Die durch eine globale Pandemie verursachten Störungen und ihre anfänglichen Auswirkungen auf die Dynamik der digitalen Transformation in Unternehmen liegen hinter uns. Doch die rasante Beschleunigung, der plötzliche Wechsel zur Remote-Arbeit und die Abhängigkeit von digitalen Diensten sollten uns vor Augen führen, welche Auswirkungen disruptive Ereignisse haben können, während wir das Aufkommen generativer KI beobachten.
Die Beschleunigung der digitalen Transformation in Unternehmen zeigt sich überall – von DoorDash über die Vorherrschaft von Streaming-Unterhaltung bis hin zur Etablierung hybrider Arbeitsmodelle, die vor 2020 noch undenkbar waren.
Und mit generativer KI erleben wir das jetzt gewissermaßen erneut.
Es ist nicht so, dass generative KI nicht faszinierend wäre – das ist sie. Und es ist auch nicht so, dass generative KI nicht vieles verändern wird – von der Art, wie wir arbeiten und lernen, bis hin zu unserer Lebensweise. Das wird sie. Doch für sich genommen ist generative KI nicht nützlicher als Datenanalyse. Beide schaffen keinen Mehrwert, wenn es keine Frage gibt, die beantwortet werden muss. Ihre wahre Wirkung entfaltet sie im Zusammenspiel mit bestehenden Technologien.
Der katalytische Charakter generativer KI entfaltet meist dann eine erhebliche Wirkung, wenn sie einen bestehenden Trend beschleunigt.
Moderne Anwendungen
Beispielsweise waren moderne Anwendungen bereits auf dem besten Weg, traditionelle Anwendungen in den nächsten Jahren zu überholen. Doch KI hat dieses Feuer weiter angefacht, und wir sehen schon jetzt, wie moderne Anwendungen die Vorherrschaft im Anwendungsportfolio von Unternehmen übernehmen. Denn KI ist eine moderne Anwendung – ebenso wie die Anwendungen, die entwickelt werden, um ihre Vorteile zu nutzen.
APIs
APIs standen bereits ganz oben auf der Prioritätenliste für Bereitstellung und Sicherheit. Durch KI ist nun alles rund um APIs zu einer entscheidenden Priorität geworden, die die allgemeine Sicherheit wahrscheinlich vom Thron stoßen wird. Denn die meisten entwickeln moderne Anwendungen (die auf APIs angewiesen sind) und integrieren KI-Dienste – natürlich ebenfalls über APIs.
Hybrid- und Multicloud
Generative KI ist auf erhebliche Rechen-, Speicher- und Netzwerkressourcen angewiesen. Genau diese Ressourcen werden das bestehende hybride IT-Betriebsmodell weiter vorantreiben und die Herausforderungen von Multicloud-Umgebungen verschärfen. Die Grundlage generativer KI – LLMs – wird sich voraussichtlich in einer Public Cloud befinden, einige Modelle werden jedoch weiterhin lokal betrieben. Und die Anwendungen, die für die Nutzung dieser LLMs entwickelt werden? Auch sie werden auf mehrere Clouds verteilt sein. Falls Sie noch nicht davon überzeugt waren, dass hybride IT dauerhaft Bestand haben wird, werden die für Training und Inferenz erforderlichen Ressourcen sowie die berechtigte Notwendigkeit, die Vertraulichkeit privater Daten zu wahren, dazu führen, dass sich das hybride IT-Betriebsmodell endgültig als Normalität etabliert.
AIOps
Generative KI beschleunigt auch den Übergang zu AIOps. Sie ist das Werkzeug, auf das AIOps gewartet hat, und es gibt bereits zahlreiche Lösungen, die Wege finden, die Fähigkeit dieser Technologie zur Generierung von Inhalten, Code und Abfragen zu nutzen. Tatsächlich wird uns generative KI über die derzeit ausgereifteste Methode – automatisierte Skripte – hinaus zu einem Zustand führen, in dem das System die Skripte nicht nur ausführen, sondern auch selbst erstellen und obendrein die richtigen Richtlinien generieren kann. Damit entwickelt sich die Automatisierung von „automatisiert“ zu „autonom“. Die Auswirkungen auf den IT-Betrieb werden tiefgreifend sein, auch wenn sie erst in einigen Jahren in vollem Umfang spürbar sein werden. Doch sie werden kommen.
All dies wird rasche Veränderungen beschleunigen, um den Anforderungen von Anwendungen, die KI nutzen, sowie der Unternehmen, die sie entwickeln und betreiben, gerecht zu werden. Datenschutz, Sicherheit und Verantwortungsbewusstsein werden Innovationen in allen Unternehmensbereichen vorantreiben, insbesondere jedoch in den Bereichen Daten, Anwendungsbereitstellung und Sicherheit.
Doch all diese Bereiche – moderne Apps, APIs, Multicloud, hybride IT und AIOps – waren bereits auf dem Vormarsch, bevor OpenAI ChatGPT vorstellte. Generative KI hat lediglich das Tempo dieser Entwicklung beschleunigt. Das entspricht im Wesentlichen dem Effekt, den COVID auf die digitale Transformation von Unternehmen hatte – nur dass uns mit KI noch weitaus mehr Veränderungen bevorstehen.
Die größten Auswirkungen von KI werden nicht allein auf ihre Existenz zurückzuführen sein, sondern darauf, wie sie Menschen, Prozesse und Produkte beeinflusst.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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