Stand der Anwendungsstrategie 2022: Die Multi-Cloud-Komplexität bleibt bestehen

F5-Ökosystem | 03. Mai 2022


Unweigerlich wird jedes Unternehmen eine Multi-Cloud-Strategie verfolgen und sich mit der Komplexität auseinandersetzen müssen, die dadurch für den Betrieb, die Sicherheit und die Belegschaft entsteht.

Es dürfte niemanden überraschen, dass die meisten Organisationen, die an unserer jährlichen Umfrage zum Stand der Anwendungsstrategie teilgenommen haben, angaben, Anwendungen in mehreren Clouds zu betreiben. Mehr als drei Viertel – genauer gesagt 77 % – nutzen derzeit Multi-Cloud im herkömmlichen Sinne.

Ich spreche vom traditionellen Sinne, weil meine einleitende Aussage berücksichtigt, dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen auch ein oder mehrere cloudbasierte As-a-Service-Angebote nutzt. Und mit überwiegender Mehrheit meine ich nahezu alle – beeindruckende 93 %. Tatsächlich nutzen Unternehmen im Durchschnitt 2,9 verschiedene As-a-Service-Angebote. An diejenigen unter Ihnen, die diese allgegenwärtige Nutzung mit dem Hinweis abtun, dass jedes Unternehmen irgendeine Form von SaaS verwendet: In diesen 2,9 sind auch Angebote enthalten, die zunehmend unter dem Begriff XaaS zusammengefasst werden, darunter:

  • 36 % nutzen Security-as-a-Service, beispielsweise cloudbasierte WAF-, DDoS- oder Bot-Management-Lösungen
  • 35 % nutzen Infrastructure-as-a-Service, häufig auch als „Public Cloud“ bezeichnet
  • 25 % nutzen Business-Process-as-a-Service
  • 21 % nutzen Containers-as-a-Service
  • 31 % nutzen Platform-as-a-Service

Darüber hinaus ist festzustellen, dass Edge Computing zunehmend auch über traditionelle CDNs und die Bereitstellung von Sicherheitsdiensten hinaus eingesetzt wird. Ein erheblicher Anteil der Unternehmen plant, Anwendungs- und Daten-Workloads am Edge bereitzustellen. Dies deutet darauf hin, dass Edge Computing auf seinem Weg hin zu einer Anwendungsplattform bereits weit fortgeschritten ist.

Dadurch weiten sich die Herausforderungen der Multi-Cloud auf den Edge-Bereich aus, vor allem weil viele der Technologien und Tools, die Unternehmen für die Entwicklung, Bereitstellung und den Betrieb von Anwendungen in mehreren Clouds einsetzen, zunehmend auch am Edge genutzt werden.

Und natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass viele Unternehmen Private Clouds in ihren eigenen Rechenzentren betreiben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Multi-Cloud die Verbindung von Core, Cloud und Edge darstellt und in erster Linie durch ein gemeinsames Betriebsmodell definiert ist. Das heißt, APIs werden verwendet, um Ressourcen anzubinden, zu definieren, bereitzustellen und zu betreiben.

Das Problem besteht darin, dass all diese APIs einzigartig sind. Nicht in der Art und Weise, wie auf sie zugegriffen wird, denn APIs basieren heute hauptsächlich auf HTTP-basierten REST-Aufrufen mit allgemein bekannten Protokollen und Datenformaten (meist JSON). Doch die eigentlichen Modelle, mit denen diese API-Aufrufe interagieren sollen, sowie die Prozesse, die für die korrekte Bereitstellung, Verwaltung und sogar Überwachung cloudbasierter Ressourcen erforderlich sind, unterscheiden sich stark und sind anbieterspezifisch.

Deshalb ist dieses XaaS so wichtig: Es führt eine weitere API in eine ohnehin schon übervolle Cloud-API-Landschaft ein. Denn keine Organisation „konsumiert einfach nur“ XaaS. Es bestehen Verbindungen zurück in die Organisation – sei es für den Zugriff oder als Teil eines Workflows –, die durch APIs ermöglicht werden.

An diesem Punkt sorgt die Komplexität für ein heilloses Durcheinander und bringt Herausforderungen mit sich, die Unternehmen bis heute zu schaffen machen. Diese Herausforderungen sind weitgehend dieselben geblieben, seit wir begonnen haben, uns mit ihnen zu befassen: einheitliche Sicherheit, Transparenz und die Migration von Anwendungen zwischen Cloud-Umgebungen.

Auch wenn diese drei Herausforderungen im Laufe der Jahre ihre Plätze in der Rangliste der Multi-Cloud-Herausforderungen getauscht haben, waren sie doch stets alle unter den ersten fünf.

Neu in diesem Jahr ist der auffällige Anstieg des selbst angegebenen Kompetenzdefizits im Umgang mit Cloud-APIs und -Tools. Im vergangenen Jahr berichtete ein Drittel – 33 % – der Befragten von dieser Kompetenzlücke. Und dieses Jahr? Der Anteil stieg sprunghaft auf mehr als die Hälfte, nämlich 55 %. Auch wenn dies nicht unmittelbar eine „Multi-Cloud-Herausforderung“ ist, verdient dieser Anstieg einen Platz auf meiner Liste der drei größten Multi-Cloud-Herausforderungen im Jahr 2022.

Multi-Cloud-Herausforderungen

Doch in einer Multi-Cloud-Welt ist nicht alles frustrierend. So verfügen diejenigen, die laut eigenen Angaben Anwendungen in mehreren Clouds betreiben, mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit über die erforderlichen Tools, um den Zustand ihrer Anwendungen zu überwachen. Genauer gesagt: mit einer fast 2,5-mal höheren Wahrscheinlichkeit. Dies könnte daran liegen, dass bei Cloud-nativen Anwendungen von Haus aus großer Wert auf native Instrumentierung gelegt wird. Wenig überraschend werden solche Anwendungen eher in einer Public-Cloud-Umgebung bereitgestellt. Der Einsatz eines Service Mesh beispielsweise ist häufig zum Teil durch den Bedarf an Transparenz in Cluster-Umgebungen bedingt. Es liefert die erforderlichen Metriken, um den Zustand containerbasierter Anwendungen zu überwachen. Bei den meisten herkömmlichen Anwendungen handelt es sich zunehmend um veraltete Monolithen, die weiterhin lokal betrieben werden und größtenteils nie für die Instrumentierung konzipiert wurden, die zur ordnungsgemäßen Überwachung ihres Status und Zustands erforderlich ist. Agentenbasierte Überwachungsansätze sind kostspielig in Wartung und Betrieb – ganz zu schweigen von der Skalierung – und werden daher eher zur Überwachung von Anwendungen eingesetzt, die als entscheidend für das Kundenerlebnis gelten. Eine Verzerrung durch Datenselektion stellt eine erhebliche Herausforderung dar und hindert Unternehmen daran, vollständige Transparenz zu erreichen. Zweifellos erschwert sie auch weiterhin die Überwachung herkömmlicher Anwendungen, die möglicherweise als nicht geschäftskritisch eingestuft werden.

Komplexität lässt sich nicht beseitigen. Unternehmen werden in mehreren Clouds arbeiten, und mit ihrer Ausweitung auf den Edge-Bereich wird die Komplexität weiter zunehmen. Sie lässt sich jedoch bewältigen. Dieser Aufgabe müssen sich Technologieführungskräfte stellen, und Anbieter arbeiten daran, entsprechende Lösungen zu entwickeln.

Weitere Einblicke zu Multi-Cloud und Edge finden Sie in unserem Jahresbericht. Ich empfehle Ihnen, ihn noch heute herunterzuladen und zu lesen.


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Schlagwörter: Office of the CTO, 2022

Über den Autor

Lori Mac Vittie
Lori Mac VittieDistinguished Engineer und Chief Evangelist | F5

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.

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