Klar, eine Datenschutzverletzung kann teurer sein (zumindest derzeit), und sie rückt Ihr Versagen unweigerlich ins Rampenlicht (schließlich besteht eine Meldepflicht). Doch bei Sicherheit darf es nicht nur um die Offenlegung von Daten gehen.
Heutzutage hört man nur dann von einem Sicherheitsvorfall, wenn dabei auch Daten offengelegt wurden. Wenn man hört (und liest), wie manche Leute darüber sprechen, könnte man meinen, Sicherheitsvorfälle seien nur dann von Bedeutung, wenn Daten offengelegt werden. In einem aktuellen Bericht von Netwrix zu Sicherheits- und IT-Risiken heißt es sogar, dass „Unternehmen planen, ihre Investitionen auf den Schutz sensibler Daten zu konzentrieren, da sie nicht jede mögliche Bedrohung vorhersehen können.“ (IT-Risikobericht 2017)
Angesichts der Tatsache, dass sich die durchschnittlichen Kosten einer Datenpanne laut einer von IBM gesponserten Studie des Ponemon Institute auf über 3 Millionen US-Dollar belaufen, scheint dies sicherlich eine sinnvolle Strategie zu sein. Schützen Sie die Daten. Schließlich verursacht eine solche Panne nicht nur finanzielle Schäden, sondern schadet auch der Unternehmensmarke und dem Ruf und kostet häufig Menschen ihren Arbeitsplatz.
Das Problem bei einer derart kurzsichtigen Sicherheitsstrategie besteht darin, dass sie völlig außer Acht lässt, dass andere Sicherheitsverletzungen ebenso hohe Kosten verursachen können. Denn niemand greift Ihre Schutzmaßnahmen an, um sich nach einem erfolgreichen Eindringen einfach wieder zurückzuziehen. Den Angreifern geht es nicht um die persönliche Genugtuung, sich Zugang zu Ihrem Netzwerk oder Ihren Systemen verschafft zu haben. Die Zeiten, in denen die bloße Verunstaltung von Websites in der Hacker-Community als Initiationsritus galt, sind längst vorbei. Heutzutage geht es den Angreifern meist ums Geld.
Und obwohl wir wissen, dass Zugangsdaten und personenbezogene Daten im Dark Web viel Geld wert sind, lässt sich heutzutage nicht nur mit Daten Geld verdienen. Das hat der äußerst lukrative Markt für Kryptomining in letzter Zeit bewiesen. Ein sehr ausführlicher und umfangreicher (und lesenswerter) Blogbeitrag von Talos kommt zu dem Ergebnis, dass eine einzige Cryptojacking-Kampagne zwischen 182.500 US-Dollar und sage und schreibe 100 Millionen US-Dollar pro Jahr einbringen könnte:
„Um die finanziellen Gewinne ins Verhältnis zu setzen: Ein durchschnittliches System würde wahrscheinlich Monero im Wert von etwa 0,25 US-Dollar pro Tag generieren. Das bedeutet, dass ein Angreifer, der 2.000 Opfer rekrutiert hat (kein schwieriges Unterfangen), 500 US-Dollar pro Tag beziehungsweise 182.500 US-Dollar pro Jahr verdienen könnte. Talos hat Botnetze beobachtet, die aus Millionen infizierter Systeme bestehen. Nach unserer bisherigen Logik könnten diese Systeme theoretisch dazu genutzt werden, mehr als 100 Millionen US-Dollar pro Jahr zu erwirtschaften.“
Natürlich nur theoretisch.
Diese Zahlen sind erschreckend, doch die Gewinne, die damit für die Miner erzielt werden, sind für den heutigen Beitrag nicht unbedingt ausschlaggebend. Sie sind lediglich der Hauptgrund für die Angriffe. Ein paar Hunderttausend Dollar sind schließlich ein guter Grund, nach kostenlosen Ressourcen zu suchen. Und weil das Geschäft so lukrativ ist, sollten Sie sich der Kosten stärker bewusst sein, die durch Sicherheitsverletzungen entstehen, bei denen Miner und ihre Helfer in Ihrer Infrastruktur zurückbleiben.
Die Kosten der unbefugten Ressourcennutzung
Die Kosten einer Datenschutzverletzung sind gut dokumentiert und reichen von Bereinigungskosten bis hin zu Aufwendungen für Benachrichtigungen und Entschädigungen. Die Kosten anderer Sicherheitsverletzungen sind weniger gut dokumentiert, entstehen aber dennoch in Form unnötiger Betriebsausgaben und entgangener Chancen. Ob es sich nun um Miner oder Minions, herkömmliche Linux-basierte Prozesse oder containerisierten Code handelt: Sobald diese fremden und unerwünschten Bots eingeschleust wurden, verbrauchen sie unrechtmäßig Ressourcen, die am Monatsende (oder Quartalsende, je nachdem, wie oft Sie Ihre Cloud-Rechnung bezahlen) echtes Geld kosten.
Manche mögen denken, dass diese Bots lediglich Ressourcen verbrauchen, für die man ohnehin bezahlt hätte. Das klingt zunächst plausibel: Im Durchschnitt nutzt man nur 20 % dieser Instanz bzw. dieses Servers, bezahlt aber in jedem Fall für 100 %. Verursachen die Bots also tatsächlich reale finanzielle Verluste?
Und ob sie das tun.
Erinnern wir uns kurz an das Grundprinzip der automatischen Skalierung – einen der Gründe, warum sich viele Unternehmen für die Public Cloud entscheiden. Wenn die Auslastung oder die Leistungsanforderungen einen Schwellenwert überschreiten, soll eine neue Instanz gestartet werden, um den Bedarf zu decken. Angenommen, eine Instanz nutzt nur 20 % ihrer Kapazität für die Bedienung legitimer Clients und ein Bot beansprucht plötzlich die übrigen 80 %. Dann zahlen wir für eine zweite Instanz, anschließend für eine dritte und vierte und schließlich für eine fünfte, um einen Bedarf zu decken, den eine einzige Instanz hätte bewältigen können, wenn sie nicht unrechtmäßig genutzt worden wäre.
Das sind also die entsprechenden Kosten.
Für alle, denen die Umwelt am Herzen liegt, kommen außerdem die höheren CO₂-Emissionen durch den gestiegenen Stromverbrauch hinzu. Eine interessante Tatsache: Im Leerlauf verbrauchen Rechenressourcen weniger Watt als unter Volllast – insbesondere bei hochkomplexen kryptografischen Berechnungen. Wenn also ein Miner oder Minion auf Hochtouren läuft, kostet Sie das Kilowattstunden (bei einer lokalen Bereitstellung) beziehungsweise Instanzstunden (in der Public Cloud), was Ihren CO₂-Fußabdruck zusätzlich vergrößert.
Ein höherer Stromverbrauch bedeutet mehr Wärme, die durch zusätzliche Kühlung ausgeglichen werden muss. Dadurch wird noch mehr Strom verbraucht. Hinzu kommen die Systeme, die die Temperatur überwachen und entsprechende Daten melden … Sie verstehen sicher, worauf wir hinauswollen. Für den Betrieb eines Rechenzentrums – ob in der Cloud oder vor Ort – ist eine Menge zusätzlicher Rechenleistung erforderlich. Durch die unbefugte Nutzung von Ressourcen entstehen Ihnen dadurch immer höhere Betriebskosten.
Wie im zuvor erwähnten Blogbeitrag von Talos beschrieben, sind einige dieser Kryptomining-Skripte ziemlich clever. Sie agieren unauffällig und können verhindern, dass Ihre Rechner in den Standby-Modus wechseln, neu gestartet oder abgemeldet werden oder andere Vorgänge ausführen, die ihren Betrieb unterbrechen könnten. Sie sorgen dafür, dass Ihre Rechner rund um die Uhr laufen, und schöpfen jedes noch so kleine bisschen Rechenleistung ab, bevor Sie den Kammerjäger rufen.
Das sind also die greifbaren Kosten – diejenigen, die sich an den rasant steigenden Energie- und Cloud-Rechnungen ablesen lassen. Doch wie sieht es mit den immateriellen Kosten aus? Etwa dem Verlust eines Kunden (oder potenziellen Kunden) aufgrund mangelnder Leistung?
Nun, erinnern wir uns an das zweite Betriebsaxiom: Mit zunehmender Last nimmt die Leistung ab.
Wenn ein Miner oder Minion Ressourcen verbraucht, erhöht dies die Gesamtauslastung eines Servers, wodurch die Performance der App beeinträchtigt wird. Das ist wie bei der Schwerkraft: Es ist ein Naturgesetz. Die Auswirkungen einer schlechten Performance sind gut dokumentiert. So wissen wir beispielsweise aus Untersuchungen von AppDynamics, dass 8 von 10 Nutzern eine App gelöscht haben, weil ihre Performance schlecht war. Außerdem wissen wir, dass Amazon, Google und Walmart allesamt dokumentiert haben, wie sich selbst Mikrosekunden auf Umsatz, Konversionen und Käufe auswirken. Je nach Branche können eine verlorene App oder eine geringfügige Verschlechterung der Performance ziemlich schnell zu messbaren Verlusten führen.
Auch wenn Sie die tatsächlichen Kosten nicht ausrechnen möchten (und ich möchte das ganz sicher nicht), spricht der Grundgedanke für sich: Miner und Minions kosten Unternehmen auf vielfältige Weise bares Geld. Natürlich stellt die Offenlegung von Daten ein ernstes Sicherheits- und Geschäftsrisiko dar, vor dem man sich unbedingt schützen muss. Dennoch sollten wir nicht außer Acht lassen, dass jeder Sicherheitsverstoß schwerwiegende Folgen haben kann.
Erschreckende 25 % der Unternehmen sind laut RedLock Cloud Security Trends May 2018 derzeit in ihren Umgebungen von Cryptojacking-Aktivitäten betroffen. Tripwire berichtete ebenfalls, dass 15 Millionen Menschen von einer einzigen Monero-Mining-Operation betroffen waren. eWeek berichtete über einen Energieversorger dessen Rechenressourcen durch illegale Kryptomining-Aktivitäten drastisch beansprucht wurden.
Solche Berichte häufen sich, wahrscheinlich in der Hoffnung, die Ernsthaftigkeit dieser Aktivitäten ins Bewusstsein zu rücken. Bei Minern – und den in Botnet-Armeen eingesetzten Bots – ist vor allem zu beachten, dass sie auf eine Sicherheitslücke in Ihren Abwehrmaßnahmen hindeuten, die nicht zwangsläufig mit sensiblen Daten in Zusammenhang stehen muss.
Wer sich beim Schutz zu sehr auf Daten konzentriert, läuft Gefahr, sich in die wachsende Liste der Unternehmen einzureihen, die durch ihre Zahlungen dazu beigetragen haben, dass Kryptojacking zu einem derart lukrativen Geschäft geworden ist. Die Ungewissheit darüber, was Angreifer als Nächstes ausnutzen werden, ist kein guter Grund, den Fokus von einer umfassenden Sicherheitsstrategie abzuwenden und sämtliche Anstrengungen auf den Schutz von Daten zu richten. Schützen wir das Unternehmen – und dazu gehören auch die betrieblichen Kostenpositionen, die den Unternehmensgewinn schmälern können.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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