10 Tipps für den Einstieg in Ihre PQC-Reise

Branchentrends | 16. Dezember 2025

Quantencomputing zeichnet sich am Horizont ab und wird die kryptografischen Systeme grundlegend verändern, die unsere Daten, Kommunikation und Infrastruktur schützen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mit den Vorbereitungen zu beginnen. In dieser sechsteiligen Blogreihe über Post-Quanten-Kryptografie (PQC) erläutern führende Kryptografieexperten von F5, welche Risiken bestehen, welche Chancen sich bieten und welche Maßnahmen Ihr Unternehmen bereits heute ergreifen kann, um auch in einer Post-Quanten-Welt sicher zu bleiben. Die Zukunft ist näher, als Sie denken. Bereiten wir uns gemeinsam darauf vor.

Ganz gleich, was Tom Petty sang: Das Warten ist nicht das Schwierigste. Zumindest nicht, wenn es um die Vorbereitung auf Post-Quanten-Kryptografie (PQC) geht.

Der Anfang ist eindeutig das Schwierigste. Warum? Weil man nicht schützen kann, was man nicht sieht, und nicht migrieren kann, was man nicht erfasst hat. Sicherheitsexperten dazu aufzufordern, sich gegen eine der möglicherweise größten IT-Bedrohungen unserer Zeit zu wappnen, kann Wut, Verdrängung, vielleicht sogar Depressionen und vor allem Untätigkeit auslösen.

“Auch wenn KI-Investitionen und andere Themen um Aufmerksamkeit konkurrieren, erfordert die Vorbereitung auf Post-Quanten-Kryptografie (PQC) unverzügliche Planung und Maßnahmen sowie Zusammenarbeit, Engagement, Ressourcen und einen klaren, dauerhaften Fokus.”

In diesem abschließenden Blogbeitrag unserer sechsteiligen Reihe zur Vorbereitung auf PQC erläutern wir, warum es wichtig ist, jetzt damit zu beginnen, und welche Schritte Chief Information Security Officers (CISOs), Chief Technology Officers (CTOs) und andere IT-Führungskräfte ergreifen sollten.

Die meisten Unternehmen haben noch einen langen Weg vor sich

Der Q-Day – der erwartete Zeitpunkt, an dem Quantencomputer leistungsfähig genug sein werden, um die Verschlüsselung mit öffentlichen Schlüsseln zu knacken, die unsere heutige digitale Kommunikation schützt – könnte 2030 oder später eintreten. Er könnte aber auch schon 2029 oder früher kommen. Wir wissen schlicht nicht, wann. Doch um vollständig darauf vorbereitet zu sein, braucht es Zeit, Engagement und Führung.

Umfragen und Feldstudien zeigen, dass der Handlungsaufruf zumindest bislang nicht angekommen ist. Die im April 2025 veröffentlichte ISACA-Umfrage „Pulse of Quantum Computing“ ergab, dass nur 5 % der befragten CISOs PQC für die nahe Zukunft als „hohe geschäftliche Priorität“ einstuften.

Und wie F5 Labs im Juni berichtete, ist die Verbreitung von PQC bislang in einigen der sicherheitssensibelsten Branchen besonders gering. Nur 3 % der Websites von Banken unterstützen PQC, womit Banken selbst innerhalb des Finanzdienstleistungssektors zu den Schlusslichtern bei der Einführung gehören. Auch Websites aus dem Gesundheitswesen und dem öffentlichen Sektor hinken hinterher.

Warum es entscheidend ist, jetzt zu planen

Bei F5 ist die Vorbereitung auf eine postquantenkryptografische Welt kein Nebenprojekt. Auch wenn Investitionen in KI und andere Themen um Aufmerksamkeit konkurrieren, erfordert die Vorbereitung auf PQC eine sofortige Planung und Umsetzung sowie Zusammenarbeit, Engagement, Ressourcen und einen klaren, dauerhaften Fokus.

Alle Branchen werden betroffen sein, doch für Behörden und regulierte Branchen, darunter das Gesundheitswesen und Finanzdienstleister, könnte mehr auf dem Spiel stehen als für andere. Gründe dafür sind die Menge der von ihnen gespeicherten personenbezogenen Daten (PII) und persönlichen Gesundheitsdaten (PHI) sowie – und das ist besonders entscheidend – der lange Zeitraum, über den sie diese Informationen vor dem Abhören schützen müssen.

Aufgrund der Art von „Jetzt sammeln, später entschlüsseln“-Angriffen können Geheimnisse nicht mehr 20 Jahre lang mit einer Verschlüsselung geschützt werden, von der wir erwarten, dass sie in weniger als 10 Jahren geknackt wird.

Wenn es eine grundlegende Faustregel gibt, dann diese: Je länger Sie Ihre Geheimnisse bewahren müssen, desto schneller müssen Sie handeln.

In den vergangenen Jahren haben Regierungen damit begonnen, den Weg dorthin abzustecken. In den USA sind Behörden beispielsweise durch eine bundesweite Vorgabe verpflichtet, ihre Systeme mit hoher Priorität bis 2030 und alle übrigen Systeme bis 2035 zu schützen. Finanzdienstleister und Unternehmen im Gesundheitswesen müssen zwar keine festgelegten Fristen einhalten, stehen jedoch unter Druck, ähnliche Zeitpläne zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen einzuhalten.

Ebenso haben die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten kürzlich einen Fahrplan für die Umstellung der digitalen Infrastruktur Europas auf PQC vorgelegt. Dieser sieht unter anderem vor, bis Ende 2026 „erste Schritte“ einzuleiten und kritische Infrastrukturen spätestens bis 2030 abzusichern.

Behörden und Unternehmen müssen nicht nur selbst vorbereitet sein, sondern auch ihre Lieferketten. Die Zeit drängt. Sollte der Q-Day bis 2028 noch nicht eingetreten sein, werden sich viele vermutlich fieberhaft darum bemühen, alles in Ordnung zu bringen. Wird es dann schon zu spät sein?

Jetzt loslegen: So geht’s

In den vergangenen Monaten habe ich weltweit vor Gruppen von CISOs und Sicherheitsverantwortlichen über die Vorbereitung auf PQC gesprochen. Obwohl ich eindringlich vor den Risiken gewarnt habe, fielen die Reaktionen höchst unterschiedlich aus. Einige meinten, ich würde das Ausmaß des bevorstehenden Problems noch untertreiben. Am anderen Ende des Spektrums wissen manche hingegen kaum oder gar nichts über PQC und bezweifeln, dass entsprechende Vorbereitungen notwendig sind. Viele waren zu sehr mit KI und dem „Hier und Jetzt“ beschäftigt, um der Vorbereitung auf PQC die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Tatsächlich glaube ich, dass viele Sicherheitsexperten das Wesentliche aus den Augen verlieren, weil sie sich zu sehr auf Dinge wie verrauschte Qubits und die Frage konzentrieren, wie viele der heutigen Quantencomputer bei Raumtemperatur betrieben werden können. Das lenkt von der Kernbotschaft ab: Es werden Technologien kommen – ob Quanten-, KI- oder klassische Technologien –, die in der Lage sein werden, die heutigen Verschlüsselungsverfahren zu knacken. Und zwar bald – unserer Einschätzung nach früher, als viele denken.

Nationalstaaten und Kriminelle sammeln bereits jetzt in Erwartung dieser Entwicklung so viele verschlüsselte Daten wie möglich. Dies wird als „Jetzt sammeln, später entschlüsseln“-Angriff bezeichnet.

Der wichtigste Schutz für ein einzelnes Unternehmen oder eine Behörde ist eine quantenresistente Verschlüsselung. Die ersten US-Standards des NIST wurden Ende letzten Jahres verabschiedet.

Falls Sie noch nicht damit begonnen haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Das Ziel für die „neue Normalität“ muss Kryptoagilität sein – also die Fähigkeit, Verschlüsselungsverfahren und kryptografische Systeme schnell und wiederholt zu aktualisieren, während sich neue Technologien im Laufe der Zeit weiterentwickeln und verbessern.

Verantwortliche für die Cybersicherheit müssen diese Kryptoagilität unter Beweis stellen und zugleich nachweisen, dass sie die anerkannten kryptografischen Standards einsetzen, die von ihren Prüfern, Aufsichtsbehörden und anderen regionalen Interessengruppen erwartet werden.

Dies wird zur neuen Normalität werden, und je früher Sie damit beginnen, desto mehr Zeit haben Sie, die anfallenden Aufgaben zu bewältigen. Irgendwann wird es sehr dringend werden.

Für Chief Information Officers, CTOs und CISOs ist es ratsam, diese Arbeit bereits begonnen und ihren Stakeholdern die Notwendigkeit vermittelt zu haben, LANGE BEVOR daraus ein Notfall wird, den wir seit 15 Jahren kommen sehen.

Immer wieder sage ich meinen Gesprächspartnern, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, damit anzufangen. Wir sind näher am Jahr 2030 als am Jahr 2020, und je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger und einschneidender wird es.

Wo also sollten Unternehmen anfangen? Auch wenn es vieles zu bedenken gibt, finden Sie hier einige Tipps, die Ihnen den Einstieg erleichtern:

1. Benennen Sie eine Führungskraft für Ihr Quantum-Team
Als „Nebenprojekt der IT-Sicherheit“ wird dies kaum erfolgreich sein. Erwägen Sie, einen „Quantum-Verantwortlichen“ oder eine andere mit entsprechenden Befugnissen ausgestattete Führungskraft zu ernennen, die auf höchster Ebene Ihres Unternehmens den Fokus und die Verantwortlichkeit für die Vorbereitung auf das Quantenzeitalter vorantreibt. Mit der Benennung einer solchen Führungskraft signalisieren Sie Ihrem Unternehmen, dass es sich hierbei um eine zwingende Aufgabe zur Sicherstellung der Geschäftskontinuität und des Lieferkettenmanagements handelt – und nicht um ein „Nebenprojekt der IT-Sicherheit“.

2. Geben Sie frühzeitig die Richtung und den Zielzustand vor
Erläutern Sie Ihren Stakeholdern, dass kryptografische Agilität eine kontinuierliche Aufgabe ist. Kryptoagilität bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, kryptografische Algorithmen, Schlüssel und Protokolle schnell und effizient auszutauschen, ohne kritische Abläufe oder die gesamte Infrastruktur zu beeinträchtigen. Die erstmalige Umsetzung wird voraussichtlich ein langfristiges Projekt sein. Es ist wichtig, den Zielzustand zu vermitteln und deutlich zu machen, dass Kryptoagilität zu einer selbstverständlichen Fähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb werden muss. Während die Branche für den Umstieg von SHA-1 auf SHA-2 etwa 20 Jahre benötigte, wird uns künftig bei Weitem nicht so viel Zeit zur Verfügung stehen.

3. Schützen Sie zuerst das Wichtigste, beziehen Sie Risiko- und Compliance-Teams ein und nutzen Sie Ihren Geschäftskontinuitätsplan
Beginnen Sie mit dem Schutz der kritischsten Bereiche, um Risiken zu reduzieren, ohne die Ressourcen zu überlasten oder die Leistungsfähigkeit im gesamten Unternehmen zu beeinträchtigen. Wenn Sie über einen ausgereiften Geschäftskontinuitätsplan verfügen, kann dieser ein guter Ausgangspunkt sein, um die Beteiligten auf die für kritische Abläufe erforderlichen Schlüsselsysteme und Daten auszurichten. Dies ist kein leichtes Unterfangen. Zu Beginn dieser Umstellung sollten Sie mit mehrjährigen Austauschprojekten, Lücken bei Kompetenzen und Dokumentation sowie internen Konflikten über die wichtigsten Prioritäten rechnen.

4. Bestehen Sie auf der Bereitschaft Ihrer Lieferanten und verfolgen Sie einen Ökosystemansatz
Stellen Sie sicher, dass Ihre Lieferanten auf PQC vorbereitet sind, und rechnen Sie ab 2026 mit Anfragen von Kunden, Aufsichtsbehörden und Versicherern. Die Beratung durch Branchenorganisationen und führende Gruppen wie FS-ISAC kann dazu beitragen, die Risiken für den Business Case zu senken. (FS-ISAC ist eine gemeinnützige Organisation, die Cybersicherheit und Resilienz bei Finanzinstituten weltweit fördert. Sie bietet eine Fülle von PQC-Ressourcen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere ISACs für andere kritische Sektoren innerhalb und außerhalb der USA.)

5. Nutzen Sie die Chance zum Abbau technischer Schulden
Begleiten Sie Stakeholder und Führungskräfte durch den Veränderungsprozess, um nicht mehr tragbare technische Schulden endlich abzubauen. Falls Ransomware die technischen Schulden noch nicht samt Zinsen fällig gestellt hat, könnte Quantencomputing der entscheidende Auslöser sein. Machen Sie durchgängige Transparenz und Agilität mithilfe zentralisierter Ansätze wie Crypto-as-a-Service (CaaS) zum neuen Standard für kryptografische Ressourcen.

6. Priorisieren Sie die Bewältigung des Risikos „jetzt sammeln, später entschlüsseln“
Es wird davon ausgegangen, dass sowohl staatliche als auch kriminelle Akteure dem Q-Day zuvorkommen, indem sie Daten stehlen und speichern, die sie später entschlüsseln können. Je länger Informationen geheim bleiben müssen, desto wichtiger ist es, dort zuerst anzusetzen. Konzentrieren Sie Ihre ersten Maßnahmen auf den Schutz langlebiger sensibler Daten wie geistiges Eigentum, Finanzunterlagen und medizinische Daten.

7. Nutzen Sie Ihre Edge-Infrastruktur, aber zentralisieren Sie mit Blick auf die Zukunft
Nutzen Sie vorhandene Application Delivery Controller und Edge-Plattformen, um quantensichere TLS-Verbindungen zu terminieren. Prüfen Sie zudem einen CaaS-Ansatz zur Zentralisierung künftiger Aktualisierungen, der die Bereitstellung hybrider PQC-Schlüsselaustauschmechanismen wie ML-KEM am Netzwerkperimeter umfasst.

8. Finanzieren Sie nicht nur die Implementierung, sondern auch die Bestandsaufnahme
Priorisieren Sie in Ihren Budgets eine umfassende Bestandsaufnahme der Kryptografie über alle Ressourcen hinweg – Anwendungen, Infrastruktur, Daten und sogar jene „vergessenen“ IoT-/OT-Geräte (ja, auch Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen). Diese erste Prüfung wird wahrscheinlich mehr zutage fördern, als Sie erwarten, und liefert entscheidende Grundlagen für die Berichterstattung, das Stakeholder- und Projektmanagement sowie die Festlegung von Umfang und Zeitplänen für die Umsetzung.

9. Vermitteln Sie Kryptoagilität klar als Zielzustand
Es ist entscheidend, dass Ihre Stakeholder verstehen, dass Kryptoagilität und die regelmäßige Aktualisierung von Verschlüsselungsverfahren der neue Standard sind – und kein einmaliger Patch. Dies sollte als Weiterentwicklung betrachtet werden, um mit einer sich immer schneller verändernden Welt Schritt zu halten, und nicht als klar abgegrenztes Projekt, an dessen Ende wir das „Quantenproblem gelöst“ haben. Ein nachhaltiger und kryptoagiler Zielzustand hilft dabei, Forderungen nach einem dauerhaften Erhalt von Altsystemen einzudämmen, und bewahrt Sie zugleich vor endlosen Fragen wie: „Wann sind wir mit dem Quantenthema fertig?“

10. Priorisieren Sie schnell umsetzbare Maßnahmen wie die Einführung von TLS 1.3, um sofortige und langfristige Vorteile zu erzielen
Implementieren Sie TLS 1.3 für mehr Sicherheit – damit bereiten Sie sich nicht nur auf quantensichere Verschlüsselung vor, sondern verbessern bereits heute die Leistung Ihrer Verschlüsselung.

Quantencomputing und KI bergen beide enormes Potenzial für die Zukunft. Daher ist es wichtig, dass Verantwortliche für die Abwehr sicherstellen, dass sie für diese neue, schnellere Welt gerüstet sind. Das bedeutet, noch heute damit zu beginnen. Ihre Stakeholder erwarten von ihren Technologie-, Risiko- und Sicherheitsteams, dass sie Themen wie dieses frühzeitig auf die Agenda setzen.

Für Ihren Einstieg bietet F5 Lösungen zur Vorbereitung auf PQC an, die Sie auf diesem Weg unterstützen.

Weitere Informationen finden Sie in den anderen Blogbeiträgen dieser Reihe:

Bereit für das Quantenzeitalter: Ein praktischer Leitfaden zur Einführung von PQC mit F5
Apps, Netzwerke und Altsysteme im Visier der Quantentechnologie: Die Perspektive eines CISO
PQC-Standards und Zeitpläne verstehen
Die Ausgangslage: Warum ist PQC wichtig?
Eine Einschätzung zum Hype um Post-Quanten-Kryptografie

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Über den Autor

Chuck Herrin
Chuck HerrinCISO im Außendienst | F5

Chuck Herrin ist Field CSO bei F5.

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