Das neue Gesicht der Telekommunikation im Jahr 2022

F5-Ökosystem | 01. Februar 2022

Neue Technologien, COVID-19, Vorschriften und geopolitische Entwicklungen verändern die Telekommunikationsbranche schneller als je zuvor.

Manchmal ist es schwer abzusehen, wohin die Entwicklung geht. Doch diese fünf wichtigen Trends sollte 2022 jeder im Blick behalten.

Datensouveränität rückt in den Mittelpunkt

Europäische Entscheidungsträger setzen verstärkt auf Datensouveränität, wodurch sich zahlreiche neue Chancen eröffnen.

Während Europa versucht, die Kontrolle über seine digitale Zukunft zurückzugewinnen, setzen politische Entscheidungsträger auf Telekommunikationsunternehmen, die vertrauenswürdige Dienste und Infrastrukturen bereitstellen und so die Abhängigkeit von Hyperscalern verringern.

In Frankreich hat sich Orange mit Capgemini zusammengeschlossen, um Bleu zu gründen – ein neues Unternehmen, das zertifizierte „Cloud de Confiance“-Lösungen anbieten wird, die den Anforderungen des französischen Staates an Datenschutz, Sicherheit und Ausfallsicherheit entsprechen.

Dann wäre da noch Telecom Italia, das sich derzeit um einen Auftrag zum Bau eines nationalen Cloud-Hubs im Wert von 900 Millionen Euro bewirbt, mit dem die Datenspeicherinfrastruktur des Landes modernisiert werden soll.

Diese Beispiele sind nur die Spitze des Eisbergs.

Auch außerhalb Europas gibt es Bestrebungen nach Datensouveränität. Viele Regierungen erkennen zwar die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit Hyperscalern aus den USA an, möchten aber mehr Kontrolle darüber haben, wie Daten aus wichtigen Bereichen wie dem Gesundheitswesen und öffentlichen Diensten geschützt und verwaltet werden.

Daten entwickeln sich rasch zu einem souveränen Gut, das sorgfältig geschützt werden muss. Jeder Telekommunikationsanbieter, der in diesem Bereich überzeugende Lösungen bietet, wird sich mit Sicherheit von der Konkurrenz abheben.

Multi-Cloud-Netzwerke erfolgreich umsetzen

Multi-Cloud-Networking ist der logische nächste Schritt für die Unternehmens-IT.

Weltweit beobachten wir eine steigende Nachfrage nach Cloud-nativen Technologien, die Agilität, Effizienz und Skalierbarkeit verbessern können. Gleichzeitig bestehen Anwendungen zunehmend aus Microservices, die über verschiedene Umgebungen verteilt sind.

Die Implementierung ist hier entscheidend. Um Anwendungen in unterschiedlichen Umgebungen miteinander zu verbinden, ist weit mehr als nur die Vernetzung erforderlich. Sie benötigen außerdem Sicherheits- und Lastverteilungsfunktionen, damit Anwendungen jederzeit verfügbar und geschützt sind.

Wir erwarten, dass Telekommunikationsanbieter und ihre Unternehmenskunden in diesem Jahr verstärkt auf Lösungen setzen werden, die die Komplexität von Multi-Cloud-Umgebungen reduzieren.

Starker Aufschwung bei mobilen Finanzdienstleistungen

Telekommunikationsunternehmen sind bereits wichtige Anbieter von Geldtransfers und setzen nun auch voll auf Finanzdienstleistungen wie Mikrokredite, Versicherungen und Sparangebote.

So sammeln beispielsweise einige Telekommunikationsunternehmen Daten, um die Kreditwürdigkeit zu ermitteln und personalisierte Kredite mit minimalem Risiko anzubieten. Gleichzeitig ermöglicht das aufstrebende Mobile-Money-Ökosystem Hunderten Millionen Menschen, die bislang kein Bankkonto hatten, erstmals den Zugang zu Finanzprodukten.

Das Wachstum des digitalen Finanzdienstleistungssektors macht ihn zu einem attraktiven und naheliegenden Ziel für Cyberkriminelle. Daher müssen Telekommunikationsunternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen deutlich verbessern und unter anderem einen fortschrittlichen Schutz vor DDoS-Angriffen, Credential Stuffing und anderen Bedrohungen bieten.

Cloud-native Netzwerkfunktionen im Blick behalten

Telekommunikationsunternehmen setzen zunehmend auf Cloud-native-Technologien, um eine schnelle Skalierbarkeit zu erreichen.

Ein herkömmliches Mobilfunk-Kernnetz bestand früher aus verschiedenen Funktionen, die auf speziell dafür entwickelter Hardware ausgeführt wurden. Dieser Code ist heute auf eine Reihe virtueller Netzwerkfunktionen (VNFs) oder Cloud-nativer Netzwerkfunktionen (CNFs) verteilt, wobei die Funktionen der Steuerungs- und Datenebene getrennt und dezentral ausgeführt werden. Mit dem Umstieg auf eigenständige 5G-Netze werden Telekommunikationsanbieter VNFs und CNFs miteinander verbinden, die in unterschiedlichen Umgebungen und an verschiedenen Standorten bereitgestellt sind. Dadurch vergrößert sich zwangsläufig die Angriffsfläche.

Leider sind Telekommunikationsunternehmen noch immer dabei, den besten Weg zu finden, ihre CNFs – und ihre gesamte Infrastruktur – umfassend abzusichern, zu automatisieren und transparent zu überwachen. Vor diesem Hintergrund wird eine einfache Betriebsführung zu einem entscheidenden Faktor.

Telekommunikationsunternehmen in der Public Cloud – mit Vorsicht vorgehen

Cloud-native wird auch 2022 ein wichtiges Schlagwort sein (wie bereits 2021). Telekommunikationsunternehmen weltweit werden weiterhin darüber diskutieren, welche Workloads sie in die Public Cloud verlagern. Dazu gehören sowohl Anwendungen (IT-Workloads) als auch Netzwerkfunktionen für bestimmte Anwendungsfälle.

Dennoch kann die Unterstützung von Kernnetzfunktionen mit zustandsbehafteten Protokollen und umfangreichen Teilnehmersitzungen eine Herausforderung darstellen und finanzielle Hürden mit sich bringen.

Obwohl die Bereitstellungskosten für einige spezifische Anwendungsfälle weiter sinken werden, stellt sich 2022 eine grundlegendere Frage: wie sich der Fluss sensibler Daten verwalten und absichern lässt. Der zunehmende Fokus auf Datensouveränität wird viele Telekommunikationsunternehmen zweifellos dazu zwingen, die Public Cloud mit Bedacht zu nutzen, da politische Entscheidungsträger zunehmend fordern, dass sensible Datensätze im jeweiligen Land und unter strenger lokaler Kontrolle verbleiben (mit klaren Regeln dafür, wer darauf zugreifen darf und wer nicht). Letztlich könnte sich der Umstieg der Telekommunikationsunternehmen auf die Public Cloud dennoch als eine recht langwierige Angelegenheit erweisen.

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Schlagwörter: 2022

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