Vielleicht erinnern Sie sich an einen Beitrag von Anfang 2017, in dem ich erwähnte, dass Container es leid waren, auf eine bestimmte Rolle festgelegt zu werden. Genauer gesagt war es im Januar. Das heißt, Container sind es inzwischen nicht mehr nur leid, auf eine bestimmte Rolle festgelegt zu werden – sie sind davon regelrecht erschöpft.
Wie überdrüssig sie dessen sind, zeigt eine aktuelle Portworx-Umfrage zur Einführung von Containern. Demnach wurden sowohl bei der Einführung von Containern – auf bis zu 82 % – als auch beim Einsatz von Containern in Produktionsumgebungen – inzwischen 83 % – deutliche Zuwächse verzeichnet.
Das ist jedoch keine Überraschung. Die Einführung von Containern verschlingt bereits seit einigen Jahren kontinuierlich Budget. Überraschend könnten allerdings die Gründe für diese Einführung sein. Kleiner Spoiler: Um Microservices geht es dabei eigentlich nicht.

Direkt hinter dem Ziel, die Effizienz von Entwicklern zu steigern, steht die Portabilität über mehrere Clouds hinweg. Container gelten als die Lösung für eine Portabilität, die der Markt bislang nicht bieten konnte, sich aber wünscht. Dieser Wunsch zeigt sich im Bericht „Leitfaden zu Serverless“ von The New Stack in den Antworten auf die Frage, woran Serverless scheitert. Die häufigste Antwort (29 % der Befragten) lautete: Portabilität.
Dies ist weder ein neues Anliegen noch eine neue Herausforderung, sondern lediglich eine neue Umschreibung für die „Vermeidung einer Anbieterabhängigkeit“. Schließlich ist jede Form der Public Cloud ein Produkt, und die Bindung an einen Anbieter infolge der Einführung eines Produkts ist immer möglich. Portabilität gilt als Ausweg. Dadurch werden Container für ein breiteres Anwendungsspektrum attraktiv, als von den Verfechtern neuer Technologien gemeinhin diskutiert wird.
Tatsächlich werden Container eher für traditionelle Anwendungs-Stacks und Infrastrukturen eingesetzt als für den Betrieb von Microservices. Ein Beispiel dafür ist ein Sysdig-Bericht, in dem Daten aus 90.000 Containern analysiert wurden, um herauszufinden, was darin ausgeführt wird. Ganz oben auf der Liste steht Java. Neben beliebten neuen Technologien wie etcd, fluentd, Elastic Search und mongoDB finden sich auch bewährte Favoriten wie Apache, PostgreSQL, PHP und Apache Tomcat.
Die meisten Unternehmen arbeiten heute in einer Multi-Cloud-Umgebung. Dabei nutzen sie Container, um Anwendungen in die Cloud und bei Bedarf auch wieder aus der Cloud heraus zu verlagern. Von den Befragten unserer Studie „State of Application Services 2019“, die angaben, im Zuge der digitalen Transformation die Containerisierung zu prüfen, verfolgten lediglich 11 % keinen Multi-Cloud-Ansatz.
Es ist keine gute Idee, Container auf eine enge Rolle zu beschränken, die ausschließlich Microservices umfasst, denn sie können weitaus mehr. Wer nicht über den Hype hinausschaut, verpasst möglicherweise die Chance, Container für mehr als nur Microservices zu nutzen.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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