30 Jahre auf der Anwendungsebene

Das Leben bei F5 | 09. April 2026

1997 mussten die meisten Betreiber von Webinfrastrukturen ihre Lösungen noch im laufenden Betrieb notdürftig zusammenbauen. Lastspitzen legten Websites lahm. Wenn die Kapazitäten erschöpft waren, wurden Server manuell hinzugefügt – meist zu spät. Die Frage war nie, ob das Web wachsen würde, sondern ob die zugrunde liegende Infrastruktur damit Schritt halten könnte.

“Dreißig Jahre sind in der Technologie eine lange Zeit … Für F5 war die Herausforderung stets dieselbe: Anwendungen schnell, verfügbar und sicher zu halten, während sich die Welt um sie herum verändert.”

F5 ging von einer einfachen Überzeugung aus: Die Lösung waren nicht mehr Server, sondern eine intelligentere Datenverkehrssteuerung. F5 BIG-IP brachte anwendungsbezogene Intelligenz direkt in den Datenpfad und traf Entscheidungen auf Grundlage von Echtzeitbedingungen statt statischer Regeln. Diese Entscheidung, die Anwendungsbereitstellung als intelligentes Systemproblem und nicht als Problem der Hardwareskalierung zu betrachten, wurde zum roten Faden für alles, was folgte.

Dreißig Jahre sind in der Technologie eine lange Zeit. Die meisten Unternehmen, die 1996 von Bedeutung waren, sind es heute nicht mehr. Diejenigen, die überlebt haben, zeichneten sich nicht nur durch eine gute Umsetzung aus. Sie konzentrierten sich stets auf das richtige Problem.

Für F5 ist diese Herausforderung stets dieselbe geblieben: Anwendungen müssen schnell, verfügbar und sicher bleiben, während sich die Welt um sie herum verändert. Und diese Welt hat sich bereits mehrfach grundlegend gewandelt.

1996 bis 2005: Als das Internet über seine eigene Infrastruktur hinauswuchs

Das frühe Web war für Neugier geschaffen, nicht für den Handel. Als es beidem diente, traten die Schwachstellen schnell zutage. Verfügbarkeit war nun entscheidend. Leistungseinbußen bedeuteten geschäftliche Einbußen. Die Kategorie, die F5 mitprägte – der Application Delivery Controller –, entstand aus einer einfachen Erkenntnis: Die Netzwerkschicht verstand Anwendungen nicht, und dieser blinde Fleck kam die Menschen teuer zu stehen.

BIG-IP brachte Intelligenz direkt in den Pfad des Anwendungsdatenverkehrs. Dabei wurden nicht nur Pakete weitergeleitet, sondern auch deren Zweck verstanden und entsprechende Entscheidungen getroffen. Mit der zunehmenden Vernetzung von Anwendungen wuchsen Bereitstellung und Sicherheit immer stärker zusammen. Es folgten identitätsbasierte Zugriffskontrollen, Anwendungssicherheit und Full-Proxy-Architekturen. Damit wurde der Grundstein für ein Modell gelegt, das Leistung, Zuverlässigkeit und Schutz als Bestandteile desselben Systems betrachtete – statt als separate Produkte, die parallel nebeneinander betrieben wurden.

2006 bis 2015: Als die Virtualisierung die Spielregeln veränderte

Cloud- und mobiler Zugriff veränderten die Art und Weise, wie Anwendungen entwickelt und genutzt wurden. Die Infrastruktur wurde dynamisch. Traditionelle Netzwerkgrenzen begannen zu verschwimmen. Damit verlagerte sich auch die Angriffsfläche.

F5 entwickelte in dieser Zeit Hardware und Software gemeinsam weiter. VIPRION nahm elastisches Verhalten im Cloud-Maßstab innerhalb des Rechenzentrums vorweg. BIG-IP Virtual Edition erweiterte die Bereitstellung und Sicherheit auf virtualisierte Umgebungen und Cloud-Umgebungen. Anwendungen konnten verschoben werden, ohne dass Konsistenz oder Kontrolle verloren gingen.

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit betraf die Sicherheit. Nicht Netzwerke, sondern Anwendungen waren zur primären Angriffsfläche geworden. Der Schutz des Netzwerkperimeters allein reichte nicht mehr aus. F5 richtete seinen Fokus verstärkt auf anwendungszentrierte Sicherheit und integrierte Schutzmechanismen direkt in den Datenverkehr. Die beiden Disziplinen Performance und Sicherheit mussten gemeinsam konzipiert werden. Dieser Ansatz prägt die Plattform, die F5 heute betreibt.

2016 bis 2022: Der schwierigste Übergang

Dies war die Ära, die die größten Veränderungen erforderte, und es ist wichtig, das offen anzuerkennen.

Die Einführung von Cloud- und Multicloud-Lösungen beschleunigte sich. Die Flexibilität nahm zu – und damit auch die Fragmentierung. Teams setzten immer mehr Tools, Plattformen und Richtlinien ein, häufig ohne eine einheitliche Möglichkeit, diese zu verwalten. Und F5 stand intern vor einer ähnlichen Herausforderung: Wie bedient man eine Welt, die sich hin zu einer von Entwicklern geprägten, softwaredefinierten Infrastruktur bewegt, wenn das Kerngeschäft auf Appliances und Netzwerkbetriebsteams aufgebaut war?

Die Antwort bestand aus zwei Schritten.

Mit der Übernahme von NGINX wurde das Portfolio um einen modernen, entwicklerorientierten Ansatz für die Anwendungsbereitstellung erweitert. NGINX war bereits in mehr Unternehmen im Einsatz, als den meisten bewusst war: in Kubernetes-Clustern und CI/CD-Pipelines, verwaltet von denjenigen, die den Code schreiben, und nicht von denjenigen, die das Netzwerk betreiben. Durch die Integration in F5 konnte F5 Entwickler dort erreichen, wo sie arbeiteten, und nicht nur dort, wo das Netzwerkteam tätig war.

F5 Distributed Cloud Services führte SaaS-basierte Netzwerk- und Sicherheitsdienste für stark verteilte Umgebungen ein. Dahinter stand die Überzeugung, dass die Zukunft des Infrastrukturmanagements eher von Software als von Hardware geprägt sein würde und dass Kunden eine Möglichkeit benötigen würden, einheitliche Richtlinien über Clouds, Rechenzentren und Edge-Umgebungen hinweg anzuwenden, ohne für jede davon ein eigenes Betriebsmodell entwickeln zu müssen.

Keine der beiden Übernahmen ließ sich einfach integrieren. Keine fügte sich nahtlos in die bestehenden Abläufe ein. Genau deshalb waren sie so wichtig. Die Unternehmen, die in dieser Ära relevant blieben, waren diejenigen, die bereit waren, solche Reibungsverluste in Kauf zu nehmen.

Die Erkenntnis aus dieser Zeit bestätigte sich immer wieder: Komplexität wird zum Risiko, wenn sie nicht beherrscht wird. Und zwar nicht nur zu einem operativen, sondern auch zu einem strategischen Risiko. Kunden mussten ihre Umgebungen vereinfachen, ohne dabei Abstriche bei Leistung, Transparenz oder Kontrolle zu machen. F5 musste eine Möglichkeit schaffen, genau das zu bieten.

2023 bis 2026: Die F5 Application Delivery and Security Platform

Zu Beginn der 2020er-Jahre hatte sich die Angriffsfläche grundlegend verändert. APIs waren zahlreicher als herkömmliche Anwendungsschnittstellen. KI-Workloads erforderten sowohl einen extrem hohen Durchsatz als auch neue Schutzkategorien, darunter Schutz vor Risiken, für die es noch keine etablierten Bezeichnungen gab. Software-Lieferketten wurden zu Angriffsvektoren. Bedrohungen entwickelten sich schneller, als Teams sie manuell nachverfolgen konnten.

Die von F5 entwickelte Antwort war architektonischer Natur und bestand nicht einfach darin, weitere Lösungen hinzuzufügen. Statt das Portfolio weiter auszubauen, konsolidierte F5 es. Im Jahr 2025 führte F5 die F5 Application Delivery and Security Platform (ADSP) ein, die leistungsstarkes Traffic-Management und umfassende Anwendungs- und API-Sicherheit in einem einheitlichen Betriebsmodell vereint.

Die Grundidee von F5 ADSP besteht darin, dass Bereitstellung und Sicherheit nicht unabhängig voneinander optimiert werden können, wenn sie denselben Datenverkehrspfad nutzen. Die Intelligenz, die die Leistung optimiert, sollte zugleich für die Durchsetzung von Schutzmaßnahmen sorgen. Eine einheitliche Plattform schafft eine zentrale, verlässliche Informationsquelle für Richtlinien, Transparenz und Kontrolle in hybriden Multicloud-Umgebungen. Sie reduziert die operative Angriffsfläche, die andernfalls durch die Komplexität entstehen würde.

Dreißig Jahre Erfahrung damit, was in Anwendungsinfrastrukturen ausfällt – gebündelt in einer Plattform, die für die Zukunft entwickelt wurde.

Was 30 Jahre wirklich bedeuten

Auch nach drei Jahrzehnten bestätigt sich dieses Muster.

Jedes Mal, wenn sich die Architektur des Internets verändert, entstehen neue Fehlerszenarien. Skalierung bringt Systeme an ihre Grenzen. Perimeter lösen sich auf. Komplexität führt zu einer Konzentration von Risiken. F5 hat jeden dieser Übergänge erfolgreich gemeistert, indem das Unternehmen stets nah an der Anwendungsschicht geblieben ist – dort, wo Datenverkehr, Sicherheit und Performance zusammenlaufen.

Unser Dank gilt von Herzen den Kunden, die uns immer wieder vor anspruchsvollere Herausforderungen gestellt haben, den Partnern, die dazu beigetragen haben, die Reichweite dieser Lösungen zu vergrößern, und den Menschen bei F5, die in all diesen Phasen die eigentliche Arbeit geleistet haben.

Was vor uns liegt, wird nicht einfacher. KI verändert sowohl die Funktionsweise von Anwendungen als auch die Art und Weise, wie sie angegriffen werden. Die Unternehmen, die diesen Wandel erfolgreich bewältigen, werden diejenigen sein, deren Infrastruktur intelligent genug ist, um Schritt zu halten.

Das ist nach wie vor unsere Aufgabe. Und das schon seit 1996.

Weitere Informationen finden Sie in unserem aktuellen Blogbeitrag „30 Jahre F5 aus der Sicht der F5-Mitarbeitenden.“

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Über den Autor

Kunal Anand
Kunal AnandChief Product Officer | F5

Kunal Anand leitet als Chief Product Officer die Produktorganisation von F5. Er ist für Produktvision, Strategie und Umsetzung verantwortlich und stellt die Entwicklung wegweisender Lösungen sicher, die kritische Herausforderungen bewältigen und außergewöhnliche Kundenerlebnisse schaffen. In seiner vorherigen Funktion als Chief Technology and AI Officer bestimmte Kunal die Technologie- und KI-Strategie sowie die entsprechende Vision des Unternehmens. Vor seiner Zeit bei F5 hatte Kunal bei Imperva die Doppelfunktion des Chief Technology Officer und Chief Information Security Officer inne. Sein Weg zu Imperva begann 2018 mit der Übernahme von Prevoty, einem 2013 von ihm mitgegründeten Start-up für Anwendungssicherheit. Vor seinem Wechsel zu Prevoty war er Director of Technology bei BBC Worldwide. Kunal verfügt über langjährige Innovations- und umfassende technische Erfahrung und leitete bei Gravity, MySpace und dem NASA Jet Propulsion Lab Teams in den Bereichen Sicherheit, Daten, Technologie und Engineering. Kunal verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in den Bereichen KI und maschinelles Lernen – von Modelltraining und dem Einsatz KI-gestützter Algorithmen zur Produktoptimierung bis hin zur Konzeption und Implementierung von KI-Architekturen. Kunal hat einen Bachelor-of-Science-Abschluss in Informatik vom Babson College.

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