Digitale Transformation bedeutet mehr als nur den Verzicht auf Papier

F5-Ökosystem | 10. Juli 2017

Ich habe einen neunjährigen Sohn. Er besitzt mehrere technische Geräte und Spielereien (ich weiß, überraschend, oder?) und hat außerdem Zugriff auf weitere. Die meisten haben Touchscreens. Wie man sich denken kann, sind sie alle übersät mit Fingerabdrücken und manchmal mit einem schmierigen Film überzogen, dessen Herkunft ich lieber nicht herausfinden möchte. Nein, ich möchte keine Theorien darüber hören, woher er stammt, danke. Die Möglichkeiten, die mir selbst in den Sinn kommen, sind schon beängstigend genug, glauben Sie mir.

Daher ist es kein Wunder, dass ich immer etwas „Zeug“ zum Reinigen der Bildschirme griffbereit habe. Und es ist fast aufgebraucht.

Ich sagte mir: „Also, wenn du das nächste Mal im ‚Großmarkt‘ bist, denk daran, noch etwas davon mitzunehmen.“

Damals schien es mir das Richtige zu sein. Wie sich herausstellte, war es das nicht. Ich suchte überall, konnte aber von der leuchtend orangefarbenen Flasche mit dem gewünschten Mittel absolut keine Spur finden. Ich durchsuchte die Gänge und Stirnseiten der Regale und gab schließlich entnervt auf.

Denn ich möchte meine begrenzte Freizeit nicht mit einer ausgedehnten Schnitzeljagd durch 179.000 Quadratfuß (etwas mehr als 1,6 Hektar) voller Waren verbringen. Zumindest nicht damit, vor Ort danach zu suchen. Online? Das ist einfach.

Nun geht es in dieser Geschichte nicht darum, dass der stationäre Handel von seinen digitalen Pendants völlig verdrängt wird, nur weil die Suche dort einfacher ist. Das wird nicht passieren. Die Moral von der Geschichte ist, dass beide nebeneinander bestehen und sich daher gegenseitig beeinflussen. Der große Onlinehändler kann mir die Lieferung am nächsten Tag versprechen, der große stationäre Händler hingegen die Ware sofort. Deshalb gewinnt manchmal der eine. Aber der große Onlinehändler macht es mir leicht, das zu finden, was ich brauche, und deshalb gewinnt manchmal der andere. Das Problem ist: Wenn der große stationäre Händler zu weit hinter dem großen Onlinehändler zurückbleibt, wird er immer häufiger das Nachsehen haben. Er muss neue Wege finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, damit aus dem großen kein kleiner Händler wird – und genau hier kommt die digitale Transformation ins Spiel.

Mehr als nur papierlos

Digitale Transformation bedeutet mehr, als nur schnell eine Website aufzusetzen oder Dienste per API zugänglich zu machen. Unternehmen müssen über den Tellerrand hinausdenken (Wortspiel beabsichtigt), um denselben Komfort wie ihre digitalen Pendants zu bieten. Für Einzelhändler bedeutet das: Suchfunktionen und Listen und Mehrwertangebote (Rabatte! Gutscheine! Sonderangebote!)

Das kann bedeuten, RFID- oder QR-Codes einzusetzen, die mir dabei helfen, das zu finden, wonach ich suche. Produkte den Gängen im Geschäft zuzuordnen (was Walmart beispielsweise mit seiner App verspricht) und mir so einen einfachen Zugriff auf diese Informationen zu ermöglichen, wird im Wettbewerb mit den heutigen digitalen, suchgestützten Angeboten immer wichtiger.

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Bei der digitalen Transformation geht es nicht nur darum, Papier abzuschaffen. Vielmehr geht es darum, für zufriedenstellendere Erlebnisse zu sorgen, die zu höheren Konversionsraten führen. Für einen Verbrauchermarkt bedeutet das: mehr Artikel in meinem Warenkorb.

Die digitale Transformation ist ein Weg zu mehr Wachstum. Allzu oft lesen wir nur davon, wie digitale Transformation und APIs neue Einnahmequellen erschließen. Und obwohl dies zweifellos eine Möglichkeit ist, wie digitale Transformation zu Wachstum führt, geht es manchmal einfach darum, einen bestehenden Prozess zu verbessern und die Hürden zu beseitigen, die Kunden davon abhalten, etwas zu kaufen, sich anzumelden oder anderweitig mit Ihrem Unternehmen zu interagieren. Ein weiteres großartiges Praxisbeispiel dafür ist Menards (das ist so ähnlich wie Lowe’s, nur total typisch für den Mittleren Westen). Das Unternehmen hat eine App, die ziemlich beeindruckend aussieht.

Augmented Reality? Barcode-Scanner. Lageplan des Geschäfts. Das sind wirklich praktische Funktionen. Genau das Richtige, um sich zurechtzufinden, herauszufinden, wie viele Kanthölzer im Format 2 × 4 Zoll man für die neue Terrasse braucht – und wo die passenden Schlüsselschrauben zu finden sind – und das alles mit minimalem Aufwand.

Unternehmen, die nach dem Grundsatz handeln, dass man umso mehr kauft, je länger man sich in einem großflächigen Einzelhandelsgeschäft aufhält, sollten sich vielleicht etwas eingehender mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Menschen und ihre Gewohnheiten befassen. Wir wollen es nicht nur, sondern wir wollen es jetzt, und die Vorstellung, dass wir mehr kaufen, während wir auf der Suche nach X durch die Gänge streifen, ist längst nicht mehr so attraktiv oder stichhaltig wie früher.

Digitale Transformation bedeutet nicht nur, „papierlos“ zu werden, und geht auch über die Vereinfachung von Dienstleistungen wie dem Fotodruck und dem Nachbestellen von Medikamenten hinaus. Es geht ebenso darum, bestehende Erlebnisse vor Ort zu erweitern, um die Kundenzufriedenheit zu steigern und dafür zu sorgen, dass wir wiederkommen, wenn wir das nächste Mal dieses Zeug zum Reinigen unserer Gerätebildschirme brauchen.

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Schlagwörter: 2017

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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