Die dritte Welle der Cloud erreicht ihren Höhepunkt

F5-Ökosystem | 29. Juni 2020

Technologiezyklen unterliegen einem ständigen Auf und Ab. Dass dies unvermeidlich ist, zeigt sich in vielen Theorien, etwa in der S-Kurve der Innovation und im Hype-Zyklus eines gewissen bekannten Analystenhauses.

Auch die Cloud unterliegt diesen Wellenbewegungen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir zwei sehr starke Zyklen erlebt, und es scheint, als würde eine dritte Welle allmählich ihren Höhepunkt erreichen.

In der ersten Welle stürmten Unternehmen in die Cloud, angelockt von versprochenen Kosteneinsparungen und mehr geschäftlicher Agilität. Mit der zunehmenden Cloud-Nutzung versuchten sich die Anbieter durch eine Vielzahl von Diensten und Spezialisierungen voneinander abzuheben. AWS ist zweifellos ein Schwergewicht im E-Commerce und ideal für Apps, die in Handelsökosysteme integriert werden müssen. Azure dominiert bei traditionellen und datenbankgestützten Anwendungen und eignet sich hervorragend zur Unterstützung von Anwendungen, die mit Microsoft-Technologien und -Toolsets entwickelt wurden. Und Google bleibt ein Traum für Entwickler, fördert Experimente und Innovationen und unterstützt die allerneuesten Protokolle, Plattformen und Dienste.

Dies führte letztlich zu einer zweiten Cloud-Welle und damit zu unserer heutigen Multi-Cloud-Umgebung. Jeder Anbieter war auf etwas andere Anwendungen ausgerichtet, und Unternehmen reagierten darauf, indem sie die „richtige Cloud für die jeweilige Anwendung“ auswählten. Ein durchschnittliches Unternehmen betreibt heute unseren Untersuchungen zufolge Anwendungen in zwei bis sechs verschiedenen Public-Cloud-Umgebungen.

Cloud-Wellen

Unternehmen, die bereits seit einiger Zeit in der Cloud arbeiten, wehren sich zunehmend gegen die erheblichen Betriebskosten, die ihre Gewinnmargen schmälern und Investoren verärgern können. Diese Entwicklung wird häufig als „Cloud-Rückführung“ bezeichnet. Mittlerweile ist zu beobachten, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Großunternehmen die dritte Cloud-Welle aus der Public Cloud herausführt und zurück ins Rechenzentrum sowie – so ist anzunehmen – in eine Private Cloud (86,5 % der Unternehmen betreiben eine solche in ihrer eigenen Infrastruktur).

Im Zentrum dieser Wellen steht die gemeinsame Sorge um die Kosten. Unternehmen möchten die Rendite ihrer Investitionen in Anwendungen maximieren. Während sie die Phasen der digitalen Transformation durchlaufen, wächst die Zahl der Anwendungen im Unternehmensportfolio – häufig exponentiell. Die Kosten werden zu einem erheblichen Hindernis für den Ausbau der digitalen Funktionen, die von komfortorientierten Verbrauchern gefordert werden. Jede Anwendung muss einen Nutzen erbringen, sei es durch Produktivitätssteigerungen oder Gewinne. Punkt.

Dieser Kostenfaktor gewinnt an Bedeutung, wenn man das Anwendungsportfolio eines Unternehmens genauer betrachtet und feststellt, dass die meisten produktiv eingesetzten Anwendungen – und damit auch die Anwendungen in der Public Cloud – nicht dafür konzipiert wurden, die dem Cloud-Modell inhärenten Skaleneffekte zu nutzen. Der Großteil der heute produktiv eingesetzten Anwendungen basiert auf traditionellen Architekturen und nicht auf dem stärker von der Cloud geprägten, containerisierten Modell.

Anwendungen, die mithilfe moderner Architekturen entwickelt werden, können die durch Cloud Computing versprochenen Kosteneinsparungen von Grund auf besser realisieren. Cloud-native Architekturen konzentrieren sich auf die Aufteilung von Workloads nach Geschäftsfunktion – in kleinere, klarer abgegrenzte Funktionen, die häufig als Microservices bezeichnet werden – und sind daher operativ besser in der Lage, die Skaleneffekte der Cloud zu nutzen. Der Ressourcenverbrauch einer Cloud-nativen Anwendung ist bei hoher Skalierung im Vergleich zu einer herkömmlichen Anwendung deutlich geringer, da nur die jeweils benötigten Geschäftsfunktionen skaliert werden und nicht alle. So berichtete uns beispielsweise kürzlich ein großer Einzelhändler, dass er 200 isolierte und redundante Anwendungen durch einen einzigen Microservice ersetzt habe, der dieselbe Geschäftsfunktion erfüllte. Dadurch wurden die Komplexität reduziert, die Zuverlässigkeit verbessert und die Kosten gesenkt.

Darüber hinaus sind Cloud-native-Architekturen von Natur aus leichter zwischen verschiedenen Cloud-Umgebungen übertragbar. So können Unternehmen auf eine Zukunft hinarbeiten, in der Cloud-Arbitrage tatsächlich möglich ist und denjenigen, die sie zu nutzen wissen, erhebliche Kosteneinsparungen bietet. Investitionen in Anwendungsdienste und -architekturen, die in jeder Umgebung betrieben werden können, gewährleisten eine reibungslosere Migration von einer Umgebung zur nächsten. Der Einsatz eines einheitlichen Satzes von Anwendungsdiensten, die von der zugrunde liegenden Infrastruktur entkoppelt oder nur lose mit ihr gekoppelt sind, beseitigt zudem einen wesentlichen Kostenfaktor des Cloud-Computings: cloudspezifische Tools, Dienste und Fachkenntnisse.

Betrachten wir dazu ein theoretisches Beispiel. Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen verfügt über eine cloudnative Anwendung, deren Prototyp in AWS entwickelt wurde. Die Entwickler integrierten AWS-Anwendungsdienste wie Lastverteilung, Web Application Firewalling (WAF) und Kubernetes Ingress. Die App ist erfolgreich, wird daher „live geschaltet“ und beginnt, echten Datenverkehr und Kundenanfragen zu verarbeiten. Mit zunehmendem Funktionsumfang der App stellt das Unternehmen dann fest, dass ein Teil davon in Azure bereitgestellt werden muss. Da dieselbe App weiterhin Lastverteilung, WAF und Kubernetes benötigt, müssen die Entwickler- und DevOps-Teams Zeit für die Bereitstellung, Konfiguration und Wartung dieser Azure-spezifischen Dienste aufwenden. Zu diesem Zeitpunkt hat das Unternehmen die ersten beiden Wellen der Cloud-Einführung durchlaufen: zunächst die Migration in die Cloud, um agiler zu werden, und anschließend den Umstieg auf eine Multi-Cloud-Umgebung. Stellen Sie sich nun vor, das Unternehmen hat inzwischen Erfahrung und Fachwissen im Management cloudnativer Apps aufgebaut. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es vorteilhaft, die App teilweise oder vollständig in die eigene Infrastruktur zurückzuholen. Das Unternehmen befindet sich nun in der dritten Welle der Cloud-Einführung und muss seine lokalen Anwendungsdienste erneut bereitstellen, konfigurieren und warten.

Cloud-Anbieter werden auf diese dritte Welle zweifellos mit attraktiven Services und Vorteilen ihrer Ökosysteme reagieren, die Unternehmen dazu bewegen werden, ihre Anwendungen erneut in der Public Cloud bereitzustellen und damit eine vierte Welle der Cloud-Einführung einzuleiten.

Letztlich arbeitet fast jedes Unternehmen unbeabsichtigt mit einem Multi-Cloud-Modell. Wir gehen davon aus, dass der Trend zur Rückverlagerung aus der Cloud dieses Phänomen nur noch beschleunigen wird. Besser als ein „Alles-oder-nichts“-Ansatz ist eine strategische Vorgehensweise, bei der in die richtigen Anwendungsdienste investiert wird, um künftig die für das Unternehmen am besten geeignete Cloud wählen zu können.

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Schlagwörter: 2020, Office of the CTO

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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