Stand der Anwendungsstrategie 2022: Performance-Trends

F5-Ökosystem | 19. April 2022



Während Unternehmen ihren Weg zum digitalen Unternehmen beschleunigen, übernehmen CIOs das Steuer und bringen den Technologiemotor auf Hochtouren, um ihre Organisationen durch die zweite Phase der digitalen Transformation zu führen. Wie üblich stellt die Performance ein erhebliches Hindernis dar, wenn es darum geht, die Vorteile von Multi-Cloud-Strategien auszuschöpfen und Unternehmen konsequent dazu zu bewegen, ihre Aktivitäten auf den Edge-Bereich auszuweiten.

Kürzlich habe ich etwa eine Stunde meines Lebens damit vergeudet, Diskussionen über die Abfragerate von Gaming-Mäusen im Vergleich zu der eines Konsolen-Controllers zu verfolgen. Dabei habe ich erfahren, dass mein Xbox-Controller zwar 24 MIPS verarbeiten kann, Eingaben aber dennoch nur mit 125 Hz abfragt. Das bedeutet, dass er Änderungen nur etwa alle 8 Millisekunden an das Spiel meldet. Eine Gaming-Maus hingegen fragt Eingaben mit 1000 Hz ab. Sie meldet Bewegungen einmal pro Millisekunde.

Nun könnte man meinen, das sei unbedeutend. Doch beim modernen Gaming – insbesondere im E-Sport – zählt jede Millisekunde. Und wenn man mit einem Controller gegen jemanden mit einer Maus antritt, liegen zwischen einer und acht Millisekunden Welten. Übrigens habe ich auch herausgefunden, dass man einen Controller tatsächlich übertakten kann, sodass er mit einer mit Mäusen vergleichbaren Rate abfragt, wenn man ihn zum Spielen am PC verwendet. Für Controller-Spieler wird es deutlich schwieriger sein, diese Leistungslücke zu schließen.

Performance ist wichtig, und das nicht nur beim Gaming. Unsere Analyse der Antworten auf die Umfrage „State of Application Strategy 2022“ ergab, dass die Performance alles beeinflusst – von Sicherheitsentscheidungen bis hin zu Strategien für die Verteilung von Workloads. Performance hat weiterhin oberste Priorität.

Das Dilemma zwischen Leistung und Sicherheit

Es ist vielleicht das am schlechtesten gehütete Geheimnis des digitalen Zeitalters: Unternehmen deaktivieren tatsächlich Sicherheitskontrollen zugunsten einer höheren Leistung.

Natürlich gab es – und gibt es weiterhin – Situationen, in denen Sicherheitsdienste während eines Angriffs überlastet waren und deaktiviert wurden, um einen Ausfall zu verhindern. Heutzutage kommt das jedoch nur noch sehr selten vor, da sich solche Szenarien dank des Fachwissens über verteilte Skalierungsstrategien in den meisten Fällen elegant bewältigen lassen – ohne auf Sicherheitskontrollen verzichten zu müssen. Die Frage lautet also nicht wirklich: „Würden Sie die Sicherheit deaktivieren, um die Leistung zu steigern?“, sondern vielmehr: „Wie stark müsste die Leistungssteigerung sein, damit Sie bereit wären, Sicherheitskontrollen zu deaktivieren?“

Genau das haben wir gefragt.

Da wir in das Geheimnis „eingeweiht“ sind, gingen wir davon aus, dass es einen Wendepunkt geben würde, ab dem die Mehrheit der Befragten tatsächlich die Sicherheitskontrollen deaktivieren würde. Wir hatten jedoch nicht erwartet, dass dafür bereits eine so geringe Leistungssteigerung ausreichen würde.

Mehr als drei Viertel – 76 % – würden Sicherheitskontrollen im Gegenzug für eine Leistungssteigerung deaktivieren. Etwa zwei Drittel dieser Gruppe würden dies bereits bei einer Leistungssteigerung zwischen 1 % und 50 % tun. Die übrigen würden eine deutlichere Verbesserung – mehr als 51 % – verlangen, bevor sie die Sicherheitskontrollen abschalten würden.

Als wir genauer hinsahen und die Antworten von Führungskräften aus IT und Geschäftsleitung betrachteten – also von denjenigen, die solche Entscheidungen treffen können –, waren die Ergebnisse noch alarmierender. Knapp 60 % der Führungskräfte sowohl aus der IT als auch aus dem Geschäftsbereich würden Sicherheitskontrollen für eine Leistungssteigerung zwischen 1 % und 50 % deaktivieren. Nur jeder fünfte Entscheidungsträger (20 %) ließ sich nicht dazu verleiten, die Sicherheit zugunsten einer höheren Leistung zu deaktivieren.

Leistung vs. Sicherheit

Dies sollte nicht unbedingt als beängstigend angesehen werden. Vielmehr zeugt diese Haltung von einem reiferen Sicherheitsverständnis, bei dem sich der Fokus von einem permanenten Zustand des Abwehrens und Neutralisierens hin zum Risikomanagement verlagert. Adaptive Sicherheit wird eine Möglichkeit sein, ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Leistung herzustellen, und bereits jetzt zeichnet sich eine zunehmende Präferenz für adaptive Sicherheitsmethoden gegenüber traditionelleren Ansätzen ab.

Das Performance-Cloud-Dilemma

Sicherheit ist nicht der einzige Bereich, in dem Konflikte mit der Performance auftreten. Eine der größten Herausforderungen beim Betrieb einer Multi-Cloud-Umgebung war und ist es, eine gleichbleibende Performance über alle Cloud-Umgebungen hinweg sicherzustellen. 40 % der Befragten nannten dies als erhebliche Herausforderung. Knapp übertroffen wurde dieser Wert von den 41 %, die Schwierigkeiten bei der Migration von Anwendungen zwischen Clouds haben, den 44 %, für die die einheitliche Anwendung von Sicherheitsrichtlinien eine Herausforderung darstellt, und den 45 %, die über mangelnde Transparenz hinsichtlich Performance und Sicherheit frustriert sind.

Multi-Cloud-Herausforderungen

Uns ist durchaus bewusst, dass mangelnde Transparenz über Multi-Cloud-Umgebungen hinweg wahrscheinlich dazu beiträgt, dass eine konsistente Performance nur schwer zu erreichen ist. Denn was sich nicht messen lässt, lässt sich auch nicht optimieren – geschweige denn, dass sich damit ein einheitliches digitales Erlebnis für Kunden und Mitarbeitende schaffen ließe. Und welche Erkenntnis fehlt den Befragten am häufigsten? Sie ahnen es: die Ursache von Performance-Einbußen.

Daher wird es Sie nicht überraschen, dass die „Suche nach den Ursachen“ und die „Analyse zur Verbesserung des Kundenerlebnisses“ heute die beiden wichtigsten Treiber für Datenanalyseprojekte sind. Herkömmliche Überwachungsmethoden können den Anforderungen moderner Unternehmen und ihrer Abhängigkeit von digitalen Signalen nicht gerecht werden, die einen Echtzeitbetrieb und eine schnelle Reaktion auf veränderte Bedingungen in zentralen Infrastrukturen und Cloud-Umgebungen ermöglichen.

Was sich nicht messen lässt, bleibt unbekannt, und was unbekannt ist, lässt sich nicht beheben. Das Performance-Cloud-Dilemma ist in erster Linie ein Problem isolierter Statusinformationen und Signale: Eine Vielzahl von Monitoring-Lösungen und -Diensten speichert Daten zum digitalen Zustand in Silos und hindert Unternehmen daran, eine umfassendere Daten- und Observability-Strategie zu nutzen.

Leider ist eine Daten- und Observability-Strategie nur die halbe Lösung. Die andere Hälfte besteht darin, schnell – oder sogar proaktiv – handeln zu können, um eine Situation zu lösen. Auch dies wird durch die heterogene Beschaffenheit der Services und Lösungen erschwert, die auf Performance, Sicherheit und Skalierbarkeit ausgerichtet sind: Technologien für Anwendungssicherheit und -bereitstellung. Angesichts einer wahren Fülle von Lösungen und Services, die über Rechenzentrum und Cloud verteilt sind, gibt es keinen einheitlichen, einfachen Weg, die Lücke zwischen dem Erkennen eines Problems und schnellem Handeln zu schließen. Nicht aufeinander abgestimmte Monitoring-Lösungen und uneinheitliche Verwaltungskonsolen stehen weiterhin der konsistenten Performance im Weg, die für außergewöhnliche digitale Erlebnisse erforderlich ist.

Die Verbindung zwischen Performance und Edge

Die Bereitstellung außergewöhnlicher digitaler Erlebnisse gilt als einer der wichtigsten Vorteile des Edge Computing. Bereits im vergangenen Jahr stellten wir fest, dass die wichtigsten für die Edge geplanten Anwendungsfälle tatsächlich leistungsbezogen waren. Daher war es keine Überraschung, dass sich in diesem Jahr dieselben Ergebnisse zeigten. Lediglich 10 % gaben an, keinerlei Bereitstellungen an der Edge zu planen. Für alle anderen ist die Leistung ein entscheidender Faktor.

Mehr als vier von zehn Befragten (42 %) planen, Edge Computing zur Verbesserung der Anwendungsleistung einzusetzen. Mehr als ein Drittel (35 %) benötigt Edge Computing, um Echtzeit-Datenverarbeitung mit Latenzanforderungen von weniger als 20 Millisekunden zu unterstützen.

Wir haben uns jedoch nicht mit allgemeinen Anwendungsfällen begnügt, sondern die konkreten Workloads untersucht, deren Bereitstellung am Edge geplant ist.

Die Ergebnisse haben uns nicht enttäuscht, denn sie zeigen nicht nur den Wunsch nach einer höheren Leistung, sondern auch die Bereitschaft, Anwendungs-Workloads am Edge bereitzustellen.

Edge-Workloads 2022

Mehr als die Hälfte (51 %) der geplanten Edge-Workloads bezieht sich auf die Anwendungsleistung und umfasst traditionelle Edge-Dienste wie Caching, Spiegelung und Monitoring. Interessanter ist jedoch, dass mehr als drei von vier Befragten (77 %) planen, Daten- und Digital-Experience-Workloads am Edge bereitzustellen. Diese Sichtweise auf Edge deutet auf ein zunehmend ausgereiftes Verständnis hin: Im Zuge der Weiterentwicklung von Edge verlagern sich dessen Funktionen von der Verteilung von Inhalten (1.0) über Dienste (1.5) hin zu Workloads (2.0) – fast ausschließlich mit dem Ziel, die Experience von Mitarbeitenden und Kunden zu verbessern.

Performance bleibt vorherrschend

Die Monate, in denen wir die Ergebnisse unserer jährlichen Studie analysieren, sind spannend, manchmal überraschend und immer faszinierend. Das Thema Performance zieht sich heute durch nahezu alle Bereiche der IT und der Geschäftswelt, bestimmt Bereitstellungsentscheidungen und beeinflusst die Arbeitsweise von Unternehmen in Core-, Cloud- und Edge-Umgebungen.

Performance bleibt das Maß aller Dinge, und wenn ich vom Verhalten und den Erwartungen meines jüngsten, mit digitalen Technologien aufgewachsenen Sohnes ausgehe, wird sie diese Spitzenposition noch viele Jahre behaupten.

Weitere Informationen finden Sie in Ihrem persönlichen Exemplar unseres Berichts „State of Application Strategy 2022“, den Sie hier herunterladen können.


In den folgenden Blogbeiträgen finden Sie ausführlichere Informationen zu ausgewählten Themen:

Stand der Anwendungsstrategie 2022: Acht Jahre Trends im Rückblick ›

State of Application Strategy 2022: Sicherheit verlagert sich auf Identitäten ›

State of Application Strategy 2022: Edge-Workloads werden auf Anwendungen und Daten ausgeweitet ›

State of Application Strategy 2022: Digitale Innovatoren unterstreichen die Bedeutung der Modernisierung ›

State of Application Strategy 2022: Die Multi-Cloud-Komplexität bleibt bestehen ›

State of Application Strategy 2022: Zeit für die Modernisierung des Betriebs ›

State of Application Strategy 2022: Die Zukunft der Unternehmen ist adaptiv ›

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Schlagwörter: Office of the CTO, 2022

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

Weitere Blogbeiträge von Lori Mac Vittie

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