüft und erörtert werden.

Ein „Security-first“-Ansatz bei der Cloud-Strategie stellt sicher, dass der Wechsel in die Cloud weder größere betriebliche Probleme noch Konflikte mit internen Richtlinien verursacht und zugleich ein reibungsloses Kundenerlebnis gewährleistet. Ergänzend sollte eine „Follow-the-Apps“-Sicherheitsstrategie verfolgt werden, bei der die Anwendung unabhängig von ihrem jeweiligen Standort stets durch vorgelagerte Anwendungssicherheitsdienste geschützt wird.

4. Wohin entwickelt sich die Cloud in Zukunft?

Von der Optimierung zur Orchestrierung. Heute werden Cloud-Services in erster Linie dazu genutzt, herkömmliche Geschäftsprozesse zu optimieren und zu verschlanken. Das wird sich ändern. Unternehmen werden Cloud-Services künftig einsetzen, um Geschäftsprozesse zu automatisieren und die Unternehmenstransformation voranzutreiben. Auch Entscheidungen über die Beschaffung von Cloud-Services werden zunehmend gemeinschaftlich getroffen. Die Rolle des CIO wird sich von der Information hin zur Innovation verlagern.

Da nun auch Kunden zum Kreis der IT-Nutzer gehören, ist es entscheidend, das Kundenerlebnis durch eine hohe Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit von Geschäftsanwendungen zu verbessern. Die Cloud wird sich kontinuierlich weiterentwickeln.

5. Ist die Cloud sicher? Da immer mehr Anwendungen und Technologien zunehmend cloudbasiert sind, insbesondere im Zuge unserer Entwicklung zu einer Smart Nation, stellt sich die Frage: Wie können wir gewährleisten, dass über die Cloud übertragene Informationen sicher sind?

Jede Schlacht ist gewonnen, bevor sie geschlagen wird, sagt Sun Tzu. Dieser Philosophie folgt auch Singapur auf seinem Weg zur Smart Nation. Sicherheit ist nach wie vor eines der größten Hindernisse für die Einführung von Cloud-Lösungen. Auch in einer hochgradig vernetzten Umgebung spielt sie eine entscheidende Rolle, und die intensive Nutzung von Anwendungen stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.

Unternehmen leisten bei der Absicherung ihrer Infrastruktur im Allgemeinen gute Arbeit, stehen jedoch bei der Absicherung von Anwendungen vor Herausforderungen – unabhängig davon, ob diese intern, in einer Cloud-Umgebung oder in beiden Umgebungen gehostet werden. Die Sicherheitsstrategie sollte Aspekte in den Bereichen Netzwerk und Infrastruktur, Anwendungen und Webressourcen, Endpunkte und Geräte sowie Nutzerverhalten berücksichtigen. Sicherheit geht alle an und muss vorausschauend geplant werden.

6. Wie können Unternehmen von der Cloud profitieren, während Singapur sich zu einer Smart Nation entwickelt?

Unternehmen investieren in die Cloud und nutzen sie, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. 77 % der Führungskräfte im IT-Bereich messen der digitalen Transformation eine hohe Bedeutung bei und betrachten sie als einen entscheidenden Faktor für das Unternehmenswachstum ihrer Organisationen (Link). Die Steigerung der betrieblichen Effizienz und die Verbesserung des Kundenerlebnisses gehören zu den Gründen, warum die Cloud-Nutzung zunimmt. Innovationen im IoT-Bereich entwickeln sich stetig weiter und prägen auch künftig, wie Menschen Technologien nutzen und mit ihnen interagieren. Neue Geräte werden auf den Markt kommen, und die Technologien werden sich mit ihnen weiterentwickeln. Dies wiederum wird beeinflussen, wie Informationen den Nutzern bereitgestellt werden. In einer Smart Nation, in der Hyperkonnektivität im Mittelpunkt steht, ist der sichere und nahtlose Zugriff auf Informationen und Anwendungen von entscheidender Bedeutung. Die Cloud wird dabei eine zentrale Rolle für den Erfolg spielen.

7. OK, Cloud-Bereitstellung und Smart Nation sind also eng miteinander verknüpft, doch der Investitionsaufwand und die komplexe Verwaltung stellen nach wie vor eine große Hürde dar. Wie können wir dies effizient bewältigen?

Diese Einschätzung ist beim Aufbau einer Cloud-Strategie weit verbreitet. Entscheidend ist jedoch, zu verstehen, wie Anwendungen genutzt werden und welche Dienste sie benötigen. Tatsächlich werden aufgrund ihrer Art oder ihres Zwecks nicht alle Anwendungen über die Cloud bereitgestellt – insbesondere dann nicht, wenn die Daten hochsensibel sind oder ein hohes Maß an sicherem, internem Betriebsmanagement erforderlich ist. Wahrscheinlich werden sich hybride Cloud-Architekturen durchsetzen, die nahtlose Management- und Orchestrierungsdienste sowie ein ausgewogenes Sicherheitskonzept sowohl intern als auch in der Cloud erfordern. Dies gilt insbesondere für die Bereitstellung von Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger in einem aufstrebenden Smart Nation wie Singapur, wo die Mobilfunk- und Internetnutzung hoch ist und Technologie in allen Bereichen unseres täglichen Lebens eine wichtige Rolle spielt.

Die Nachfrage nach bedarfsgerecht verfügbaren Diensten wird steigen, sobald sich das IoT auf breiter Front durchsetzt und mit sozialen Plattformen vernetzt wird. Wird die Infrastruktur aus dieser Perspektive konzipiert, lässt sie sich besser und effizienter verwalten, während zugleich die Kosten für die Cloud-Bereitstellung sinken. Unternehmen und Regierungen beginnen bereits gleichermaßen damit, eigene Cloud-Strategien zu entwickeln, um das Unternehmenswachstum und den nationalen Wandel voranzutreiben. In einer zunehmend vernetzten Welt, in der Mobilität die Produktivität und den Informationskonsum bestimmt, wird die Cloud-Nutzung in einer hochgradig vernetzten Smart Nation – bei sorgfältiger Planung und mit der richtigen Strategie – die Produktivität steigern und die Kundenzufriedenheit verbessern. Letztlich ist eine Cloud-Strategie nur eines von vielen Mitteln zum Zweck: dem Ziel, eine Smart Nation zu werden, in der Bürger und Unternehmen gleichermaßen in die Lage versetzt werden, Technologie zur Förderung des Wachstums zu nutzen.

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