Microservices werden das neue COBOL sein

F5-Ökosystem | 04. Mai 2020


Der Aufruf war über nahezu alle Nachrichtenmedien zu hören. COBOL-Programmierer werden dringend gesucht.

Nein, dies ist keine nostalgische Rückkehr zum Jahr-2000-Problem. Es geschah in diesem Jahr, 2020, mitten in der COVID-19-Pandemie. Die Systeme zur Bearbeitung von Arbeitslosenanträgen waren nämlich in Gefahr. Da sie im vergangenen Jahrhundert mit COBOL entwickelt worden waren, ließen sie sich schlichtweg nicht ausreichend skalieren, um die überwältigende Nachfrage zu bewältigen.

Die Existenz dieser Systeme und der ihnen zugrunde liegenden Technologie sollte nicht überraschen. Mainframes und Systeme, die fast sechs Jahrzehnte alt sind, kommen häufiger zum Einsatz, als man vielleicht denkt. Unsere eigenen Untersuchungen haben ergeben, dass durchschnittlich 11 % des Anwendungsportfolios eines Unternehmens weiterhin aus „Mainframes und Monolithen“ bestehen.

Eine Umfrage von Micro Focus ergab, dass insbesondere die Einstellung gegenüber COBOL optimistisch war:

Die Modernisierung wurde gegenüber dem Austausch und der Stilllegung älterer Systeme bevorzugt: 2020 entschieden sich 63 Prozent der Befragten dafür, ihre bestehenden COBOL-Systeme weiterzuentwickeln. Darüber hinaus betrachteten 92 Prozent der Befragten die COBOL-Anwendungen ihres Unternehmens als strategisch wichtig, verglichen mit 84 Prozent im Jahr 2017.

COBOL und die Mainframes, auf denen es weiterhin läuft, werden uns erhalten bleiben.

Die strategische Bedeutung dieser Anwendungen ergibt sich aus ihrer Implementierung und engen Verzahnung mit den Geschäftsprozessen. Als diese Anwendungen entwickelt wurden, war es üblich, Geschäftsprozesse nicht nur zu unterstützen, sondern sie vielmehr in einer Anwendung festzuschreiben. Im Grunde genommen sind diese Anwendungen das Unternehmen.

Mit dem Übergang zum Internet und darüber hinaus dienten Anwendungen als Ergänzung des Geschäftsbetriebs. Sie fungierten als weiterer Kanal, über den kritische Daten an ein „Kernsystem“ übertragen wurden – häufig eine in COBOL entwickelte Anwendung, die auf einem Mainframe ausgeführt wurde.

Heute erleben wir, wie Anwendungen nicht mehr nur der Ergänzung dienen, sondern zunehmend zum Ersatz werden. Anwendungen werden erneut zur digitalen Verkörperung des Unternehmens, statt lediglich ein Hilfsmittel zur Datenerfassung zu sein. Diese Entwicklung zeigt sich in den drei Phasen der digitalen Transformation, in denen ein Unternehmen Technologie implementiert, ausbaut und in seine Geschäftsprozesse integriert, bis die Anwendungen selbst das Unternehmen sind.

Drei Phasen der digitalen Transformation

Ein erheblicher Anteil der Anwendungen, die im Zuge der digitalen Transformation entwickelt werden, ist Cloud-nativ, basiert also auf Microservices. Wie ihre COBOL-Vorgänger werden diese Anwendungen voraussichtlich so geschäftskritisch sein, dass auch sie in fünfzig oder sechzig Jahren noch in Betrieb sein könnten.

Denken Sie einmal daran, wie viele Unternehmen heute ohne Anwendungen nicht mehr arbeiten können. Können Sie noch etwas kaufen, wenn Kassensysteme (POS) nicht mit Zahlungsdienstleistern kommunizieren können? Können Sie Geld einzahlen, wenn die Banksysteme ausgefallen sind? Oder Geld abheben? Kann Ihr Arbeitgeber Ihnen Ihr Gehalt überweisen? Wie viel funktioniert in Ihrem Zuhause noch, wenn der Strom ausfällt?

Die Auswirkungen eines derart hohen Integrationsgrads sind existenziell. Wir sind bereits von digitalen Geschäftsmodellen abhängig. Je weiter Unternehmen auf ihrem Weg der digitalen Transformation voranschreiten, desto stärker werden Unternehmen und Verbraucher von Technologie abhängig sein. Viele Geschäftsprozesse werden erstmals in Form einer Anwendung umgesetzt. Dabei werden keine bestehenden Prozesse nachgebildet, sondern neue geschaffen. Diese Anwendungen werden genauso wichtig sein wie die COBOL-Anwendungen, von denen wir heute abhängig sind – wenn nicht sogar wichtiger.

Die auf Microservices basierenden Anwendungen, die zur Förderung der digitalen Transformation entwickelt werden, dürften sehr lange in Betrieb bleiben.

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Schlagwörter: 2020, Office of the CTO

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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