Die Wahrnehmung von Open Source hat sich in den vergangenen zwei Jahren grundlegend gewandelt.
Es gibt viele Spekulationen darüber, warum Unternehmen und Branchen, die sich früher davor scheuten, die Nutzung von Open-Source-Software offiziell zu fördern, diese plötzlich begrüßen. Als häufigster Grund dafür wurde die Angst vor rechtlicher Haftung genannt.
„In der Vergangenheit hatten viele Unternehmen Bedenken hinsichtlich der Kombination von OSS und proprietärer Software, da dies möglicherweise rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Diese Bedenken waren so weit verbreitet, dass 42 % der Unternehmen zögerten, Open Source einzusetzen.“ (Quelle: Silicon Republic)
Ein möglicher Grund ist das geringere Haftungsrisiko. Ein weiterer Katalysator ist die Dynamik der digitalen Transformation. Open Source trägt zweifellos dazu bei, dem Bedarf nach schnelleren und häufigeren Bereitstellungen gerecht zu werden – eine häufige Forderung von Unternehmen, Entwicklern und IT-Betriebsteams, die unter dem Druck stehen, die IT digital zu transformieren. Branchen- und Analystenumfragen nennen immer wieder dieselben Triebkräfte für die digitale Transformation – und letztlich auch für die Bereitschaft, Open-Source-Software einzusetzen. „90 % der Unternehmen gaben an, dass Open-Source-Software die Effizienz, Interoperabilität und Innovation gesteigert habe. Bei 65 % der Unternehmen nahm die Nutzung von Open-Source-Software im Jahr 2016 zu.“ (Quelle: Black Duck Software)
Auch in unseren eigenen Umfragen können wir die Auswirkungen auf die Verbreitung von Open Source erkennen. Innerhalb nur eines Jahres zeigt sich, dass die digitale Transformation die Einführung von Open-Source-Software in allen Branchen und Unternehmen jeder Größe zunehmend vorantreibt.

Die Dominanz von Open-Source-Software zeigt sich daran, dass sie branchenübergreifend in Software zum Einsatz kommt. Heutige Anwendungen bestehen hauptsächlich aus Komponenten von Drittanbietern, darunter viele Open-Source-Bibliotheken und -Frameworks. Tatsächlich basiert ein Großteil des Internets auf Open Source. Linux, das vielleicht bekannteste aller Open-Source-Projekte, kommt auf den meisten der 68 % der Websites zum Einsatz, die auf Unix-ähnlichen Systemen laufen. Und Android setzt iOS auf dem Mobilfunkmarkt weiterhin stark unter Druck und erreicht einen Marktanteil von 45 % gegenüber 54 % bei Apple.
Der Markt verlangt nach schnellem, reibungslosem und kostenlosem Mehrwert. Das bedeutet häufig Open Source.
Wir sehen das bei Kunden, die das, was sie benötigen, sofort haben und nicht darauf warten wollen. Sie wünschen sich eine Integration mit den neuesten operativen Toolchains – von Jenkins bis Ansible, von der Bereitstellung von AWS- und Azure-Infrastrukturen mit Terraform bis hin zu automatisierten Pipelines, die Deployments in ihren Unternehmen steuern. Sie müssen Fristen einhalten, und Open-Source-Lösungen sind eine Möglichkeit, dies zu schaffen.
Das sollte nicht überraschen. Der IT-Betrieb basiert heute praktisch von Grund auf auf Open Source. Unter den beliebtesten Open-Source-Projekten des Jahres 2018 gehört die Kategorie IT-Betrieb zu den drei führenden – hinter Daten und Analysen sowie DevOps-Tools. Der Markt wird weiterhin schnellere, reibungslos einsetzbare Lösungen mit Mehrwert verlangen, während der Druck auf Unternehmen steigt, ihre IT digital zu transformieren, um die Anwendungsökonomie zu unterstützen.
Über den notwendigen IT-Tagesbetrieb hinaus gibt es sehr spezifische, maßgeschneiderte Prozesse und Integrationen. In weiten Teilen der IT verlagert sich der Schwerpunkt von der Geräteverwaltung auf die Bereitstellung von Services und die Integration von Systemen, die die Betriebsdaten verwalten, die Unternehmen und IT für ihre Entscheidungen benötigen. Diese IT-Betriebsprozesse treiben den Markt hin zu Open-Source- und von der Community unterstützten Lösungen.
Wie Entwickler nutzen auch sie GitHub und Docker, um die Integrationen und Automatisierungen zu finden und umzusetzen, die sie benötigen, um die Anforderungen ihrer Unternehmen zu erfüllen und Produkte schneller und häufiger auf den Markt zu bringen. Dank Microservices und mobiler Anwendungen verwalten sie heute drei- bis viermal so viele Anwendungen wie früher. Sie stellen Anwendungen sowohl im eigenen Rechenzentrum als auch in der Cloud bereit. Auf herkömmliche Release-Zyklen können sie nicht länger warten.
Deshalb stellen wir Integrationen und Automatisierungen zunehmend als Open Source bereit. Dazu gehören BigStats von Nathan Pearce sowie die Bereitstellung von BIG-IP mit Terraform in AWS oder Azure und die Umsetzung von Configuration as Code mit GitHub-Webhooks sowie ein schnell wachsendes Repository mit Skripten und Integrationen, die den IT-Betrieb beschleunigen.
Der Markt setzt zunehmend auf Open Source, insbesondere zur Transformation des IT-Betriebs. Der Einstellungswandel gegenüber Open Source hat dazu geführt, dass Repositories heute eine ähnliche Rolle wie soziale Netzwerke spielen. Vor zehn Jahren erstellten Unternehmen anhand von Rezensionen und Fachpublikationen Auswahllisten. Sie tauschten sich per E-Mail und auf Konferenzen aus.
Heute durchsuchen dieselben Unternehmen stattdessen Open-Source-Repositories, um die Auswahl einzugrenzen.
Open Source ist gekommen, um zu bleiben.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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