Cybersicherheit erfordert eine neugierige Denkweise

F5-Ökosystem | 19. Dezember 2022

Eine Karriere in der Cybersicherheit anzustreben, kann verdammt einschüchternd sein.

Für Neulinge kann die schiere Komplexität von Informationssystemen in Verbindung mit der unheilvollen Entschlossenheit böswilliger Akteure und den verheerenden Folgen eines Scheiterns nur schwer zu verdauen sein.

Doch (fast) jede Reise wirkt zu Beginn einschüchternd. Genauso wie – um einen aktuellen Vergleich zu ziehen – viele Neujahrsvorsätze am 1. Januar entmutigend erscheinen werden. Nutzen wir also im Geiste des Neuanfangs die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was Sie ursprünglich an der Cybersicherheit gereizt hat.

Eine der wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Fachkräfte für Informationssicherheit ist die Bereitschaft, ein Leben lang zu lernen. Dafür braucht es Menschen, die sich mit Begeisterung kontinuierlich neues Technologiewissen aneignen und für ihr Fachwissen bezahlt werden.

Doch wie lässt sich diese Lernfähigkeit am besten aufrechterhalten?

Jeder Mensch lernt sein Leben lang. So funktioniert die Welt, und so entwickeln sich Zivilisationen weiter. Doch viele hören irgendwann auf zu lernen, weil es zusätzliche Anstrengung erfordert. In der Schule muss man lernen, um eine Prüfung zu bestehen und eine gute Note zu bekommen. Im Beruf lernt man, um seine Aufgaben zu erfüllen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Danach sind viele versucht, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Sie glauben, ihre Lernzeit sei vorbei, weil sie bereits genug geleistet haben.

Das muss nicht so sein. Versuchen Sie stattdessen, sich eine neugierige Denkweise anzueignen.

Neugier ist das Verlangen zu lernen. Der unstillbare Wissensdurst, zu erfahren, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt, auf vorhandenem Wissen aufzubauen, um ein Konzept vollständig zu erfassen und es kontinuierlich anzuwenden.

In der Cybersicherheit ist dies eine entscheidende Eigenschaft, denn böswillige Akteure nutzen genau das Unbekannte aus. Nur mit unermüdlicher Neugier auf ihren nächsten Schritt können Sie mithalten und ihnen sogar einen Schritt voraus sein.

Eine neugierige Denkweise anzunehmen bedeutet, gedanklich das Ergebnis des Lernens durch den Lernprozess selbst zu ersetzen. Mit anderen Worten: den Weg genauso sehr oder sogar mehr zu genießen als das Ziel. Es bedeutet, sich bewusst zu machen, dass man lernen will und gerne lernt und deshalb immer mehr lernen wird – wieder und wieder.

Wenn Sie Ihr Gehirn in den Neugiermodus versetzen, stellen Sie Fragen, um tiefer einzutauchen und verborgene Wahrheiten aufzudecken. Sie bereiten Ihr Gehirn darauf vor, Daten und Informationen aufzunehmen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie zu speichern, damit sie bei Bedarf genutzt oder neu interpretiert werden können. So kann ein lohnender Kreislauf aus Dopaminschüben entstehen: Jedes Mal, wenn Sie etwas Neues lernen, werden die Informationen im Gedächtnis verankert und Sie schöpfen die Neurochemie des Lernens voll aus.

Ein weiterer Vorteil von Neugier ist, dass Sie eher bereit sind, Ihre Komfortzone zu verlassen und Neues zu erkunden. Das Verlassen der Komfortzone hat immer auch negative Seiten. Deshalb fühlt es sich unangenehm an. Die Angst vor dem Unbekannten und die Energie, die nötig ist, um etwas Neues auszuprobieren, können oft mentale Hürden darstellen. Neugier kann ein positives Gegengewicht zu diesen negativen Gedanken bilden und Ihnen als intellektuelle Rüstung dienen, wenn Sie sich ins Unbekannte vorwagen.

Im Bereich der Cybersicherheit könnte dies bedeuten, über das bestehende Netzwerk hinaus neue Kontakte zu knüpfen und Menschen kennenzulernen, die an verwandten Sicherheitsprojekten arbeiten, oder mehr Zeit in Recherche und Weiterbildung zu investieren (etwa mithilfe der am Ende dieses Artikels aufgeführten Ressourcen).

Für Neueinsteiger in die Cybersicherheitsbranche könnte das bedeuten, sich für einen Hochschulkurs anzumelden und die nötige Zeit aufzubringen, um sich in der Branche zurechtzufinden. Oder sich das Ziel zu setzen, zwei Sicherheitspodcasts pro Woche anzuhören (Empfehlungen finden Sie ebenfalls weiter unten).

Sich einfach eine neugierige Denkweise anzueignen, ist nicht leicht – insbesondere, wenn man sich zum ersten Mal mit einem Thema beschäftigt. Bei einem komplexen Thema wie Cybersicherheit kann es schwierig sein, einen Zugang zu finden und das Gefühl zu haben, alle auf einen einströmenden Informationen vollständig zu verstehen. In solchen Situationen fällt es mitunter schwer, aufmerksam zu bleiben, und das Thema verliert an Reiz.

Viele Menschen tappen in die Falle und denken: „Das interessiert mich nicht, also werde ich es weder lernen noch verstehen.“

Aber es kann genauso gut auch umgekehrt sein: „Weil du es nicht verstehst, hatte es noch keine Gelegenheit, interessant zu werden, und deshalb wirst du es nicht lernen.“

Neugier bedeutet, sich darauf einzulassen, den Kern eines Themas zu verstehen und ein Wissensfundament zu schaffen, auf dem sich viele interessante und solide Gedankengebäude errichten lassen.

Eine treffendere Metapher stammt von Tim Urban, dem Gründer des Blogs „Wait But Why“ (einem meiner persönlichen Favoriten), der sich eine riesige Fangemeinde aufgebaut hat, indem er seiner Neugier folgte und tief in Themen eintauchte wie KI-Superintelligenz, Tesla und Kryonik. Er vergleicht Wissen mit einem Baum:

„Ich habe schon öfter gehört, wie Menschen das Wissen über ein Thema mit einem Baum vergleichen. Wenn man ein Thema nicht vollständig versteht, ist es, als hätte man einen Baum ohne Stamm im Kopf – und ohne Stamm findet alles Neue, das man über das Thema lernt – ein neuer Ast oder ein neues Blatt des Baumes –, keinen Halt und fällt einfach wieder ab. Indem ich den Nebel bis ganz nach unten lichte, baue ich in meinem Kopf einen Baumstamm auf. Von da an kann sich jede neue Information daran festhalten, wodurch es für immer interessanter und ergiebiger wird, mehr über dieses Thema zu erfahren. Und meistens stelle ich fest, dass viele der Themen, die ich in meinem Kopf als ‚langweilig‘ abgestempelt habe, für mich in Wirklichkeit einfach nur im Nebel liegen – so, als würde man die 17. Folge einer großartigen Serie ansehen, die langweilig wäre, wenn einem der Baumstamm aus Hintergrundgeschichte und Figuren fehlen würde.“

Viele Menschen im Bereich Cybersicherheit verfügen bereits über einen soliden Wissensstamm, auf dem sie aufbauen können. Wer diesen noch nicht hat, muss jedoch engagiert lernen – oder eine neugierige Denkweise entwickeln –, um dorthin zu gelangen.

Nachfolgend finden Sie eine umfangreiche Liste kostenloser Podcasts und Universitätskurse, mit denen Sie zum Jahreswechsel noch tiefer in das Thema Cybersicherheit eintauchen können.

Und ja, auch F5 bietet hierzu einige hervorragende Ressourcen:

Neugier ist eine Entscheidung. Eine bewusste Haltung. Das Gehirn ist wie jeder andere Muskel im Körper: Wenn man es immer wieder auf eine bestimmte Weise nutzt, wird es darin stärker und leistungsfähiger.

Also, auf ein fleißiges Training im mentalen Fitnessstudio im neuen Jahr (vor allem, da ich es wohl so bald nicht in ein echtes schaffen werde)!


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Über den Autor

Ian Lauth
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