Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit: Fragen und Antworten mit Jenn Gile über eine erfolgreiche Karriere in der Cybersicherheit

F5-Ökosystem | 13. Juli 2023

Ich bin immer wieder beeindruckt von den vielen Frauen und anderen Menschen mit unterrepräsentierten Geschlechtsidentitäten, die im Bereich Cybersicherheit tätig sind – sowohl von ihren Erfolgen als auch von den Hürden, die sie auf ihrem Weg durch diese Branche überwunden haben. Eine der Frauen, die mich inspirieren, ist Jenn Gile, Leiterin des Produktmarketings für NGINX, die Produktlinie von F5 mit Schwerpunkt auf modernen Anwendungstechnologien für Entwickler- und Platform-Ops-Teams.

Für diesen vierten Blogbeitrag der Reihe „Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit“ habe ich mit Jenn darüber gesprochen, was sie zur Cybersicherheit gebracht hat, welchen Hindernissen sie im Laufe ihrer Karriere begegnet ist und welche Ratschläge sie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern mit auf den Weg geben möchte.

Jenn ist eine erfahrene Marketingexpertin und Vordenkerin im Bereich Cybersicherheit, die sich auf Open Source und die Sicherheit verteilter Anwendungen konzentriert. Sie gilt als anerkannte Expertin für die Förderung der Nutzung von Open-Source-Software (OSS), bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung robuster Sicherheitsmaßnahmen. Mit ihren strategischen Erkenntnissen und ihrer Fähigkeit, komplexe Konzepte verständlich zu vermitteln, hat sich Jenn als wertvolle Impulsgeberin etabliert, die das Bewusstsein für Cybersicherheit schärft und deren Weiterentwicklung vorantreibt.

NGINX zu repräsentieren – ob auf einem Campingplatz oder einer Konferenz – war für Jenn ein Höhepunkt ihrer Karriere

Rachael: Erzähl mir, wie du dorthin gekommen bist, wo du heute stehst. Hattest du schon immer vor, im Bereich Cybersicherheit zu arbeiten?

Jenn: Absolut nicht! Mit 23 hätte ich nie gedacht, dass ich einmal im Marketing oder im Bereich Cybersicherheit arbeiten würde. Ich habe an der Universität Kulturwissenschaften, Literatur und Sprachen studiert und strebte eine Karriere im diplomatischen Dienst an. Zwar habe ich es nie bis in eine Botschaft geschafft, aber die ersten 13 Jahre meines Berufslebens war ich in der Passabteilung des US-Außenministeriums tätig. Sicherheit spielt bei der Ausstellung von Pässen eine zentrale Rolle – schließlich ist ein US-Pass gewissermaßen eine Eintrittskarte für die ganze Welt. Mein Hauptaugenmerk lag damals jedoch darauf, die Mitarbeitenden der Passabteilung im Staatsangehörigkeitsrecht und in Führungskompetenzen zu schulen.

Meine Laufbahn im öffentlichen Dienst gab mir in wirtschaftlich unsicheren Zeiten und rund um die Geburt meines Sohnes Sicherheit. Doch ich sehnte mich nach einer dynamischeren Branche und wechselte daher 2018 in die Technologiebranche. Nach und nach fasste ich in der Cybersicherheit Fuß und landete schließlich im Produktmarketing für NGINX.

Jenn liebt es, ihrem Sohn die Wunder Washingtons zu zeigen

Rachael: Es ist erfrischend, daran erinnert zu werden, dass es keinen allgemeingültigen Einstiegsweg in die Cybersicherheitsbranche gibt. Ich habe Spanisch und Kommunikationswissenschaften studiert und anschließend im Rechtswesen und in der Werbung gearbeitet, bevor ich in die Technologiebranche wechselte und mich schließlich auf Cybersicherheit spezialisierte.

Wenn Sie in der Zeit zu Ihren ersten Tagen in der Cybersicherheitsbranche zurückreisen könnten, welchen Rat würden Sie Ihrem damaligen Ich geben?

Jenn: Vor ein paar Jahren bekam ich einen schlechten Rat, und mir fehlte die Erfahrung, um ihn als solchen zu erkennen. Deshalb ließ ich mich dadurch von einem möglichen Karriereweg abbringen. Zum Glück bin ich ziemlich hartnäckig und zielstrebig, sodass ich mich davon nicht völlig entmutigen ließ. Heute würde ich mir jedoch sagen: „Es ist in Ordnung, dass du keinen technischen Hintergrund hast. Lass dir von niemandem einreden, dass du ihn brauchst, um in dieser Branche erfolgreich zu sein.“

Rachael: Du hast recht. Es ist keine Entweder-oder-Frage. Ob mit technischem Hintergrund oder ohne – man kann in der Cybersicherheit erfolgreich sein, und das gilt unabhängig vom Geschlecht. In der Cybersicherheit gibt es viele Chancen für Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Tatsächlich habe ich gesehen, dass das National Institute of Standards and Technology einen weltweiten Mangel von 3,4 Millionen Cybersicherheitsfachkräften angibt und dass bis 2025 fehlende Fachkräfte oder menschliches Versagen für mehr als die Hälfte aller schwerwiegenden Cybervorfälle verantwortlich sein werden.

Der Cybersicherheitssektor muss diese Qualifikationslücke schließen und sich gleichzeitig darum bemühen, das Ungleichgewicht in dieser männerdominierten Branche auszugleichen. Welche Tipps haben Sie für Menschen, deren Geschlechtsidentität in technischen Bereichen unterrepräsentiert ist und die in die Cybersicherheit einsteigen möchten oder dort gerade erst anfangen?

Jenn: Suchen Sie sich zunächst eine Community. Auch wenn deren Mitglieder in anderen Bereichen Ihres Unternehmens oder sogar in ganz anderen Unternehmen tätig sind: Umgeben Sie sich mit anderen unterrepräsentierten Menschen, die verstehen, was Sie durchmachen, sowie mit Verbündeten, die jederzeit bereit sind, Sie zu unterstützen. Zu meiner Community gehören Menschen verschiedener Geschlechtsidentitäten und Verbündete aus Marketing, Vertrieb, Personalwesen, Developer Relations und weiteren Bereichen.

Zweitens: Suchen Sie sich eine Mentorin oder einen Mentor. Finden Sie eine oder mehrere Personen in Ihrem Fachgebiet, die hervorragende Arbeit leisten und bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben. Ich habe bei der Arbeit, in meinem Freundeskreis und in den sozialen Medien Mentorinnen und Mentoren gefunden.

Suchen Sie sich schließlich einen Förderer. Mit zunehmender Erfahrung sollten Sie nach Menschen Ausschau halten, die Sie fördern und sich für Sie einsetzen, während Sie beruflich vorankommen und mehr Verantwortung übernehmen. Ich kenne bei F5 mindestens drei Personen, auf die ich zählen kann und die mich bei einer passenden Gelegenheit empfehlen.

Rachael: Da stimme ich zu. Der Aufbau eines unterstützenden Netzwerks ist in vielerlei Hinsicht hilfreich. Es ist wichtig, sich mit guten Menschen zu umgeben, denen man vertrauen kann. Bist du im Laufe deiner Karriere schon einmal auf Hindernisse gestoßen, weil du einer unterrepräsentierten Geschlechtergruppe angehörst?

Jenn: Ich habe nicht den Eindruck, dass es schwieriger ist, sich im Bereich Cybersicherheit zurechtzufinden als in der Technologiebranche insgesamt. Aber eines möchte ich klarstellen: Einfach ist beides nicht. Ich hatte das Glück, mit vielen großartigen Männern zusammenzuarbeiten, die so erzogen oder ausgebildet wurden, dass sie Frauen als gleichberechtigt behandeln. Oft sind sie die Ersten, die sich zu Wort melden, wenn jemand Frauen diskriminiert. Ich glaube jedoch, dass das auch ein zweischneidiges Schwert sein kann, weil dadurch ein blinder Fleck entstehen kann. Ich bin vielen Männern in der Technologiebranche begegnet, die glauben, nur weil sie offensichtlichen Sexismus oder Frauenfeindlichkeit erkennen können, könnten sie sich unmöglich selbst so verhalten. Da ich persönlich von Männern, die sich als Feministen bezeichnen, an höheren Maßstäben gemessen wurde als meine männlichen Kollegen, weiß ich, dass das nicht stimmt.

jenn-gile

Rachael: Danke, dass du das ansprichst. Gerade wenn so etwas passiert, kann es schwierig sein, unmittelbar darauf hinzuweisen. Es ist wichtig, Selbstreflexion zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Wie kann die Community unterrepräsentierte Geschlechter und andere Minderheitengruppen im Bereich Cybersicherheit besser unterstützen?

Jenn: Helft uns zunächst dabei, vielfältige Gemeinschaften aufzubauen und unterrepräsentierte Gruppen mit Mentorinnen und Mentoren sowie Förderinnen und Förderern zusammenzubringen. Stellt zweitens sicher, dass unterrepräsentierte Gruppen einbezogen werden, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden. Und drittens: Lasst euren Worten Taten folgen.

Insbesondere Führungskräfte haben die Pflicht und die Möglichkeit, die Vielfalt im Bereich Cybersicherheit zu fördern. Das mag zunächst schwierig erscheinen, muss es aber nicht sein. Wenn in meinem Team beispielsweise eine Stelle frei wird, achte ich darauf, dass unser Bewerbungsgremium zu mindestens 50 % aus Frauen besteht. Das bewirkt zweierlei: Im Bewerbungsgremium nehmen unterrepräsentierte Geschlechter direkten Einfluss auf unseren Einstellungsprozess und können dazu beitragen, dass das Gremium bessere Entscheidungen trifft. Den Bewerberinnen und Bewerbern vermittelt ein vielfältig besetztes Bewerbungsgremium, welchen Stellenwert Frauen an unserem Arbeitsplatz haben, und zeigt ihnen, was sie von F5 erwarten können.

Jenns Kater Ted ist ein guter, wenn auch etwas anspruchsvoller Gefährte im Homeoffice.

Rachael: Ich hatte einmal ein Vorstellungsgespräch mit einem Gremium, dessen Mitglieder alle gleich aussahen und sich gleich verhielten, und das war für mich definitiv ein Warnsignal. Ich denke, Vielfalt ist in jeder Branche wichtig, aber warum ist sie Ihrer Meinung nach gerade in der Cybersicherheitsbranche von besonderer Bedeutung?

Jenn: Vielleicht ist das zu stark vereinfacht: Angreifer und Schwachstellen sind vielfältig. Sie kommen aus der ganzen Welt, und unabhängig davon, ob sie böswillig oder unbeabsichtigt sind, können sie von den unterschiedlichsten Menschen verursacht werden. Die Cybersicherheitsbranche braucht vielfältige Belegschaften, die der Vielfalt entsprechen, die wir in der Welt sehen.

Rachael: Oft neigen Menschen dazu, einfache Dinge unnötig kompliziert zu machen, und ich finde, du hast das sehr gut auf den Punkt gebracht. Bevor ich dich gehen lasse, könntest du noch eine Sache für mich zusammenfassen? Du hast vorhin erwähnt, dass du in die Technologiebranche eingestiegen bist, weil sie so dynamisch ist. Die Welt der Cybersicherheit entwickelt sich ständig weiter. Welcher Cybersicherheitstrend beschäftigt dich derzeit?

Jenn: Das Konzept einer Software-Stückliste (Software Bill of Materials, SBOM) ist ein wachsender Trend, der durch staatliche Vorschriften und Vorgaben vorangetrieben wird und sich besonders stark auf die OSS-Branche auswirken wird. Ich halte diesen Trend für sinnvoll, da er darauf abzielt, Risiken in der Lieferkette zu mindern, die zu Schwachstellen und Sicherheitsverletzungen führen können. Allerdings besteht noch wenig Einigkeit darüber, wie sich eine SBOM zur Verbesserung der Sicherheit einsetzen lässt. Ich denke, dass sich dies im Laufe des nächsten Jahres klarer herauskristallisieren wird, wenn Unternehmen aus zahlreichen Branchen versuchen, SBOMs in der Praxis einzusetzen.

Wir bei F5 arbeiten daran, Unternehmen bei der Erfüllung der SBOM-Anforderungen zu unterstützen – mit dem Open-Source-Abonnement. Damit können Betreiber von NGINX Open Source sicherstellen, dass häufige Schwachstellen in der Software-Lieferkette durch einen Supportvertrag für Unternehmen behoben werden. Dieser deckt insbesondere häufige Schwachstellen und Gefährdungen (Common Vulnerabilities and Exposures, CVEs), Patches, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Vertraulichkeit ab.

Weitere Fragen und Antworten in dieser Blogreihe

Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit: Fragen und Antworten mit Navpreet Gill über die Stärkung von Frauen in der Cybersicherheit

Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit: Fragen und Antworten mit Erin Verna über die Bedeutung von Vielfalt in der Cybersicherheit

Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit: Fragen und Antworten mit Rachel Zabawa über mehr Inklusion in der Cybersicherheit

Tauchen Sie ein in den Cybersecurity Awareness Month – mit einem offenen Gespräch über Geschlechtergerechtigkeit mit Angel Grant

Der Weg zur Geschlechtergerechtigkeit: Im Gespräch mit Kara Sprague über ihren Durchbruch als Frau in der Cybersicherheit

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Erfahren Sie, wie NGINX Kunden dabei unterstützt, ihre Sicherheit zu verbessern

Lesen Sie den neuesten F5-Bericht zu Diversität und Inklusion

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Über den Autor

Rachael Shah
Rachael ShahSenior Product Marketing Manager | F5

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