Quizfrage: Was ist schwerer? Ein Pfund Federn oder ein Pfund Steine?
Natürlich eine Fangfrage. Ein Pfund ist ein Pfund. Für ein Pfund braucht man nur viel mehr Federn als Steine.
Okay, kommen wir zu einem passenderen Thema: Was ist schneller? Ein Skript, das über einen manuellen Befehl ausgeführt wird, oder ein Skript, das über einen API-Aufruf gestartet wird?
Inzwischen haben Sie wahrscheinlich erkannt, dass die Antwort dieselbe wie auf die erste Frage ist: Es gibt keinen Unterschied. Zumindest keinen erkennbaren.
Ein Skript ist ein Skript, und seine Ausführungszeit hängt nicht davon ab, wie es aufgerufen wird. Ob es durch einen manuellen Befehl gestartet oder über eine API aufgerufen wird – das Skript läuft so schnell, wie es eben läuft. Punkt.
Das ist wichtig, denn bei der Beschleunigung von Betriebsabläufen durch Automatisierung geht es nicht wirklich um Skripterstellung, sondern um einen Prozess. Es geht um die Übergabe. Bereitstellungen lassen sich niemals optimieren, wenn man sich nur auf die Skripterstellung für einzelne Prozessschritte konzentriert. Man muss eine Ebene höher ansetzen, nämlich beim Prozess selbst, um echte Verbesserungen zu erzielen.
Das Ziel der Automatisierung ist in nahezu jeder Branche die Optimierung. Das zeigte sich auch in unserer Studie „State of Application Delivery“ aus dem Jahr 2018: 72 % der Befragten, die eine Initiative zur digitalen Transformation verfolgten, nannten die „IT-Optimierung“ als wichtigsten erwarteten Vorteil. Das Ziel war also die Optimierung.
Optimierung bedeutet, Engpässe zu identifizieren und zu beseitigen. In der IT-Welt sind dies fast immer die Übergaben zwischen den einzelnen Schritten eines Betriebsprozesses. Die eigentliche Arbeit – die Skripte – schafft den Mehrwert. Die Zeit zwischen der Ausführung dieser Skripte ist fast immer die Ursache für Verzögerungen und Frustration bei denjenigen, die auf das Ergebnis warten. Die Mehrheit der NetOps-Teams (52 %) verwaltet die Infrastruktur noch immer auf diese Weise.

Es reicht nicht aus, wenn jeder Betriebsbereich seinen Teil des Ablaufs per Skript automatisiert. Eine Firewall-Änderung per Skript umzusetzen, Anwendungsdienste bereitzustellen und zu konfigurieren sowie die Anwendungsinfrastruktur aufzubauen, sind für sich genommen sinnvolle Maßnahmen. Doch das ist erst der Anfang. Zusammen bilden diese einzelnen automatisierten Schritte einen einzigen betrieblichen Prozess. Die Automatisierung dieses Prozesses bezeichnen wir als Orchestrierung. Und gerade bei der Orchestrierung stoßen wir auf Verzögerungen und fehlerhafte Übergaben, die zu den Ineffizienzen führen, unter denen der IT-Betrieb leidet.

Hier kommen Kultur und Organisationsstruktur ins Spiel. Wenn Sie den ersten Schritt im Bereitstellungsprozess übernehmen – beispielsweise die Anwendungsinfrastruktur einrichten –, müssen Sie den Prozess an die nächste zuständige Stelle übergeben. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Bereitstellung der Anwendungsdienste (Lastverteilung usw.).
An wen übergeben Sie das? Wird es in eine Warteschlange gestellt? Erstellen Sie ein Ticket? Wie läuft das ab?
Der Übergang sollte nahtlos erfolgen und entweder durch ein übergeordnetes Playbook (Rezept, Kochbuch, Manifest usw.) oder durch ein externes System gesteuert werden, das die Ausführung des Prozesses überwacht. Wenn bei der Ausführung des Prozesses manuelle Eingriffe erforderlich sind, nutzen Sie die Vorteile der Automatisierung nicht wirklich, sondern verwenden lediglich Skripte.
Und auch wenn Skripte ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Automatisierungsstrategie sein können, stellen sie für sich genommen keine Automatisierung dar, da sie nicht in den übergeordneten Prozess integriert sind, der ihre Ausführung steuert.
Wenn Sie die IT mithilfe von Automatisierung optimieren möchten, müssen Sie Prozesse automatisieren. Denn nur so können Sie Wartezeiten beseitigen und verkrustete Betriebsabläufe (einschließlich dreistufiger Genehmigungsverfahren) aufspüren, deren Optimierung die Leistung tatsächlich verbessert und die Geschwindigkeit spürbar erhöht.
Automatisierung – nicht nur Skripting – ist ein Zeichen für eine ausgereifte NetOps-Praxis, die Sie dem Ziel eines agilen Netzwerks einen Schritt näherbringt.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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