Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.
Viele Menschen haben diesen Satz angesichts von COVID-19 verwendet. Eine dieser außergewöhnlichen Maßnahmen war für viele von uns der Umstieg auf Remote-Arbeit. In diesem Zusammenhang wird häufig über den Zugriff auf geschäftskritische Anwendungen gesprochen. Doch nur selten erfahren wir im Detail, wie dieser Zugriff ermöglicht wurde.
Eine Möglichkeit, diesen Zugriff zu ermöglichen, besteht darin, RDP freizugeben. Daher überrascht es nicht, dass SANS Folgendes feststellte: Shodan verzeichnete einen deutlichen Anstieg der Anzahl offener RDP-Ports im Internet Ende März. Viele Menschen greifen auf diese einfachste Möglichkeit zurück, um den direkten Remotezugriff auf Desktop-Computer zu ermöglichen.
Obwohl RDP derzeit im Zusammenhang mit Fernzugriffen wahrscheinlich das am häufigsten erwähnte Protokoll ist, scheint auch Betriebskonsolen in der gesamten IT ein ähnlich ungehinderter Zugriff durch die Unternehmensperimeter gewährt zu werden. Derselbe SANS-Blog enthält eine sehr interessante Grafik, die neben einer Zunahme offener RDP-Ports auch einen deutlichen Anstieg offener Ports zeigt, die auf Port 8080 betrieben werden.
Nun ist 8080 der Port, der als „Alternative zu HTTP“ gilt. Wer schon einmal Webanwendungen bereitgestellt hat, weiß, dass er praktisch der Standard für Frameworks und Administrationskonsolen ist.
Im Allgemeinen verfügen Betriebskonsolen über eigene Methoden zur Zugriffskontrolle. Da Anmeldedaten erforderlich sind, lässt sich einschränken, wer unvermittelt einen Cluster starten, eine Anwendung herunterfahren oder Änderungen an einer laufenden Konfiguration vornehmen kann. Das Problem ist natürlich: Betrachtet man die Zahl der Vorfälle, die auf eine fehlende Zugriffskontrolle – also darauf, dass für Betriebskonsolen keine Anmeldedaten erforderlich waren – zurückzuführen sind, besteht kein Zweifel daran, dass einige dieser Betriebsanwendungen völlig offen zugänglich sind, ohne jeglichen Schutz zwischen ihnen und dem bösen, großen Internet.
Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass Betriebskonsolen im Grunde genommen Anwendungen sind. Sie bestehen wie jede andere Anwendung aus extern bezogenen Komponenten. Sie werden mit denselben Bibliotheken und Frameworks entwickelt wie jede andere Anwendung. Sie werden auf derselben Plattform bereitgestellt wie jede andere Anwendung.
Das bedeutet, dass sie wie jede andere Anwendung geschützt werden müssen, da sie für dieselben Angriffe anfällig sind wie jede andere Anwendung.
Wir können uns nicht einfach darauf verlassen, operative Anwendungen auf einen anderen Port zu verlegen. Im Zeitalter der Automatisierung, in dem böswillige Akteure Zugriff auf riesige Bot-Netzwerke haben, die nach offenen Ports suchen, werden diese Anwendungen gefunden. Da sich zudem die Antwort eines beliebigen Ports per Fingerprinting identifizieren lässt, werden Anwendungen auch auf nicht standardmäßigen Ports entdeckt. Sicherheit durch Verschleierung ist heute keine tragfähige Strategie mehr, da der zeitliche und finanzielle Aufwand für das Auffinden von Zielen minimal ist.
Aus unseren Untersuchungen wissen wir dass ein erheblicher Anteil der Anwendungen durch eine Web Application Firewall geschützt ist. Was wir nicht wissen, ist, wie viel Prozent dieser Anwendungen betrieblicher oder geschäftlicher Natur sind.
Vielleicht ist es an der Zeit, das herauszufinden.
Mit zunehmendem Fortschritt von Unternehmen auf ihrem Weg zur digitalen Transformation werden sie sich beim Erstellen, Bereitstellen und Betreiben der Anwendungen und Anwendungsdienste, die das Unternehmen repräsentieren, immer stärker auf betriebliche Anwendungen verlassen. Diese betrieblichen Anwendungen müssen mit derselben Priorität behandelt werden wie jede andere Anwendung, die eine Geschäftsfunktion abbildet. Sie müssen vor missbräuchlicher Nutzung geschützt werden, da sich ein solcher Missbrauch unmittelbar auf das Unternehmen auswirken kann und wird.
Viele Menschen sagen, dies sei die neue Normalität und mobiles Arbeiten werde nach dem Ende dieser Pandemie für viele Unternehmen nicht nur akzeptabler, sondern sogar zur bevorzugten Arbeitsform. Zum mobilen Arbeiten gehört auch, dass die für Anwendungen und Infrastruktur zuständigen Personen Zugriff auf die Konsolen benötigen, über die sie die Kontrolle behalten. Doch diese Konsolen – diese betrieblichen Anwendungen – müssen vor missbräuchlicher und unsachgemäßer Nutzung geschützt werden, damit dies Realität werden kann. Ein grundlegendes Paket an Schutzmaßnahmen sollte Folgendes umfassen:
- Authentifizierung erforderlich
- SSL/TLS zur Absicherung der Kommunikation verwenden
- Achten Sie auf den API-Zugriff und sichern Sie auch diesen ab.
- Schützen Sie sich mit den passenden App-Diensten vor der Ausnutzung von Schwachstellen und dem Missbrauch durch Bots.
Es ist (höchste) Zeit, sicherzustellen, dass Ihre Sicherheitsstrategie neben geschäftskritischen Apps auch operative Apps umfasst. Denn langfristig werden operative Apps zu geschäftskritischen Apps.
Bleiben Sie auf der sicheren Seite – persönlich und im Betrieb.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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