Generative KI und die Dringlichkeit, die digitale Transformation zu beschleunigen

F5-Ökosystem | 14. Juni 2023

Heutzutage gibt es im Internet praktisch keinen Ort mehr, an dem man nicht auf irgendeine Form generativer KI stößt. Auch am Arbeitsplatz ist sie nahezu allgegenwärtig: Generative KI bestimmt die Gespräche von der Vorstandsetage bis zum Pausenraum.

Eine KPMG-Umfrage vom März 2023 unter Führungskräften in den USA ergab, dass fast zwei Drittel (65 %) der Befragten davon ausgehen, dass „generative KI in den nächsten drei bis fünf Jahren große oder äußerst große Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben wird“.

Der Haken? „Weniger als die Hälfte der Befragten gibt an, über die richtige Technologie, die richtigen Fachkräfte und geeignete Governance-Strukturen zu verfügen, um generative KI erfolgreich einzusetzen.“

Diese Erkenntnis mag diejenigen überraschen, die täglich mit Chatbots interagieren und KI-generierte Inhalte lesen. Für diejenigen unter uns jedoch, die den Weg der digitalen Transformation von Unternehmen verfolgen und ihn mit den sechs technischen Fähigkeiten abgleichen, die erforderlich sind, um diesen Weg erfolgreich zu beschreiten, ist sie keineswegs überraschend.

Wir haben den aktuellen Stand des digitalen Reifegrads von Unternehmen anhand dieser sechs technischen Fähigkeiten eingehend untersucht und festgestellt, dass nur 4 % der Unternehmen auf der höchsten Reifestufe agieren. Das heißt, sie sind kurz davor, vollständig als digitales Unternehmen zu arbeiten.

Die meisten Unternehmen (65 %) sammeln erste Erfahrungen mit digitalen Geschäftsmodellen. Sie zeigen Anzeichen zunehmender Reife und profitieren von der aufwendigen Modernisierung der IT und ihrer Technologiebereiche. Bemerkenswert ist, dass dies nahezu dem gleichen Prozentsatz entspricht, den KPMG bei Unternehmen ermittelte, die einen Mangel an geeigneter Technologie, qualifizierten Fachkräften und angemessenen Governance-Strukturen für die erfolgreiche Einführung generativer KI beklagen.

Das ist kein Zufall. Die enorme Bandbreite und Tiefe der technischen Fähigkeiten, die für den Aufbau und Betrieb eines KI-gestützten Unternehmens erforderlich sind, kann überwältigend sein. Von neuen technischen Bereichen in der Unternehmensarchitektur – SRE-Betrieb, Observability und Automatisierung, Anwendungsbereitstellung und Sicherheit – bis hin zur Modernisierung bestehender Bereiche wie Daten und Infrastruktur ist erheblicher Aufwand erforderlich, insbesondere für Unternehmen, die bereits vor dem Internetzeitalter gegründet wurden.

Daher überrascht es nicht, dass bei einer branchenbezogenen Betrachtung des Reifegrads von Unternehmen kein Finanzdienstleister die höchste Reifestufe erreicht. Diese Kategorie wird von Cloud-Anbietern sowie Telekommunikations- und Technologieunternehmen dominiert. Mit Ausnahme der Telekommunikationsbranche handelt es sich bei Cloud-Anbietern und Technologieunternehmen um relativ junge Branchen, die deutlich weniger technische und architektonische Altlasten haben als ihre traditionelleren Pendants. Dadurch fällt es ihnen wesentlich leichter, schneller voranzukommen.

Dass Finanzdienstleistungsunternehmen in der höchsten Kategorie der digitalen Reife – den Machern – fehlen, mag angesichts des rasanten Aufstiegs des digitalen Bankings ungewöhnlich erscheinen. Bei genauerer Betrachtung lässt sich jedoch annehmen, dass sich die Finanzdienstleistungsbranche bewusst langsamer entwickelt. Eine neue Benutzeroberfläche (Apps und digitale Dienste) hinzuzufügen, ist in etwa so, als würde man einem alten Gebäude eine glänzende Fassade verpassen: Es erweckt den Anschein einer Modernisierung, doch hinter den Kulissen verbergen sich zahlreiche traditionelle Technologien und Vorgehensweisen. Das ist nicht als Kritik gemeint. Schließlich können Fehltritte kostspielige Risiken bergen, und die Unternehmen tragen eine erhebliche Last durch bestehende Infrastrukturen und App-Portfolios, die modernisiert werden müssen.

Dies erklärt auch, warum in der höchsten Kategorie keine Gesundheitsunternehmen vertreten sind. Wenn ein umfangreiches Portfolio und strenge Governance-Vorgaben bereits die Finanzdienstleistungsbranche belasten, kann man sich vorstellen, wie groß die Belastung für Organisationen im Gesundheitswesen ist. Dass sie sich tendenziell deutlich langsamer entwickeln als andere Branchen, ist nachvollziehbar. Das Gesundheitswesen gehört zu den am stärksten regulierten und strengsten kontrollierten Branchen – und das zu Recht, denn Fehltritte können Menschenleben gefährden. Die digitale Transformation ist kein Wettrennen. Daher ist es ermutigend zu sehen, dass einige Branchen mit einem wohlüberlegten, strategischen Ansatz voranschreiten. Schließlich hat die Schildkröte den Hasen am Ende doch besiegt.

Das soll nicht heißen, dass es im Gesundheits- und Finanzwesen keine Beispiele für Unternehmen gibt, die schneller vorankommen als andere. Der von uns analysierte Datensatz basierte auf den Antworten auf unsere Umfrage „State of App Strategy“, wobei die Vollständigkeit der Antworten ausschlaggebend war. Unternehmen aus beiden Branchen, mit denen wir gesprochen haben, haben gezeigt, dass es zu jeder Statistik Ausnahmen gibt.

Bestimmte Faktoren zwingen einige Branchen, die ansonsten eher zur Vorsicht neigen würden, neue Technologien früher einzuführen.

Gesundheitswesen

Der Gesundheitssektor benötigt beispielsweise mehr Intensivpflegekräfte, um die verfügbaren Krankenhausbetten betreuen zu können. Dieser Ressourcenmangel stellt eine existenzielle Bedrohung dar, liegt jedoch völlig außerhalb der Kontrolle der Branche, da schlichtweg nicht genügend Pflegekräfte zur Verfügung stehen.

Um diese Herausforderung zu bewältigen, untersuchen einige Gesundheitsdienstleister – insbesondere solche, die eine große Zahl von Krankenhäusern betreiben – zunehmend, wie sich mithilfe künstlicher Intelligenz die Anzahl der Betten erhöhen lässt, die eine einzelne Pflegekraft betreuen kann, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen. Einige Anbieter wollen Pflegekräfte durch KI auf Basis großer Sprachmodelle effizienter machen, indem sie den Zeitaufwand für die Pflege von Patientenakten reduzieren. Andere beabsichtigen, mithilfe KI-gestützter visueller Modelle Hunderte hochauflösende Videostreams auf mögliche Veränderungen des Patientenzustands zu überwachen (z. B. erschwerte Atmung, auffällige Blässe oder gestürzte Patienten). Da der Versorgungsstandard jedoch Reaktionen nahezu in Echtzeit erfordert, handelt es sich bei den effektivsten Anwendungen, die für diesen Zweck entwickelt werden, um Edge-Anwendungen, die hochentwickelte Verfahren zur Aktenanalyse und computergestützten Bildauswertung einsetzen – weit entfernt von Gesundheitsanwendungen, die auf ziemlich veralteten Systemen und Standards basieren.

Finanzdienstleistungen

Finanzdienstleistungsunternehmen hinken bei der Einführung bestimmter Technologien mitunter hinterher, da sie in der Regel stark reguliert sind. Doch Banker und Broker wissen: Je größer das Risiko, desto größer die Rendite. Der Einsatz angewandter Technologien, um sich gegenüber Wettbewerbern einen Vorreitervorteil zu verschaffen, ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Finanzdienstleistungsbranche trotz erheblicher Schwierigkeiten bei der zuverlässigen Implementierung, beträchtlicher Risiken und regulatorischer Kontrolle auf Blockchain setzt.

Die frühen wissenschaftlichen Studien zum Quantencomputing zeigen beispielhaft, wie weit die Finanzdienstleistungsbranche bereit ist, über regulatorische Strukturen hinauszugehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die Branche erwartet bestimmte Vorteile von dieser Technologie und finanziert einige der anspruchsvollsten Forschungsarbeiten in Bereichen wie der Quantenschlüsselverteilung, die die Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen bei der Transaktionsverarbeitung für Geldüberweisungen oder den Handel erheblich steigern kann.

Fertigung

Was die Menschen in der Regel überrascht, ist, dass Fertigungsunternehmen zur Kategorie der „Macher“ gehören. Der SOAS 2022 ergab, dass IT/OT der spannendste Technologietrend war, und auch 2023 blieb dieser Trend unter den Top 5. Dies zeigt, dass Fertigungsunternehmen bei der Modernisierung eine Vorreiterrolle einnehmen.

Fertigungsunternehmen waren schon immer Vorreiter bei der Einführung von Technologien, die zu mehr Effizienz führen – schließlich waren es nicht die Banken, die das Fließband einführten und optimierten – und die Digitalisierung bildet da keine Ausnahme. Die jährliche Oil and Gas Automation Conference hat in den vergangenen drei Jahren gezeigt, dass der Rohstoffsektor den meisten Unternehmen beim Einsatz von Automatisierung, der Erfassung von Telemetriedaten und der Einführung von Zero-Trust-Ansätzen zur Absicherung dezentraler Anlagen weit voraus ist.

Steigen Sie ein oder bleiben Sie zurück

Die Vorteile der digitalen Transformation sind unbestreitbar. Unternehmen profitieren in jeder Phase der digitalen Transformation, wobei Unternehmen mit einem höheren Reifegrad häufiger geschäftliche Vorteile wie Wettbewerbsvorteile, neue Chancen und eine höhere betriebliche Effizienz anführen.

Es gibt nur sehr wenige Technologietrends, die sich auf jedes Unternehmen in jeder Branche auswirken. Generative KI ist nur eine von vielen disruptiven Technologien, die uns bevorstehen. Wenn Unternehmen diese bahnbrechenden Technologien nicht für sich nutzen können, werden sie zweifellos den Anschluss verlieren. Der digitale Reifegrad zeigt, ob ein Unternehmen gut aufgestellt ist, um diese Technologien zu nutzen.

Laden Sie den vollständigen Bericht herunter, um einen tieferen Einblick in den Digital Enterprise Maturity Index sowie in die Praktiken und Gewohnheiten der Macher zu erhalten, einschließlich der Nutzung der Public Cloud, der Automatisierung und der Sicherheitspraktiken.

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Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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