Im 21. Jahrhundert hat eine Welle der Digitalisierung die Entwicklung der Weltwirtschaft vorangetrieben und sprunghafte Veränderungen eingeleitet.
Betrachtet man die heutige Welt, so hat jede Branche – vom Bankwesen über die Fertigungsindustrie, den Einzelhandel und die Medien- und Unterhaltungsbranche bis hin zum Bildungswesen – damit begonnen, aktiv eine Digitalstrategie umzusetzen. Infolgedessen zeichnet sich zunehmend ein Wandel von traditionellen Unternehmen hin zu vollständig digitalisierten und automatisierten Betrieben ab.
Mithilfe digitaler Technologien werden sich Unternehmen auf die Benutzererfahrung konzentrieren und zugleich ihre technologische Basis neu gestalten, um mehr Wert zu schaffen. Aufgrund begrenzter Budgets und eines Mangels an technischen Fachkräften entscheiden sich jedoch viele Unternehmen dafür, an ihrem Kerngeschäft festzuhalten und Innovationen nur in Randbereichen voranzutreiben.
Konservative Geschäftsmodelle und Unternehmenskulturen, die durch einen Mangel an anpassungsfähigen Risiko- und Sicherheitsstrategien, auf menschliches Eingreifen angewiesene Anwendungen und Infrastrukturen sowie fehlende fundierte technische Kompetenzen gekennzeichnet sind, haben sich zu einem Hemmnis für das Unternehmenswachstum entwickelt. Da die digitale Transformation Unternehmen zunehmend auf das Ziel der Anpassungsfähigkeit ausrichtet, müssen sie innovative Technologien einsetzen, um die Herausforderungen in den genannten Bereichen zu bewältigen. So können sie ihre Effizienz und Geschwindigkeit steigern, ihre Anpassungs- und Innovationsfähigkeit entfalten und die digitale Transformation erfolgreich vorantreiben.
2019 veröffentlichten wir ein dreistufiges Rahmenmodell für die digitale Transformation, das sich in den darauffolgenden Jahren – einschließlich der Pandemie – bewährt hat. Die digitale Transformation schreitet weiter voran, und die Digitalisierung treibt geschäftliche Innovationen voran. Im Zentrum der digitalen Transformation stehen Innovationen durch die Optimierung von Geschäftsprozessen und Technologie. Auch wenn die digitale Transformation zum zentralen Thema der strategischen Neuausrichtung von Unternehmen geworden ist, müssen Unternehmen, die mit ihrer Hilfe den Wandel vorantreiben wollen, ihre eigenen technischen Fähigkeiten ermitteln und die Merkmale jeder Phase ihrer Unternehmensentwicklung verstehen, um eine maßgeschneiderte Transformationsstrategie zu entwickeln.
Die drei Phasen der digitalen Transformation
Wir unterteilen die digitale Transformation von Unternehmen in drei Phasen:
- Aufgabenautomatisierung, die die Effizienz steigert, indem Anwendungen in Geschäftsprozesse integriert und komplexe, manuell ausgeführte Aufgaben automatisiert werden.
- Digitale Expansion, bei der eine neue Generation von Anwendungen digital skaliert, während Unternehmen mit der Automatisierung durch Cloud-native-Infrastrukturen und Softwareentwicklung beginnen. Dadurch können unternehmensweite Prozesse durchgängig digital abgewickelt werden.
- KI-gestützte Geschäftsprozesse, bei denen die Digitalisierung von Unternehmen weiter vertieft wird. Anwendungsplattformen, Telemetrie, Datenanalyse, maschinelles Lernen und Technologien der künstlichen Intelligenz werden in die Geschäftsprozesse von Unternehmen integriert, um mithilfe künstlicher Intelligenz die Produktivität zu steigern.
Aus den Forschungsergebnissen des F5-Berichts „State of Application Strategy 2022“ und zahlreichen Beispielen aus der Branche wissen wir, dass sich die meisten Unternehmen heute in der zweiten Phase ihrer digitalen Transformation befinden. Diese ist durch einen Schwerpunkt auf der Modernisierung von Anwendungen und Betriebsabläufen sowie den zunehmenden Wunsch gekennzeichnet, Cloud- und Edge-Technologien einzusetzen, um Innovationen zu beschleunigen.
Sechs technische Fähigkeiten zur Beschleunigung der digitalen Transformation
Das dringende Streben nach digitaler Transformation macht die Weiterentwicklung neuer digitaler IT-Architekturen unumgänglich. Den heute vorherrschenden Unternehmensarchitekturen mangelt es jedoch an der erforderlichen Agilität, Skalierbarkeit, Sicherheit und Beobachtbarkeit – entscheidende Voraussetzungen, um den technologischen Wandel voranzutreiben und immer raffiniertere Cyberangriffe abzuwehren.
Daher haben wir die sechs zentralen technischen Fähigkeiten zusammengefasst, über die Unternehmen verfügen müssen, um die Risiken und Herausforderungen im Zuge der digitalen Transformation zu bewältigen.
- IT-Infrastruktur: Die Beschleunigung der digitalen Transformation hat dazu geführt, dass Gesellschaften, Nutzer und Anwendungen zunehmend in die Cloud und an den Edge verlagert werden und traditionelle Architekturen für Unternehmensinfrastrukturen abgelöst wurden. Moderne IT-Infrastrukturen von Unternehmen stellen System-, Netzwerk- und Speicherressourcen einheitlich und effizienter über Rechenzentrums-, Cloud- und Edge-Umgebungen hinweg bereit. Sie sind nicht mehr fest oder statisch, sondern basieren auf dynamischen und verteilten Konzepten, die die Ausfallsicherheit von Ressourcen in anderen Infrastrukturumgebungen unterstützen.
- Daten: Selbst mit traditionellen Architekturen und Richtlinien können Unternehmensdaten in der heutigen Umgebung ordnungsgemäß genutzt werden. Unternehmen müssen ihre Daten jedoch skalieren, um Datensilos aufzubrechen. Dazu gehören die Nutzung von Telemetrie zur Erfassung von Betriebsdaten in Echtzeit, die Umsetzung neuer Strategien für präzisere, aussagekräftigere Erkenntnisse sowie die Förderung von Automatisierung und Entscheidungsfindung. Darüber hinaus sollten traditionelle Datenstrategien modernisiert werden, um den Anforderungen der betreffenden Nutzer gerecht zu werden und die Vorgaben der Datenschutzrichtlinie des Unternehmens einzuhalten.
- Apps und App-Bereitstellung: Anwendungen sind das Herzstück eines digitalen Unternehmens. Digitale Unternehmen sind auf Anwendungen angewiesen, um kundenorientierte Dienste bereitzustellen und Geschäftsabläufe im Backend zu automatisieren. Eine Anwendung in einem digitalen Unternehmen gilt als agil und dynamisch, da sie mit steigender geschäftlicher Nachfrage skaliert. Dies steht im Gegensatz zum Verständnis einer Anwendung in einem vordigitalen Unternehmen und in der traditionellen Unternehmensarchitektur, wo sie als statisch und unveränderlich gilt. Dieses Konzept von „Anwendungen als dynamische digitale Dienste“ führt dazu, dass die Anwendungsbereitstellung zu einem zentralen Bestandteil des Lebenszyklus einer Anwendung wird. Heute hat sich die App-Bereitstellung zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt, die technische Fähigkeiten und Best Practices umfasst, die für die Skalierung, Verteilung und Bereitstellung von Anwendungen in einer vielfältigen und elastischen Infrastrukturumgebung erforderlich sind, einschließlich Public Cloud, Edge und privaten Rechenzentren. Da der Druck zur Leistungssteigerung zunimmt und die Nutzer höhere Erwartungen an digitale Erlebnisse stellen, müssen Unternehmen Anwendungen häufiger und dynamischer bereitstellen, um auf veränderte Geschäftsbedingungen reagieren zu können. Dadurch wird die Anwendungsbereitstellung unweigerlich auf die Technologieagenda digitaler Unternehmen rücken.
- Observability und Automatisierung: Die Anpassungsfähigkeit eines Organismus hängt eng mit seiner Fähigkeit zusammen, Signale zu empfangen und sich automatisch anzupassen. Wie ein Lebewesen muss auch das digitale Unternehmen in der Lage sein, möglichst aussagekräftige digitale Signale zu erfassen, damit es diese verarbeiten und analysieren und sich an interne wie externe Veränderungen seines Umfelds anpassen kann. Observability versorgt das digitale Unternehmen mit den Signalen (d. h. Daten), die es benötigt, um sich mit minimalem menschlichem Eingreifen (d. h. durch Automatisierung) anzupassen. Mithilfe von Observability und Automatisierung steht Unternehmen ein umfassender, geschlossener Feedbackmechanismus zur Verfügung, der es Technologieverantwortlichen ermöglicht, sich auf Innovationen und die Weiterentwicklung des Unternehmens zu konzentrieren, anstatt lediglich die zentralen Geschäftsfunktionen im Blick zu haben.
- Praktiken des Site Reliability Engineering (SRE): Die Einbeziehung der angestrebten Geschäftsergebnisse in Service-Level-Ziele (SLOs) und der Betrieb eines vollständigen digitalen Dienstes mit minimalen Eingriffen stellen eine neue Kompetenz dar, die neue Praktiken und Ansätze erfordert. Dies lässt sich durch einen SRE-Ansatz für den Betrieb erreichen. „Minimale menschliche Eingriffe“ bedeutet, dass weiterhin menschliche Kontrolle – und manchmal auch menschliches Handeln – erforderlich ist. SRE erfüllt die Anforderungen an den Betrieb daten- und anwendungsbasierter digitaler Unternehmen, indem es Automatisierung nutzt, die sich auf die Erfüllung von SLOs konzentriert, die mit Geschäftsergebnissen verknüpft sind, statt auf rein technische Kennzahlen. Die Einführung von SRE ist eine entscheidende organisatorische Veränderung, die notwendig ist, um ein digitales Unternehmen effektiv zu betreiben und die Vorteile von Daten und Automatisierung voll auszuschöpfen.
- Sicherheit: Sicherheit ist ein zentraler Bereich der digitalen Transformation von Unternehmen. Eine sichere Bereitstellung und die Durchsetzung von Richtlinien müssen daher jede Ebene der digitalen IT-Architektur durchdringen. Die Werkzeuge und Verfahren zur Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien und zur Bereitstellung der für das Risikomanagement erforderlichen Erkenntnisse unterscheiden sich zwar von Ebene zu Ebene, doch unserer Erfahrung nach besteht in Unternehmen generell ein großer Bedarf, Sicherheitsbedrohungen zu erkennen und zu beseitigen – allerdings nicht auf Kosten des Geschäftsbetriebs. Darüber hinaus wird die herkömmliche binäre Sicherheitsstrategie, die auf einer starren IT-Architektur basiert, den geschäftlichen Anforderungen nicht mehr gerecht und kann sogar die Unternehmensentwicklung behindern. Daher müssen Unternehmen in ihren Risikostrategien das notwendige Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Leistung finden.
Für CIOs und IT-Führungskräfte bedeutet die Beschleunigung der digitalen Transformation, darüber nachzudenken, wie sich die technologischen Fähigkeiten des Unternehmens mit seiner Geschäftsstrategie in Einklang bringen lassen, damit es sich in einem dynamischen Umfeld weiterentwickeln und letztlich die digitale Transformation erfolgreich umsetzen kann.
Dieser Artikel enthält Auszüge aus dem neuen Buch von Lori MacVittie, Distinguished Engineer und Principal Technical Evangelist bei F5, und Geng Lin, Executive Vice President und Chief Technology Officer, „Enterprise-Architektur für digitale Unternehmen: Die Transformation der IT“.
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