Die zunehmende Vielfalt von Standorten und Nutzern treibt Unternehmen an den Edge

F5-Ökosystem | 03. Mai 2021


Der Begriff „Benutzer“ bezeichnet im Kontext der Anwendungsdomäne seit jeher die Entität, die mit einer Anwendung interagiert. Früher gehörte der Benutzerakzeptanztest zu den letzten Phasen der Anwendungsentwicklung. Dabei prüften die Personen, die später mit der Anwendung arbeiten würden, ob diese akzeptabel war und ihre geschäftlichen Anforderungen erfüllte.

Mit der technologischen Entwicklung hat sich auch die Definition des Begriffs „Benutzer“ gewandelt. Diese Entwicklung ist auf den Reifegrad des Internets und den rasanten Anstieg der Rechenleistung zurückzuführen. Die Feststellung, dass unsere Smartphones über mehr Rechenleistung verfügen, als 1969 für die Mondlandung eingesetzt wurde, ist nur deshalb amüsant, weil sie wahr ist. Fortschritte beim Hardwaredesign haben es ermöglicht, enorme Rechenleistung in sehr kleinen Komponenten unterzubringen.

So wie Veränderungen bei Anwendungsarchitekturen den Wandel der Technologien vorantreiben, mit denen diese bereitgestellt und abgesichert werden, haben Veränderungen bei der Definition des Benutzers auch beeinflusst, wo Anwendungen bereitgestellt werden.

Im Zeitalter der Rechenzentren waren die Benutzer fast ausschließlich Menschen, die am Arbeitsplatz auf Anwendungen zugriffen. Daher befanden sich Rechenzentren fast immer am selben Standort wie das Unternehmen, das sie unterstützten.

Im Cloud-Zeitalter ermöglichte das Internet ein neues Betriebsmodell – die Public Cloud –, um eine neue Kategorie von Nutzern besser zu bedienen, die von zu Hause aus auf Anwendungen zugriffen. Anwendungen mussten von verschiedenen Standorten aus umfassender und einfacher zugänglich sein, da die Nutzer nun von mehreren Standorten aus auf sie zugriffen.

Heute kommen neben Menschen neue Kategorien von Nutzern hinzu, darunter Software, Maschinen, Geräte und Sensoren. Diese Nutzer greifen von überall aus auf Anwendungen zu. Stand November 2020 stammten allein in den USA 45,38 % des Web-Datenverkehrs von Mobiltelefonen. Der durchschnittliche Amerikaner besitzt mehr als zehn verschiedene vernetzte Geräte. Fernseher, Haushaltsgeräte und sogar unsere Glühbirnen nutzen Anwendungen über das Internet.

Standort der Benutzer

Diese Veränderung bei der Definition und Verteilung von Nutzern ist eine wesentliche Triebkraft für Edge Computing.

Betrachten Sie die Analyse und Prognose aus Ciscos Annual Internet Report, der zufolge es „bis 2023 auf der Erde mehr als dreimal so viele vernetzte Geräte wie Menschen geben wird. Etwa die Hälfte der weltweiten Verbindungen wird aus Maschine-zu-Maschine-Verbindungen bestehen, und der M2M-Bereich wird von verbraucherorientierten ‚Dingen‘ in Smart Homes und Autos dominiert werden.“ (RCRWireless News)

Unternehmen waren schon immer bestrebt, Anwendungen bereitzustellen, die die Nutzer dort erreichen, wo sie sich befinden. Heute müssen Unternehmen Nutzer aller Art an den Randbereichen des Internets erreichen. Die Anwendungen, die es Menschen und Maschinen ermöglichen, Geschäfte abzuwickeln und bestimmte Aufgaben auszuführen, müssen sich näher bei den Nutzern befinden, die mit ihnen interagieren.

Einer der Hauptgründe dafür ist das allgegenwärtige Bedürfnis nach Geschwindigkeit. Ob es um die Leistung von Anwendungen oder um eine schnelle Reaktion zur Steuerung eines Geräts geht – sowohl Menschen als auch Maschinen erwarten von Edge Computing die nötige Geschwindigkeit.

So gehören laut den Befragten unserer jährlichen Studie zwei der drei wichtigsten Edge-Anwendungsfälle zu den folgenden:

  • Verbesserung der Anwendungsleistung (43 %)
  • Echtzeit-Computing/-Verarbeitung/-Analyse mit einer erforderlichen Latenz von weniger als 20 ms (34 %)

Daraus lässt sich schließen, dass die derzeitigen Geschwindigkeiten nicht ausreichen. Ein Grund dafür ist der Aufbau heutiger Anwendungen, der erhebliche Latenzen verursacht. Angesichts der Vielzahl von Komponenten, deren Suche und Abruf jeweils Zeit in Anspruch nehmen, überrascht es nicht, dass die Anwendungsleistung Marken und Nutzer gleichermaßen weiterhin vor Probleme stellt – obwohl Netzwerkgeschwindigkeit und -kapazität stetig gestiegen sind.

Und obwohl die Rechenleistung im Laufe der Zeit drastisch gestiegen ist, bestimmt das Netzwerk nach wie vor, wie schnell wir Daten darin übertragen können. Da es in jedem Haushalt mehrere menschliche Nutzer und noch mehr Maschinen- und Systemnutzer gibt, reicht eine Erhöhung der verfügbaren Bandbreite nicht aus, um die gewünschte Leistungssteigerung zu erzielen. In vielen Fällen ist es aufgrund physikalischer und wirtschaftlicher Grenzen schlicht nicht möglich, die Bandbreite und Netzwerkgeschwindigkeit zu erhöhen.

Statistik

Anwendungen – insbesondere solche, die Daten verarbeiten und analysieren – näher an die Daten zu verlagern, ist daher eine Lösung, die Unternehmen nutzen können, da der Standort der Anwendung die flexibelste Variable in der Leistungsgleichung ist.

Wir treten in eine Ära ein, in der Anwendungen genauso mobil sein müssen wie ihre Nutzer. Eine Ära, in der Rechenzentren und die Public Cloud zwar eine Rolle spielen, aber nicht als „Endziel“ für die Bereitstellung. Stattdessen werden Unternehmens- und Cloud-Rechenzentren als Quellen für Rechen-, Netzwerk- und Speicherressourcen dienen, die in ein größeres, flexibleres Ressourcennetz eingebunden werden können. Dieses erstreckt sich über verschiedene Standorte, zwischen denen Anwendungen nahtlos und bedarfsgerecht verschoben werden können.

Dieses Zeitalter ist das Edge-Zeitalter, und wir sind überzeugt, dass Edge 2.0 die Plattform ist, die es ermöglichen wird.

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Schlagwörter: Office of the CTO, 2021

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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