Was wäre, wenn ich Ihnen sagen würde, dass „Mainframes täglich mehr Transaktionen verarbeiten als Google (1,3 Millionen pro Sekunde auf CICS gegenüber 68.542 pro Sekunde auf Google), darunter 55 Prozent aller Unternehmenstransaktionen“? (Forbes)
Wären Sie schockiert? Das sollten Sie nicht sein. Wenn wir über die digitale Transformation und die App-Ökonomie sprechen, stehen zwar meist Hyperscaler wie Facebook, Netflix und Google im Mittelpunkt. Tatsächlich ist die App-Ökonomie jedoch ebenso sehr (wenn nicht sogar stärker) auf Abertausende von Anwendungen angewiesen, die niemand je zu Gesicht bekommt oder von denen niemand je hört. Dabei bleiben nicht nur Mainframes unbemerkt. Auch Anwendungsdienste, Infrastruktur, Middleware und Datenquellen sind geschickt unter der glänzenden Oberfläche der neuesten App oder des neuesten Geräts verborgen.

Bei der digitalen Transformation geht es nämlich eher darum, wie wir mit Technologie interagieren, als um eine glanzvolle Transformation der Technologie selbst. APIs, Sensoren und Geräte sind nichts Neues. Auch Touchscreens und Sprachsteuerung sind nicht sonderlich erstaunlich. All diese Technologien gibt es in der einen oder anderen Form schon seit geraumer Zeit. Und in manchen Fällen ist das wirklich nur alter Wein in neuen Schläuchen.
Ohne einen Lastverteilungsdienst ist keine Skalierung möglich. Ohne Sicherheitsanwendungsdienste lassen sich Apps nicht schützen. Ohne Middleware und APIs können Apps nicht miteinander verbunden werden. Und ohne die von ihnen verwalteten Daten ist nichts davon besonders interessant.
Die App-Ökonomie stützt sich stärker auf das, was wir nicht sehen, als auf das, was wir sehen. Deshalb ist es unerlässlich, dass die IT am digitalen Tisch sitzt – und dort auch eine Stimme hat. Dieser Platz ist wichtig, unabhängig davon, ob Apps in einer Public Cloud oder lokal in einer Private Cloud bereitgestellt werden. Dieser Platz ist wichtig, unabhängig davon, ob Apps noch monolithisch aufgebaut sind oder aus containerisierten Microservices bestehen. Dieser Platz ist wichtig. Punkt.
Dieser Platz steht sinnbildlich für die Zusammenarbeit und den kulturellen Wandel, die notwendig sind, um die IT von einer unterstützenden Funktion zu einem strategischen Partner zu machen.
Der strategische Charakter der IT-Automatisierung
Eine der strategisch wichtigeren Entscheidungen, die ein CIO heute treffen kann, betrifft die Automatisierung. Da 55 % der Unternehmen infolge der digitalen Transformation Automatisierung einsetzen, darf ihre strategische Bedeutung nicht außer Acht gelassen werden. Ebenso wie die Wahl der Programmiersprachen und Plattformen für die Anwendungsentwicklung von strategischer Bedeutung ist, gilt dies auch für die Toolsets, Sprachen und Plattformen, die als Grundlage für Automatisierungsinitiativen ausgewählt werden.
Es wäre töricht, diese Entscheidungen als unwichtig abzutun. Technische und architektonische Schulden häufen sich schnell an und lassen sich ebenso hartnäckig aus dem Budget entfernen wie die Pfunde, die wir über Thanksgiving zulegen. Architektonische Schulden beruhen auf dem Prinzip der „technischen Schulden“ in der Softwareentwicklung. Dabei handelt es sich um eine Metapher: Komplexität und Architekturentscheidungen hindern Sie daran, neue Aufgaben zu erledigen, weil Sie Ihre gesamte Zeit für bestehende Systeme aufwenden müssen (Störungsbehebung, Wartung usw.). Wenn Sie hoch verschuldet sind, können Sie Ihr Geld nicht für andere Dinge einsetzen, weil Sie alles für Zinsen ausgeben. Diese Schulden treiben die Kosten neuer Services in die Höhe und verringern die für die Nutzung von Chancen zur Ergebnisverbesserung erforderliche Servicegeschwindigkeit – unabhängig davon, ob diese an der Produktivität oder am Gewinn gemessen wird.
Genau das macht die IT-Automatisierung zu einer strategischen Investition. Im Unternehmensumfeld werden die Entscheidungen, die Sie heute hinsichtlich der Implementierung von Automatisierung treffen, ebenso weitreichende Folgen haben wie die Entscheidungen, die vor Jahren in der Anwendungsentwicklung getroffen wurden.
So gaben beispielsweise in unserer Umfrage im vergangenen Jahr 65 % der DevOps-Fachkräfte an, dass die Bereitstellung von Self-Service-Angeboten ihre Entscheidung beeinflusst habe, die IT-Abteilung zu umgehen und stattdessen auf Cloud- oder Open-Source-Lösungen zurückzugreifen. Wer die IT-Abteilung umgeht, umgeht auch Sicherheitsvorkehrungen und gefährdet damit das Unternehmen und andere Systeme.
Die Wahl der falschen Programmiersprache kann technische Schulden verursachen, da sich Systeme ohne entsprechend qualifizierte Fachkräfte langfristig nicht aufrechterhalten lassen. Sich auf keine Programmiersprache festzulegen, kann zu Chaos führen und Automatisierungsskripte und Systeme zu „Haustieren“ machen, die ständige Pflege und Aufmerksamkeit benötigen. Dadurch fließt das Budget wieder verstärkt in Fehlerbehebung und Wartung statt in Innovationen.
IT-Automatisierung ist ein strategisches Vorhaben, bei dem ähnliche Faktoren wie bei Architekturen für Unternehmensanwendungen sorgfältig berücksichtigt werden sollten:
- Unterstützung über die gesamte Toolchain hinweg
Heutzutage unterstützt nahezu jeder IT-Anbieter die Automatisierung und Integration mit anderen Akteuren in der Produktionspipeline. Angesichts der Komplexität heutiger Netzwerke und der Vielzahl der an der Pipeline beteiligten Anbieter ist Support – ob klassisch oder durch die Community – unverzichtbar. Dokumentation, Codebeispiele und eine aktive Community sind dabei äußerst hilfreich. - Verfügbarkeit von Fachkräften und/oder Schulungen
Wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht schulen oder keine Fachkräfte einstellen können, die mit den Plattformen, Systemen und Sprachen arbeiten können, die Sie künftig einsetzen möchten, gehen Sie zurück zu Schritt eins und beginnen Sie den Auswahlprozess von vorn. Wenn Sie nicht in der Lage sind, die Systeme, die Sie aufbauen werden, dauerhaft zu betreiben, sollten Sie besser bei manuellen Abläufen bleiben, bis Sie dazu in der Lage sind. - Multi-Cloud-Bereitschaft
Die Unterstützung von Unternehmen mit Multi-Cloud-Umgebungen ist eine relativ neue, aber dennoch unverzichtbare Anforderung. Automatisierung wird sich nicht auf ein lokales Rechenzentrum beschränken. Automatisierungsmaßnahmen müssen mindestens eine Public Cloud und mit ziemlicher Sicherheit mehrere Public Clouds einbeziehen. Daher müssen Sie im Rahmen Ihrer Automatisierungsinitiative die Plattformkompatibilität und die Übertragbarkeit von Richtlinien zwischen verschiedenen Umgebungen sorgfältig prüfen. - Imperativ oder deklarativ
Ich weiß, dass Sie dieses Thema wahrscheinlich nicht mehr hören können, aber diese Entscheidung ist wirklich äußerst wichtig. Imperative (rein API-basierte) Methoden lassen sich schneller entwickeln und erfordern weniger Anpassungen seitens der IT, verursachen jedoch erhebliche technische Schulden, da sie die Automatisierung an bestimmte Geräte und Anbieter binden. Deklarative (artefaktbasierte) Methoden erfordern anfangs möglicherweise mehr Zeit und Architekturarbeit, lösen dafür aber die enge Kopplung von Prozessen und Produkten und reduzieren technische Schulden.
Die IT-Automatisierung gehört zu den strategisch wichtigsten Technologieentscheidungen, die ein CIO treffen kann. Und da der Großteil der App-Ökonomie auf Systemen basiert, die in den Zuständigkeitsbereich der IT fallen, gehört sie zugleich zu den strategisch wichtigsten Geschäftsentscheidungen, die ein CIO heute treffen kann.
Treffen Sie eine kluge Wahl.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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