Größe spielt bei der Netzwerkautomatisierung eine Rolle (aber keine so große)

F5-Ökosystem | 06. August 2018

Das sagen die Daten.

Man könnte die Bedeutung der Netzwerkautomatisierung leicht mit dem Argument abtun, dass die Größe Ihres Unternehmens (und damit auch der Bedarf) den zugegebenermaßen erheblichen Aufwand nicht rechtfertigt.

Wenn es in Ihrem Unternehmen schließlich nur hundert Mitarbeiter gibt, kann die Nachfrage doch gar nicht so groß sein. Oder etwa doch?

Ja. Ja, das kann es.

Automatisierung nach Unternehmensgröße SOAD18

Die Cloud und ihr Partner DevOps haben vieles grundlegend verändert. Worüber wir jedoch nur selten sprechen, sind die althergebrachten Kategorien zur Unternehmensgröße, anhand derer wir Unternehmen einordnen. Sie wissen schon: Kleinunternehmen, KMU, Großunternehmen.

Die traditionellen Zielmärkte orientieren sich seit Langem an der Zahl der Beschäftigten eines Unternehmens. Zwar gibt es in den einzelnen Ländern gesetzliche Definitionen (für regulatorische und rechtliche Zwecke), doch für die Segmentierung durch Softwareanbieter sind diese weniger relevant. Diese Segmentierung entscheidet darüber, ob die Anbieter um Ihre Aufmerksamkeit – und Ihr Geld – buhlen. Dahinter steht die Annahme: Je mehr Menschen, desto mehr Personal wird benötigt, um die Belegschaft zu betreuen. Je mehr Technologie, desto größer die Komplexität. Und je größer die Komplexität, desto mehr von allem.

In der Welt der Softwareanbieter sind die Größe Ihres Rechenzentrums und die Komplexität Ihrer Prozesse von großer Bedeutung. Der Einfachheit halber werden beide üblicherweise an der Größe Ihres Unternehmens (Anzahl der Beschäftigten) festgemacht.

Doch Cloud und DevOps verändern die Größe von Organisationen auf ähnliche Weise, wie die Virtualisierung die Dichte der „Server“ im Rechenzentrum verändert hat. Erinnern Sie sich an die explosionsartige Zunahme virtueller Systeme? Wir wechselten von einem Modell mit einem Server pro Anwendung zu einer Welt mit einem virtuellen Server pro Anwendung, in der ein einzelner physischer Server zehn oder zwanzig virtuelle Server beherbergte. Das „Rechenzentrum“ wuchs von einhundert Servern auf eintausend und mehr, während die Zahl der Anwendungen explosionsartig zunahm. Dennoch änderte sich die tatsächliche physische Größe des Rechenzentrums nicht. Und in vielen Fällen blieb auch die Zahl der Administratoren unverändert.

Personalausstattung im Engineering

So stellte Computer Economics – ein Unternehmen, das Personalbestände aller Art erfasst – innerhalb nur eines Jahres einen deutlichen Anstieg des Verhältnisses von Geräten pro Techniker fest. Im Jahr 2014 war ein Techniker für 36 Geräte verantwortlich. Ein Jahr später? Da sollte derselbe Techniker bereits 59 Geräte verwalten.

Im Bereich der Anwendungsinfrastruktur waren ähnliche Steigerungen zu verzeichnen. Ermöglicht wurde dies zum Teil durch Virtualisierung und eine begrenzte, aber hilfreiche Automatisierung.

Wir haben die Effizienz sowohl des physischen Servers als auch seines menschlichen Bedieners gesteigert.

Zeitsprung in die Gegenwart: Cloud, DevOps und das neueste Mitglied im Bunde, NetOps, werden die Größe der IT in ähnlicher Weise verändern – und haben bereits damit begonnen –, wie wir es bei Servern durch Virtualisierung getan haben. Durch den Einsatz von Automatisierung in Verbindung mit der Cloud (und Containern) steigern wir die Effizienz des Betriebs erheblich. Das bedeutet, dass wir zehn- oder zwanzigmal so viele Anwendungen und Betriebsabläufe wie heute unterstützen können, ohne die Mitarbeiterzahl wesentlich zu verändern.

Wir können ein „Großunternehmen“ mit dem Budget eines „kleinen Unternehmens“ betreiben*.

Es ist nahezu unmöglich, allein anhand der Mitarbeiterzahl zu beurteilen, ob ein Produkt oder eine Lösung relevant ist. Denn in diesem Unternehmen mit dreißig Mitarbeitern (nach praktisch jeder marktüblichen und rechtlichen Definition ein KMU) könnten einige Tausend Instanzen einer Anwendung in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum betrieben werden.

Denn Automatisierung – sei es dank Public Cloud oder DevOps – steigert die betriebliche Effizienz tatsächlich um eine Größenordnung.

Bei der Netzwerkautomatisierung spielt die Größe (meistens) keine Rolle

Daher überrascht es nicht, dass sich die Ansichten, Beweggründe und der Automatisierungsgrad bei der Netzwerkautomatisierung über verschiedene Unternehmensgrößen hinweg kaum unterscheiden. Wir stellten fest, dass 9 % der Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten Automatisierung bereits vollständig in der Produktion einsetzten. Am anderen Ende des Spektrums gaben 8 % der Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten dasselbe an. Bei der Nutzung von Automatisierung zur Überführung größerer Änderungen in die Produktion setzen 23 % der Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten immer auf Automatisierung. Bei Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten lag dieser Anteil mit 25 % nur geringfügig höher. Unternehmen mittlerer Größe wichen davon kaum ab – ihre Werte lagen zwischen 21 % und 23 %.

Toolset-Größe der Organisation soad18

Größenabhängige Unterschiede stellten wir bei den Tools und Technologien fest, die für die Netzwerk- und Betriebsautomatisierung eingesetzt werden. Besonders auffällig war dabei die große Diskrepanz zwischen kleinen und großen Unternehmen bei der Nutzung von Python-Skripten. Die Mehrheit der großen Unternehmen (mit mehr als 5.000 Beschäftigten) scheint diese Technologie eingeführt zu haben – vermutlich aufgrund der besseren Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und des größeren Bedarfs an maßgeschneiderten Automatisierungslösungen für die Vielzahl der vorhandenen Betriebsprozesse.

Im Gegensatz dazu verwenden nur etwas mehr als ein Drittel (36 %) der sehr kleinen Unternehmen (mit weniger als 100 Beschäftigten) Python-Skripte. Mit 33 % gaben diese Unternehmen zudem deutlich häufiger „keine“ an als ihre sehr großen Pendants (20 %).

Im Bereich der Netzwerkautomatisierung bestand dieser Unterschied weiterhin. Cisco wurde von 63 % der sehr großen Unternehmen eingesetzt, aber nur von 35 % der sehr kleinen Unternehmen. OpenStack verringerte den Abstand: Es wurde von 29 % der sehr kleinen und 36 % der sehr großen Unternehmen eingesetzt. Ähnlich verhielt es sich mit VMware. Der Virtualisierungsriese wird von 63 % der sehr kleinen und 73 % der sehr großen Unternehmen eingesetzt.

Der Unterschied zwischen den Organisationen, die für die Netzwerkautomatisierung „keine“ angaben, war überraschenderweise geringer als bei denjenigen, die auf Automatisierungs-Toolsets verzichteten. Nur 8 % der sehr kleinen Organisationen nutzen keinerlei Netzwerkautomatisierung; bei den sehr großen Unternehmen sind es sogar nur 5 %.

Das alles ist deshalb so interessant, weil Automatisierung letztlich irgendeine Art von Software erfordert – seien es maßgeschneiderte Lösungen (individuelle Python-Skripte), Frameworks (Chef, Puppet) oder eher Engine-basierte Lösungen (Ansible, Cisco, OpenStack, VMware). Die bisherige Praxis von Softwareanbietern, Unternehmen anhand ihrer Mitarbeiterzahl zu segmentieren, ist angesichts der durch den Einsatz von Automatisierung steigenden betrieblichen Effizienz wenig sinnvoll.

Einer der wichtigsten Treiber für die Automatisierung im Netzwerk (und in der gesamten IT) ist die betriebliche Skalierbarkeit. Das bedeutet mehr Technologie und nicht mehr Mitarbeiter. Genau das wollen wir schließlich erreichen. Wir versuchen, nicht mit dem Brooks’schen Gesetz in Konflikt zu geraten indem wir Technologie einsetzen, um nicht immer mehr Personal einstellen zu müssen und unsere täglichen Abläufe effizienter zu gestalten.

Dann ist es vielleicht an der Zeit, unsere oberflächliche Einschätzung der Relevanz von Technologien für Unternehmen anhand ihrer Größe zu überdenken. Denn wie Mark Twain bekanntermaßen sagte (oder vielleicht auch nicht): Es kommt nicht auf die Größe des Hundes im Kampf an, sondern auf die Größe des Kampfes im Hund.

Dieser kleine Hund hat dank Automatisierung viel mehr Kampfgeist, als man ihm ansieht.

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Schlagwörter: 2018

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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