Wie eine Multi-Cloud-Strategie, kann auch Automatisierung strategisch eingesetzt werden (und sollte es auch).
In einer perfekten IT-Welt würde der reibungslose Weg der (internen) digitalen Transformation einem vorhersehbaren Erfolgspfad folgen. Am Anfang stünde die Auswahl von Plattformen und Toolsets, mit denen sich betriebliche Aufgaben automatisieren und Prozesse orchestrieren ließen. Durch die erfolgreiche Umsetzung einer solchen Strategie könnte die IT Ressourcen freisetzen, um sich auf Innovationen zu konzentrieren und gemeinsam mit der Unternehmensführung die (externe) digitale Transformation mit Volldampf voranzutreiben.
Allzu oft erleben wir jedoch etwas ganz anderes. Automatisierung entsteht in abgeschotteten Bereichen innerhalb des Unternehmens – die ersten Schlaglöcher auf dem Weg. Jeder Bereich wählt seine eigenen Tools und Plattformen, vielleicht sogar eigene Programmiersprachen. Es findet kaum Kommunikation statt, und es gibt keine gemeinsamen Anstrengungen zur Zusammenarbeit. IT-Gruppen stecken ihre Reviere ab und verteidigen sie mit dem Eifer MacArthurs im Südpazifik während des Zweiten Weltkriegs.

Es herrscht Chaos. Es entstehen operative Silos. Jedes davon hortet seine Toolsets und sorgfältig erstellten Skripte mit Dagobert-ähnlicher Freude. Alle sind unterschiedlich. Keines lässt sich ohne Weiteres integrieren, obwohl sie zusammenarbeiten müssen, um Anwendungen in der gesamten IT und darüber hinaus in der Public Cloud bereitzustellen.
Irgendwann passiert etwas (meist eine Sehr Schlimme Sache™), das die IT-Führung zwingt, sich einzugestehen, dass sie ein Problem hat. Es gibt weder einen Plan noch eine Strategie dafür, wie die verschiedenen eingesetzten Automatisierungstools und -plattformen künftig zusammengeführt werden sollen. Die Automatisierung wurde taktisch angegangen und eher zufällig eingeführt.
Die Architekturschulden häufen sich. Die technischen Schulden sind erdrückend.
Unternehmen, die den operativen Betrieb entlasten wollten, stellen fest, dass sie zu einer regelrechten Automatisierungsanarchie beigetragen haben. Diese unter Kontrolle zu bringen, wird Zeit und Geld kosten und die bereits laufende digitale Transformation beeinträchtigen.
Weil es bereits geschieht.

Unser Bericht zum Stand der Anwendungsbereitstellung 2018 zeigt deutlich: Automatisierung und Orchestrierung sind Reaktionen auf Initiativen zur digitalen Transformation. Fünfundfünfzig Prozent (55 %) der Befragten gaben an, infolge von Programmen zur digitalen Transformation in ihren Unternehmen Automatisierung und Orchestrierung einzusetzen.
Und sie machen dabei keine halben Sachen.
Nur 17 % geben an, in der Produktion überhaupt keine Automatisierung einzusetzen. Mehr als die Hälfte (53 %) nutzt sie teilweise oder vollständig in der Produktion. Und die übrigen 31 % testen sie derzeit in Pilotprojekten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie dabei strategisch vorgehen. Es bedeutet auch nicht, dass verschiedene Abteilungen und Geschäftsbereiche nicht unterschiedliche Toolsets und Plattformen einführen, die später für Chaos sorgen werden. Es bedeutet nicht, dass sie alle dieselben Repositorys zur Speicherung ihrer Automatisierungsartefakte verwenden. Und es bedeutet auch nicht, dass sie bei diesen Entscheidungen die Auswirkungen der unvermeidlichen Multi-Cloud-Welt berücksichtigt haben, in der sie künftig agieren müssen.
Einige Unternehmen standardisieren bereits. Die Hälfte (50 %) der Befragten setzt nur ein Framework für die Netzwerkautomatisierung ein. Weitere 36 % verwenden zwei. Das ist positiv, doch 14 % nutzen noch immer drei oder mehr unterschiedliche Systeme. Wenn dies eine strategische Entscheidung ist, ist das hervorragend. Auch das ist eine Form der Standardisierung. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist und die Ursache in voneinander unabhängig agierenden Geschäftsbereichen oder Abteilungen oder in einem Laissez-faire-Ansatz bei der Automatisierung liegt, entstehen sowohl Architektur- als auch technische Schulden, die sich in Zukunft rächen werden.
Überlegen Sie sorgfältig, wie Sie bei Automatisierung und Orchestrierung weiter vorgehen. Die Entscheidungen, die Sie heute treffen, werden sich darauf auswirken, ob Sie diese Ansätze langfristig aufrechterhalten und künftig Innovationen vorantreiben können. Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit des Unternehmens von der IT, die zum Erfolg in der digitalen Wirtschaft beitragen soll, sind diese Auswirkungen weitaus entscheidender, als es zunächst den Anschein haben mag.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
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