Die vierte Welle der Cloud steht unmittelbar bevor

F5-Ökosystem | 30. November 2020


Wir haben vor Kurzem den Höhepunkt der dritten Cloud-Welle überschritten. Nun scheint sich ein abrupter Übergang zum Beginn einer vierten Welle der Cloud-Einführung abzuzeichnen.

Digitale Transformation und Cloud sind seit Jahren untrennbar miteinander verbunden. Geschwindigkeit und Skalierbarkeit haben die Cloud zur „besten Lösung“ für die Verbesserung der digitalen Präsenz eines Unternehmens gemacht. Lässt man SaaS außer Acht, bei dem es eher darum geht, die operative Verantwortung für standardisierte Geschäftsfunktionen auszulagern, als um Geschwindigkeit und Skalierbarkeit, ist der massive Ansturm auf „die Cloud“ nie wirklich eingetreten. Die Cloud-Nutzung nahm zwar zu, doch die meisten Workloads verblieben in lokalen Umgebungen, auch wenn Unternehmen die Vorteile der Public Cloud für sich nutzten.

[ COVID19 hat den Chat betreten ]

Unsere Reaktion auf die Pandemie hat viele Einstellungen in Unternehmen verändert. Dazu gehörte die Einstellung zur Remote-Arbeit. Eine weitere war die Einstellung zur Public Cloud.

Tatsächlich kommt inzwischen nahezu jede Umfrage zu dem Ergebnis, dass der Markt bei Cloud-Migrationen mit Volldampf voranschreitet.

Zunächst ergab eine Umfrage „im Auftrag des DevOps-Automatisierungsspezialisten Codefresh, dass COVID-19 zumindest dazu führt, dass Strategien für lokale Infrastrukturen überdacht werden. Die am Dienstag (18. August) veröffentlichte Anbieterumfrage ergab, dass 58 Prozent der Befragten als Reaktion auf die Pandemie Teile ihrer Infrastruktur in die Cloud verlagern. Von diesen planen 17 Prozent, ihren gesamten Software-Stack in die Cloud zu verlagern.“

Als Nächstes untersucht „eine neue LogicMonitor-Studie unter 500 IT-Entscheidungsträgern weltweit die Zukunft von Cloud-Workloads und die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 auf IT-Organisationen in Nordamerika, dem Vereinigten Königreich, Australien und Neuseeland. Obwohl sich das Gesamtbild noch weiterentwickelt, deutet die Umfrage darauf hin, dass COVID-19 zu einem starken Katalysator für eine rasche Cloud-Migration geworden ist. Die Cloud 2025-Studie von LogicMonitor, die von Mai bis Juni 2020 durchgeführt wurde, ergab, dass 87 % der IT-Entscheidungsträger weltweit der Ansicht sind, dass die COVID-19-Pandemie Unternehmen dazu veranlassen wird, ihre Migration in die Cloud zu beschleunigen.“

Eine weitere „Umfrage unter mehr als 100 IT-Leitern mit Schwerpunkt Cloud oder höherrangigen Führungskräften in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen US-Dollar und einem jährlichen IT-Budget von mindestens 50 Millionen US-Dollar, die von 2nd Watch, einem Anbieter von IT-Dienstleistungen, durchgeführt wurde, ergab, dass 59 % planen, ihre Cloud-Budgets in den nächsten 12 Monaten zu erhöhen, wobei mehr als ein Drittel (34 %) die Migration in die Cloud beschleunigt.“

Ich belasse es dabei, denn es ist nur eine endlose Reihe von Umfragen, die alle dasselbe besagen: „Die Cloud-Migration beschleunigt sich.“ Einige wenige unterscheiden zwischen Cloud und SaaS. Die meisten unterscheiden jedoch nicht zwischen der Migration in die Cloud und der Verlagerung von Workloads in die Cloud.

Cloud wird seit jeher und auch weiterhin als Oberbegriff für verschiedene Modelle verwendet. Eines davon ist SaaS. Einer der Gründe, warum wir (also das Unternehmen) SaaS in unserer jährlichen Studie ausdrücklich von anderen Cloud-Modellen (IaaS und PaaS) trennen, ist, dass SaaS den Blick auf den Gesamtmarkt tendenziell verzerrt. Die Migration zu SaaS hat sich nach COVID-19 beschleunigt. Daran besteht kein Zweifel. Dazu gehören die üblichen Maßnahmen wie die Reduzierung der Nutzung von Standardsoftware durch die Einführung einer entsprechenden SaaS-Lösung sowie die Verlagerung des IT-Managements auf SaaS.

Auch wir beobachten, dass Kunden bei Standardsoftware, die traditionell lokal betrieben wurde, zunehmend SaaS bevorzugen. Zudem gibt es einen Trend, individuelle Anwendungen für Geschäftsbereiche, für die inzwischen SaaS-Alternativen verfügbar sind, zu migrieren. Diese Migrationen werden von zwei Faktoren angetrieben: der Senkung der IT-Betriebskosten und der Freisetzung von Ressourcen, damit diese sich auf die Wertschöpfung konzentrieren können.

Ist vor diesem Hintergrund also eine Beschleunigung der Cloud-Migration (ohne SaaS) zu beobachten? Davon bin ich nicht überzeugt. Ich denke, dass sich die Cloud-Einführung beschleunigt, nicht unbedingt die vollständige Migration (d. h. die Migration von Workloads). Selbst Branchenstudien, die zwischen Infrastruktur und SaaS unterscheiden, zeigen, dass die meisten nur einen Teil ihrer Infrastruktur verlagern und nur eine kleine Minderheit davon alles verlagert.

Die Unterscheidung zwischen Migration und Einführung ist wichtig. Migration bezeichnet die Verlagerung einer bestehenden Ressource von einem Ort an einen anderen. Angesichts der Investitionen und der Datengebundenheit bestehender traditioneller Anwendungen sowie der Umfragen, die diesen Unterschied deutlich machen, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die meisten Unternehmen vollständig in die Public Cloud wechseln.

Vielmehr scheinen diese Umfragen die Auswirkungen der beschleunigten digitalen Transformation aufzuzeigen. Die Nutzung der Cloud wird zwangsläufig zunehmen, da sie häufig der bestmögliche Ort für die Anwendungen und APIs ist, die benötigt werden, um Anwendungen zu modernisieren und uneingeschränkt an der bald vorherrschenden digitalen Wirtschaft teilzunehmen. Denken Sie daran: Die Modernisierung von Anwendungen ist nicht gleichbedeutend mit „einen Monolithen als Microservices neu schreiben“. Das ist sie schlichtweg nicht. Vielmehr geht es darum, den Zugriff auf eine Anwendung zu modernisieren, indem eine bestehende traditionelle Anwendung erweitert, ergänzt und mit modernen Komponenten integriert wird. Handelt es sich dabei häufig um Microservices? Ja. Doch Kernsysteme, auf denen kritische (und oft einzigartige) Geschäftsfunktionen ausgeführt werden, werden sich wahrscheinlich weiterhin in lokalen Rechenzentren befinden.

Erlebt die Cloud in der Post-COVID-Welt also einen Aufschwung? Ja. Auf jeden Fall. Migrieren Unternehmen in großer Zahl in die Cloud? Das sehe ich nicht. Zumindest noch nicht.

Was ich hingegen beobachte, ist die vierte Welle der Cloud-Einführung, die vor allem durch die dringende Notwendigkeit vorangetrieben wird, mehr Geschäftsbereiche in die digitale Welt zu verlagern.

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Schlagwörter: 2020, Office of the CTO

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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