Ist Multicloud-Networking wirklich Magie?
Im sich rasant entwickelnden Bereich des Cloud-Computing erlebt Multicloud-Networking derzeit einen erneuten Aufschwung. Jüngste Übernahmen durch Anbieter, denen bislang eine umfassende Multicloud-Lösung fehlte, unterstreichen die wachsende Nachfrage der Kunden nach einer optimierten Lösung, die ihnen hilft, die Komplexität von Multicloud-Umgebungen zu bewältigen.
Doch inmitten dieses Wiederauflebens wird immer deutlicher, dass die Ansätze vieler Marktteilnehmer etwas kurzsichtig sind und sie die eigentliche Chance verpassen, die Komplexität zu reduzieren, mit der Kunden konfrontiert sind.
Das Netzwerk ist unverzichtbar, aber begrenzt
Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Cloud-Computings rückt die Multicloud-Vernetzung zunehmend in den Mittelpunkt der technologischen Überlegungen von Unternehmen. Die zunehmende Verbreitung von Rechenkapazitäten außerhalb herkömmlicher Rechenzentren, die sich bis hin zu dezentralen Edge-Standorten und physischen Niederlassungen erstrecken, erzwingt ein neues Zusammenspiel zwischen physischen und Cloud-Umgebungen. Mit dem Aufkommen von Containerisierung, Microservices, und APIs werden Anwendungen zunehmend dezentral und dynamisch, was herkömmliche Netzwerkarchitekturen vor neue Herausforderungen stellt. Diese Anwendungen können heute über weit verteilte Standorte hinweg bereitgestellt werden und sind nicht länger auf riesige Serverfarmen angewiesen.
Die überwiegende Mehrheit der heute verfügbaren Multicloud-Netzwerklösungen konzentriert sich vor allem auf die Netzwerktransportschicht. Das Netzwerk, wie wir es heute kennen, ist nicht anwendungsorientiert – dafür wurde es nicht konzipiert. Darüber hinaus wurde das Netzwerk hauptsächlich für die Standort-zu-Standort-Konnektivität (Nord-Süd) entwickelt und ist nicht darauf ausgelegt, die zunehmende Ost-West-Konnektivität von Anwendungsdiensten zu unterstützen, die über Cluster in einer einzelnen Cloud oder an einem einzelnen physischen Standort hinausgeht. Deshalb treten Probleme auf, wenn Unternehmen umfangreiche Fusionen oder Übernahmen durchführen: Unterschiedliche, in Netzwerk-Routingtabellen gespeicherte IP-Adressen müssen sich dann dieselbe Infrastruktur teilen, was unweigerlich zu Herausforderungen durch IP-Adressüberschneidungen führt und die betriebliche Komplexität erhöht.
Herkömmliche Netzwerke werden oft als „dumme Leitungen“ wahrgenommen und verursachen einen erheblichen Betriebsaufwand sowie Ineffizienzen, die Entwicklungsteams in äußerst agilen Unternehmen ausbremsen. Viele versuchen, diese Probleme ausgehend vom Netzwerk zu lösen, müssen jedoch feststellen, dass dieser Ansatz seine Grenzen hat.
Das Kubernetes-Dilemma
Kubernetes hat sich zu einem unverzichtbaren Werkzeug für die Orchestrierung dieser verteilten, containerisierten Ökosysteme entwickelt und ermöglicht ein enormes Maß an Agilität und Skalierbarkeit. Kubernetes, eine ursprünglich von Google entwickelte Open-Source-Plattform zur Container-Orchestrierung, hat sich rasch als De-facto-Standard für die Bereitstellung und Verwaltung containerisierter Anwendungen etabliert.
Kubernetes bietet eine Plattform zur Automatisierung der Bereitstellung, Skalierung und Verwaltung containerisierter Anwendungen. Durch die Abstraktion der zugrunde liegenden Infrastruktur ermöglicht Kubernetes Entwicklern, sich auf die Entwicklung und Bereitstellung von Anwendungen zu konzentrieren, ohne durch die komplexe Verwaltung von Infrastrukturressourcen belastet zu werden. Allerdings bringt Kubernetes an sich (zumindest in seiner Open-Source-Form) auch eine gewisse Komplexität mit sich. Daher sind kommerzielle Distributionen weit verbreitet, die darauf abzielen, einen Teil dieser Komplexität zu abstrahieren.
Damit sind wir jedoch wieder am Ausgangspunkt angelangt. Nehmen wir als Beispiel eine der am weitesten verbreiteten kommerziell erhältlichen Distributionen: Red Hat OpenShift. OpenShift wird häufig in Unternehmensumgebungen eingesetzt, vorwiegend in lokalen Rechenzentren. Dieselben Unternehmen stellen auch Service-Cluster in der Cloud bereit, beispielsweise in AWS, und nutzen höchstwahrscheinlich Amazon Elastic Kubernetes Service (EKS). Zudem möchten sie Services in Red Hat OpenShift on AWS (ROSA) integrieren. Separate Tooling-Umgebungen, die nicht für die Integration ausgelegt sind – und schon zeigt sich das Multicloud-Problem erneut von seiner hässlichen Seite.
Die Sicherheitslücke in Cloud-Netzwerken
Jede heute auf dem Markt verfügbare Multicloud-Netzwerklösung bietet ein gewisses Maß an integrierter Sicherheit – von fortschrittlicher Segmentierung bis hin zu nativen Netzwerk-Firewalls und Funktionen zur Einbindung von Diensten. Doch auch hier wird der entscheidende Faktor, nämlich die Anwendungen, außer Acht gelassen. Diese Lösungen berücksichtigen keine bösartigen Bedrohungen, die mithilfe von Angriffen auf die Geschäftslogik verteilte Anwendungsdienste und API-Endpunkte kompromittieren, die sich über mehrere Cloud- und Edge-Standorte erstrecken. Das Netzwerk kann sicher sein, während die darüber bereitgestellten Anwendungen weiterhin anfällig für Angriffe bleiben. Unternehmen sind gezwungen, mehrere punktuelle Sicherheitslösungen einzusetzen und durch ihre Sicherheitsteams einen enormen Governance-Aufwand zu betreiben, um sicherzustellen, dass ihr gesamtes Portfolio an verteilten Hybrid- und Multicloud-Anwendungen geschützt ist.
Argumente für sichere Multicloud-Netzwerke
Videoausschnitt: Definition sicherer Multicloud-Netzwerke mit Kyndryl und F5
Zukunftsorientierte Unternehmen stellen sich der Herausforderung und gestalten die Landschaft neu. Nehmen wir zum Beispiel McGraw Hill. Angesichts der dringenden Notwendigkeit, geschäftskritische Anwendungen in die Cloud zu migrieren, priorisierte McGraw Hill die Anwendungs- und Sicherheitsanforderungen und entschied sich für F5 Distributed Cloud Services, um diese strengen Anforderungen zu erfüllen. Mit F5 kann das Unternehmen sein lokales Netzwerk nahtlos auf jede Cloud-Umgebung ausweiten und so eine einheitliche Sicherheit auf Anwendungsebene in jeder Cloud gewährleisten.
Auch das Direktorat für Landwirtschaft und ländliche Wirtschaft (ARE) der schottischen Regierung erkannte, dass ein neues Paradigma erforderlich ist, um modernen Anwendungsarchitekturen gerecht zu werden. Mithilfe von Distributed Cloud Services konnte ARE Workloads mühelos zwischen OpenShift und EKS verschieben und so die Flexibilität und Agilität von Multicloud-Umgebungen nutzen. Neil Smith, Head of Infrastructure, formulierte es so: „Multicloud-Umgebungen werden uns dauerhaft begleiten. Mit F5 können wir flexibel reagieren und die Vorteile einer containerisierten Kubernetes-Umgebung mit einem umfassenden Angebot an Services und Lösungen nutzen, die diesen Wandel unterstützen.“
Diese Erfolgsgeschichten stehen beispielhaft für den Wandel hin zu einem anwendungszentrierten und sicherheitsorientierten Ansatz für die Multicloud-Vernetzung. Indem Unternehmen die Anforderungen ihrer Anwendungen und die Sicherheitsanforderungen in den Mittelpunkt stellen und zugleich ihre bestehende zugrunde liegende Netzwerkinfrastruktur ergänzen, können sie die Komplexität von Multicloud-Umgebungen souverän und effizient bewältigen. Eine sichere Multicloud-Vernetzung – und keine „Magie“ – hilft Unternehmen, die auf modernen Anwendungsarchitekturen basieren, deren Potenzial auszuschöpfen und so Innovation und Erfolg im digitalen Zeitalter voranzutreiben.
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