Anmerkung der Redaktion: Dieser Blogbeitrag ist der zweite Teil einer zweiteiligen Reihe, in der wir anlässlich des National Hispanic Heritage Month unsere Mitarbeitenden und Mitglieder der Latinx e Hispanos Unidos Employee Inclusion Group (EIG) zu Wort kommen lassen. Heute erzählt Alejandro (Alex) Figueroa, Manager in unserem Security Operation Center in Guadalajara, seine Geschichte und erläutert, warum diese Feierlichkeiten so wichtig sind. Lesen Sie hier den ersten Blogbeitrag.
Am 4. Juli 2001 war ich 13 Jahre alt und flog zum ersten Mal mit einem Flugzeug. Ich besuchte Verwandte in den Vereinigten Staaten und reiste allein, weil meine Eltern arbeiten mussten. Rückblickend war diese Erfahrung ein großartiges Geschenk meiner Eltern sowie meiner Tante und meines Onkels, für das ich immer dankbar sein werde.
Mein Onkel und meine Tante wanderten bereits in den 1960er-Jahren in die Vereinigten Staaten aus. Davor arbeitete mein Onkel in unserer Heimatstadt Guadalajara als Busfahrer. Meine Tante – die Schwester meines Vaters – war Friseurin im Kaufhaus Las Fábricas de Francia. Nach ihrer Hochzeit beschlossen sie, in den Vereinigten Staaten nach neuen Möglichkeiten zu suchen, und ließen sich schließlich in Los Angeles, Kalifornien, nieder.

Mein Handgepäck auf dem Flug war ein Karton mit zwölf Flaschen Habanero-Sauce – ein besonderer Wunsch meines Onkels, da er sie in Südkalifornien nirgends finden konnte. Der Flug war zugleich aufregend und beängstigend; es waren noch einige andere Kinder allein unterwegs, und nur eine Flugbegleiterin kümmerte sich um uns alle. Ich hatte ein wenig Angst, weil ich wusste, dass ich nach der Landung niemanden verstehen würde – damals sprach ich nur Spanisch. Als schüchternes und unsicheres Kind mit nur sehr grundlegenden Englischkenntnissen, die ich in der Junior Highschool und mit „Inglés Sin Barreras“ erworben hatte, fühlte ich mich dieser Herausforderung nicht gewachsen.
„Was ist in dem Karton?“, fragte der Zollbeamte, nachdem wir gelandet waren. Ich hatte schreckliche Angst, dass ich Ärger bekommen könnte, doch als die Flugbegleiterin „Scharfe Soße!“ antwortete, winkte der Beamte nur ab, und wir gingen weiter zur Zollkontrolle. Als der nächste Zollbeamte sagte: „Den Reisepass, bitte“, erstarrte ich, weil ich nicht verstand, was er gesagt hatte. Die Flugbegleiterin griff nach dem Reisepass, der um meinen Hals hing, und reichte ihn dem Beamten. „Ihr Reisepass läuft heute ab?“, fragte der Beamte ungläubig und rief einen weiteren Beamten herbei. Nachdem sie ihn geprüft hatten, zuckten sie einfach mit den Schultern und ließen mich in die Vereinigten Staaten einreisen.
Der Los Angeles International Airport war beeindruckend! Ich fühlte mich verloren, alles war riesig. Nachdem mich die Flugbegleiterin zu meinem Onkel und meiner Tante gebracht hatte, die dort auf mich warteten, unterschrieben sie einige Papiere und wir gingen.
Als wir uns dem Parkplatz näherten, kam ich aus dem Staunen über all die Dinge um mich herum nicht heraus; selbst das Schild „Zum Überqueren Knopf drücken“ war neu für mich. Wir stiegen in das Auto meines Onkels und fuhren los. Etwa 40 Minuten lang waren wir auf den Freeways von L.A. unterwegs (das erinnerte mich an diesen Goofy-Cartoon), bis wir schließlich am Haus meines Onkels und meiner Tante ankamen.

„Mijo te compré esta playera, cambiate“, sagte meine Tante, was in etwa so viel bedeutet wie: „Kleiner, ich habe dir dieses T-Shirt gekauft, zieh dich an.“ Es war ein blaues T-Shirt mit der Flagge der Vereinigten Staaten darauf; ich war bereit, meinen ersten amerikanischen Unabhängigkeitstag zu feiern.
Wir fuhren zu den Schwiegereltern meines Onkels und meiner Tante. Der Holzkohlegrill war angeheizt, überall war Rauch, die Leute amüsierten sich und tranken Bier. Es fühlte sich an wie zu Hause, nur mit Hamburgern statt Steak, Chorizo, Tortillas und Salsa. „Él es mi sobrino Alex de Guadalajara, hijo de mi hermano Roberto“ („Das ist mein Neffe Alex aus Guadalajara, der Sohn meines Bruders Roberto“), sagte meine Tante und stellte mich der ganzen Verwandtschaft vor. Von allen Seiten prasselten Fragen auf mich ein, auf Spanisch und Englisch durcheinander. „Möchtest du eine Limonade? Saft?“ „Hast du Hunger?“ „Komm, iss einen Hamburger.“ „Wie war dein Flug?“ „Wie geht es deinem tío und deiner tía in Guadalajara?“ „Wie geht es deiner Mutter und deinem Vater?“ „Bist du müde?“ „Musst du auf die Toilette?“ „Möchtest du Wasser?“ Es war ein wenig überwältigend, doch zugleich spürte ich ihre Herzlichkeit. Menschen, die ich gerade erst kennengelernt hatte, öffneten mir ihr Haus und ihre Herzen.
Ich aß etwas und unterhielt mich dann mit meinen begrenzten Englischkenntnissen mit den anderen Kindern und auf Spanisch mit den Erwachsenen. Dann kam ganz aufgeregt die Frage: „Bist du bereit für das Feuerwerk?“ Ich wusste nicht, was „Feuerwerk“ bedeutete, bis sie es mir zeigten. Meine Augen wurden ganz groß, und ein breites Lächeln erschien auf meinem Gesicht, als die Nacht hereinbrach und der Himmel buchstäblich explodierte.
Habt ihr in Mexiko auch einen 4. Juli? fragte jemand. Natürlich haben wir den, antwortete ich und erzählte von den Feierlichkeiten zum mexikanischen Unabhängigkeitstag. Wie sich herausstellte, ähneln sich die beiden Feiertage sehr: Familien kommen zusammen, um Spaß zu haben, es gibt Bier und Feuerwerk, und auch ein Grill darf nicht fehlen. Ich habe diesen Abend wirklich genossen und erkannt, dass wir überall einen Weg finden, mit Freunden und Familie Spaß zu haben.
Ich verbrachte den ganzen Sommer in Südkalifornien, lernte Englisch und erlebte hin und wieder einen Kulturschock. Ich erfuhr von anderen Menschen, die ebenfalls hierher eingewandert waren, weil sie nach Möglichkeiten suchten, ihr Leben zu verbessern. Meine Tante und mein Onkel schufen sich etwas Bleibendes, indem sie nachts Bürogebäude reinigten und sich tagsüber um ihre Kinder kümmerten. Heute haben meine Cousins und Cousinen eigene Familien und führen ein gutes Leben.
Meine Tante und mein Onkel wurden schließlich US-amerikanische Staatsbürger, aber ich weiß, dass sie Mexiko im Herzen tragen.

Wie ich bereits sagte, erkenne und schätze ich die Chance, die man mir gegeben hat. Diese frühe Erfahrung hat es mir ermöglicht, heute diesen großartigen Job zu haben – zunächst, indem ich dort Englisch lernte und übte, wo es gesprochen wird, und indem ich begriff, dass man sich jeden Traum erfüllen kann, wenn man nur hart genug dafür arbeitet. Seitdem war ich oft dort zu Besuch, und jedes Mal wurde ich mit offenen Armen empfangen. Die Geschichte von Familie, Willkommenskultur und Chancen, die so viele von uns verbindet, bringt für mich auf den Punkt, worum es bei der Feier des National Hispanic Heritage Month wirklich geht.
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