Das Web im Wandel: Das Ende der Silos

F5-Ökosystem | 01. April 2024

Moderne Anwendungen sind bekanntermaßen stark voneinander abgeschottet. Wenn es für Ihre Aufgabe keine passende App gibt und Sie stattdessen eine Lösung aus mehreren Apps zusammenstellen müssen, die untereinander Daten austauschen, wird es schwierig. Seit Langem wird versucht, dieses Problem zu lösen. Der Apple Newton, der Ururgroßvater heutiger Mobilgeräte, wurde so konzipiert, dass solche Silos durch gemeinsam genutzte Objektspeicher sowie ein ausgeklügeltes Benutzeroberflächen- und Sprachdesign vermieden werden. Mashups im Web sind ein weiterer Ansatz, der speziell auf die Integration von Apps abzielt. Leider ist es bislang niemandem gelungen, ein weitverbreitetes Ökosystem rund um nicht abgeschottete Anwendungen zu schaffen. Nun ist jedoch eine neue Kraft auf den Plan getreten, die Silos ein für alle Mal aufbrechen soll: künstliche Intelligenz.

Die Art und Weise, wie wir das Internet nutzen, steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Plattformen wie ChatGPT, Gemini und Bing Copilot sind dabei Vorreiter und nutzen die Möglichkeiten dialogorientierter KI, um unsere Interaktion mit dem Web grundlegend zu verändern. Statt von Website zu Website zu springen, werden wir uns schon bald einfach „mit dem Internet unterhalten“ können, um das zu bekommen, was wir brauchen. Dieses neue Nutzungserlebnis wird einer grenzenlosen Kombination aus Inhalten und Diensten gleichen, die spontan zusammengestellt wird, um jede erdenkliche Frage zu beantworten oder jedes beliebige Bedürfnis zu erfüllen.

Dieser Wandel hin zu einer einheitlicheren und effizienteren Art der Webnavigation stellt einen großen Sprung gegenüber dem traditionellen, isolierten Surfen im Web dar, an das wir uns gewöhnt haben. Er verspricht nicht nur ein besseres Nutzungserlebnis im Web, sondern führt auch zu grundlegenden Veränderungen bei Geschäftsmodellen und bei der Art und Weise, wie wir mit Onlinediensten und Maschinen interagieren.

Das Web von heute: eine fragmentierte Reise

Seien wir ehrlich: So, wie das Internet heute funktioniert, kann es bei manchen Aktivitäten frustrierend sein. Man beginnt bei einer Suchmaschine und klickt sich dann von einer Website zur nächsten, in der Hoffnung, das Gesuchte zu finden. Besonders anstrengend ist dabei, dass jede Website anders aussieht und funktioniert.

Eine fragmentierte Reise durch das Web

Sie müssen einen Familienurlaub planen? Viel Glück! Das ist ein komplizierter Prozess, bei dem Sie unzählige Websites durchforsten müssen, um die besten Angebote für Flüge, Unterkünfte und Aktivitäten zu finden. Aber was wäre, wenn es einen besseren Weg gäbe? Wenn die Planung Ihres Traumurlaubs so einfach wäre wie ein Gespräch mit einem superschlauen Reisebegleiter, der einfach alles weiß?

Das Web-Erlebnis revolutionieren: Silos aufbrechen

Das Konzept eines solchen intelligenten Reiseassistenten gibt es bereits in Form spezialisierter Erweiterungen oder „GPTs“ für Plattformen wie Gemini oder ChatGPT. Sie sind noch etwas umständlich und nicht vollständig einsatzfähig, weisen aber wahrscheinlich den Weg in die Zukunft. Auch hier geht es darum, die Grenzen zwischen Websites aufzubrechen und ein deutlich besseres Nutzererlebnis zu bieten.

Im Zentrum dieses Wandels stehen Plattformen für dialogorientierte KI. Sie sind im Begriff, dieses Paradigma grundlegend zu verändern, indem sie die bestehenden Silos im Web aufbrechen. Sie verstehen, was Sie benötigen, und können Sie nahtlos mit den besten Ressourcen, Inhalten und Diensten aus dem gesamten Web verbinden. Schauen wir uns das genauer an:

  • Nutzer an erster Stelle: Sie interagieren mit dieser KI-Plattform und genießen so ein personalisiertes, optimiertes Weberlebnis. Betrachten Sie es als das ultimative Upgrade gegenüber endlosen Suchanfragen!
  • Die Web-Zentrale: Konversationelle KI-Plattformen werden zum zentralen Treffpunkt für alles, was online stattfindet. Sie verbinden Sie mit Content-Erstellern, Websites und Dienstleistern und bündeln die besten Inhalte und Angebote für Sie.
  • Geschäftsmodelle neu denken: Bei diesem Modell müssen Unternehmen, die derzeit beispielsweise auf Werbung und abgeschottete Websites setzen, möglicherweise neue Wege finden, um Nutzer zu erreichen und Umsätze zu erzielen.
Konversations-KI-Plattformen revolutionieren die Reise durch das Web

Der Anspruch dieser Plattformen der nächsten Generation geht weit über die bloße Verbesserung der Benutzererfahrung hinaus. Sie stehen für einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie wir mit der digitalen Welt interagieren, und versprechen eine Zukunft, in der das Web stärker vernetzt, reaktionsfähiger und besser auf unsere Bedürfnisse abgestimmt ist. An der Schwelle zu diesem spannenden Wandel wird deutlich, dass das Ende isolierter Web-Silos einen großen Fortschritt hin zu einem zugänglicheren und intuitiveren Web darstellt, das sich nahtlos in unseren Alltag einfügt.

Ein neues digitales Plattformmodell: Konversations-KIs rücken in den Mittelpunkt

In dieser neuen Weltordnung ist der durch Large Language Models (LLM) gestützte Dialog die zentrale Werteinheit. Diese Plattformen sind wie die perfekten Gastgeber, die dynamische Interaktionen ermöglichen zwischen Nutzern, Content-Erstellern und bestehenden digitalen Diensten. Der Erfolg dieser Interaktionen hängt letztlich davon ab, wie gut die Plattform den bisherigen Kontext des Nutzers versteht und Inhalte sowie Dienste nahtlos integriert. Die Plattformen, denen das gelingt, werden die Stars dieses digitalen mehrseitigen Ökosystems sein.

Plattformen für dialogorientierte KI rücken in den Mittelpunkt

Endnutzer werden mit der Conversational-AI-Plattform interagieren, um ein erstklassiges, individuell auf sie zugeschnittenes Erlebnis zu erhalten – mit Automatisierung und Personalisierung in einem bislang unerreichten Umfang. Mit ihrem Feedback und dem kostenpflichtigen Zugang leisten sie ihren Beitrag zu diesen Plattformen.

Im Gegenzug fungiert die Conversational-AI-Plattform als zentrale Schnittstelle und Drehscheibe. Sie lenkt die Interaktion der Nutzer auf Ersteller und Aggregatoren digitaler Inhalte sowie auf Anbieter digitaler Dienste und nutzt dabei Inhalte und APIs, um ein eng vernetztes Ökosystem zu schaffen. Diese Urheber und Dienstleister werden von den Plattformen über Inhaltslizenzen, Abonnements und in Unterhaltungen eingebettete, jedoch transparent an die jeweiligen Dienste weitergeleitete Transaktionen vergütet. Dadurch entstehen zusätzliche Umsätze und weitere Nutzerinteraktionen. Darüber hinaus werden unternehmensorientierte Angebote (APIs und Modelle) einen weiteren Umsatzkreislauf schaffen, der dieses Ökosystem langfristig trägt.

Dieses neue digitale Plattformmodell wirkt wie eine Abrissbirne: Es zerschlägt traditionelle Silos und schafft ein Web-Erlebnis, das vernetzter und reaktionsfähiger ist als je zuvor. Das Web ist kein Sammelsurium unzusammenhängender Benutzeroberflächen und Erlebnisse mehr, sondern eine einheitliche, anpassungsfähige Umgebung, die mit jeder Benutzerinteraktion kontinuierlich dazulernt und sich weiterentwickelt.

Ein Überblick über die bevorstehenden Veränderungen

Die Auswirkungen dieses neuen Modells für digitale Plattformen sind enorm und vielschichtig. Zunächst einmal stehen Suchmaschinen, wie wir sie kennen, vor einer grundlegenden Neugestaltung. Sie werden sich zu einer Kombination aus Inferenzmaschinen und traditionellen Systemen zur Informationsgewinnung entwickeln. Das bedeutet, dass klassische Suchmaschinenfunktionen in den Hintergrund treten, während eine stärker vorausschauende und personalisierte Kuratierung von Inhalten auf Grundlage des Nutzerverhaltens und der Präferenzen die Führung übernimmt.

Doch das ist noch nicht alles: Mehrere Geschäftsmodelle im Web, insbesondere solche, die auf Werbung und Abonnements in geschlossenen Ökosystemen basieren, müssen grundlegend überdacht werden. Da das digitale Ökosystem immer stärker vernetzt wird, müssen sich auch die diesen Modellen zugrunde liegenden Umsatzstrategien weiterentwickeln, um mit dem veränderten Verbraucherverhalten und den sich wandelnden Erwartungen Schritt zu halten.

Und was ist mit den dedizierten Web-Benutzeroberflächen (UIs), an die wir uns alle so sehr gewöhnt haben? Nun, sie sind möglicherweise nicht mehr so wichtig wie früher. Stattdessen werden APIs in den Mittelpunkt rücken: Sie dienen als Bindeglied, das alles zusammenhält und eine nahtlose Integration und Interaktion über Plattformen und Dienste hinweg ermöglicht. Durch diesen Wandel rücken interoperable Systeme und offene Standards in der sich weiterentwickelnden Web-Infrastruktur in den Fokus.

Doch das ist noch nicht alles! Auch Betriebssysteme – sowohl für Desktop- als auch für Mobilgeräte – werden bei diesem Wandel eine entscheidende Rolle spielen. Sie werden sich so weiterentwickeln, dass sich lokale und entfernte Inhalte und Dienste nahtlos in Unterhaltungen miteinander verbinden lassen. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Geräten und der Cloud noch stärker, und es entsteht ein einheitlicheres Nutzungserlebnis, bei dem der Zugriff auf Informationen und Funktionen reibungslos und intuitiv erfolgt.

All dies gilt nicht nur für das Surfen im Web, sondern auch für App-Stores. Am besten aufgestellt, um diese Revolution voranzutreiben, scheinen entweder die großen KI-Anbieter, die Betriebssystemhersteller oder die führenden Webbrowser zu sein. Sie profitieren von ihrer allgegenwärtigen Präsenz und dem Vertrauen der Nutzer. Dennoch sollte man innovative Start-ups nicht außer Acht lassen, die agiler sind und bereits begonnen haben, diese Vision zu verwirklichen.

Und nicht zu vergessen ist der Aufstieg multimodaler Chat-Oberflächen, die ein deutlich vielfältigeres Spektrum an Interaktionen ermöglichen dürften. Diese Oberflächen werden es Nutzern voraussichtlich erlauben, direkt im Gesprächsverlauf mit Content-Erstellern und Dienstleistern zu interagieren. Dadurch werden die Barrieren zwischen Inhalten, Diensten und Nutzern abgebaut, was ein direkteres und ansprechenderes digitales Erlebnis schafft.

Beim Übergang des Webs zu diesem neuen Modell geht es also nicht nur darum, die Nutzererfahrung zu verbessern, sondern auch darum, die grundlegende Struktur, Bereitstellung und Monetarisierung digitaler Inhalte und Dienste völlig neu zu denken. Die sich wandelnde Rolle von Betriebssystemen ist ein perfektes Beispiel für den allgemeinen Trend hin zu einer stärker integrierten und nutzerzentrierten digitalen Landschaft. Auf diesem Weg verspricht die Zusammenführung lokaler und cloudbasierter Ressourcen über dialogorientierte Benutzeroberflächen, unsere Interaktionen mit der digitalen Welt neu zu definieren – und damit einen großen Sprung in der Entwicklung des Webs einzuläuten.

Hindernisse überwinden: eine gemeinsame Anstrengung

Natürlich wird ein Wandel dieser Größenordnung nicht über Nacht stattfinden! Der Weg zu Conversational-AI-Plattformen ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, die wir mit Präzision und strategischem Weitblick bewältigen müssen. Im Zentrum dieses Wandels stehen Fortschritte bei der Modellgenauigkeit und die effektive Orchestrierung von Interaktionen. Wir müssen technologische, gesellschaftliche und geschäftliche Reibungspunkte sorgfältig identifizieren und angehen, um den Weg für diese neue Ära zu ebnen. Es ist klar, dass Conversational-AI-Plattformen diese Herausforderungen nicht allein bewältigen können. Dafür bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung von Conversational-AI-Plattformen, Content-Erstellern, Dienstleistern, Regulierungsbehörden, Netzbetreibern, Sicherheitsexperten und Infrastrukturspezialisten. Die symbiotischen Beziehungen zwischen KI-Plattformen und diesen Akteuren werden den Grundstein für ein robustes und anpassungsfähiges digitales Ökosystem legen.

Die Zukunft im Blick: Die nächste Evolutionsstufe des Webs

Wir gehen davon aus, dass sich dieser Bereich rasant weiterentwickeln und in den nächsten fünf Jahren erhebliche Fortschritte machen wird. Die Vorteile für die Nutzer werden so groß sein, dass die Webnutzer selbst zur treibenden Kraft hinter diesem Wandel werden. Konversations-KI-Plattformen, denen es gelingt, ein für Nutzer, Content-Ersteller und digitale Dienste gleichermaßen vorteilhaftes und finanziell attraktives Ökosystem zu schaffen, werden die Plattformen von morgen sein. Ja, es gibt Hürden, doch das Potenzial ist zu groß, um es zu ignorieren. Wir stehen am Beginn einer Revolution des Webs.

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Schlagwörter: Office of the CTO, 2024

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