Die Nachfrage nach Echtzeitinteraktion, unmittelbarer Einbindung und digital bereitgestellten Informationen ist nahezu unstillbar. Ob uns eine ganze Bibliothek mit Filmen und Fernsehsendungen jederzeit zur Verfügung steht oder ob wir eine Mitfahrgelegenheit finden, einen Tisch reservieren oder die nächstgelegene Tankstelle ausfindig machen können, ist bei Weitem nicht so entscheidend wie die Tatsache, dass Organisationen jeder Art unter Druck stehen, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfüllen und ihnen schon jetzt auf digitalem Wege einen Mehrwert zu bieten.
Das Ergebnis wird allgemein als „digitale Transformation“ bezeichnet: die stetige Entwicklung hin zu integrierten digitalen Echtzeiterlebnissen in sämtlichen Bereichen unseres Lebens. Sie erhöht den Wettbewerbsdruck. Nicht immer den Wettbewerbsvorteil, sondern schlicht den Druck. Die erste Organisation, die ein solches digitales Erlebnis anbietet, hat den Vorteil, den Maßstab für ihre Wettbewerber zu setzen. Andere müssen rasch nachziehen – oder sie laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren.
Das Ergebnis ist eine explosionsartige Zunahme von Anwendungen. Mobile Anwendungen. Webanwendungen. Integrierte Anwendungen.
Dieser letzte Punkt ist wichtig, denn das Konzept einer „monolithischen“ Anwendung ist endgültig überholt. Nur selten findet man eine Anwendung, die völlig eigenständig und ohne Unterstützung durch externe Anwendungen ausgeführt werden kann. Von den in der Umfrage zur Modernisierung von Unternehmensanwendungen genannten Anforderungen an neue Tools enthalten drei der fünf wichtigsten das Wort „integrieren“: Integration mit Daten, Integration mit lokalen Lösungen und Integration mit bestehenden Cloud-Anwendungen. Integration ist notwendig, weil die von Verbrauchern gewünschten und benötigten Daten in mehreren Systemen vorliegen, die über verschiedene Clouds und Rechenzentren verteilt sind.
Diese Daten werden über eine Anwendung abgerufen. Tappen Sie nicht in die Falle zu glauben, APIs würden Anwendungen ersetzen. APIs sind Schnittstellen. Sie stellen eine bestimmte Form der Integration dar, die die Ausführung von Geschäftslogik erfordert. Sie sind Schnittstellen zu einer Anwendung oder einem System.
Deshalb nimmt die Zahl der Anwendungen in Unternehmensportfolios mit dem Fortschreiten der digitalen Transformation explosionsartig zu. Leider ist den meisten nicht bewusst, wie rasant dieses Wachstum tatsächlich ist. Denn um das von Unternehmensanwendern und Verbrauchern gewünschte digitale Erlebnis bereitzustellen, müssen Daten aus zahlreichen Anwendungen zusammengeführt werden, um ein einheitliches, nahtloses Erlebnis zu schaffen, das die tatsächliche Komplexität verbirgt.
Machen Sie den Test! Wie viele Apps sehen SIE?
Betrachten Sie diese einfache Anwendung zur Sendungsverfolgung. Schätzen Sie einmal, aus wie vielen Apps diese schlicht wirkende Anwendung tatsächlich besteht. Aber nicht schon vorher bei der Antwort spicken!

Ich vermute, die meisten würden mit „zwei“ antworten. Die Einbindung einer Google-Karte ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass die Anwendung eine Google-App nutzt, auf die über eine API zugegriffen wird, um den Standort der Lieferadresse und des Lieferfahrzeugs visuell darzustellen.
Ich sehe jedoch mindestens vier – und wahrscheinlich noch mehr.
Die Webanwendung selbst ist eine App. Die angezeigten Informationen stammen jedoch aus mehreren anderen Anwendungen – darunter die mobile App, mit der die Auslieferungsfahrer ihren Arbeitstag erfassen und ihren Standort melden. Da ich an dem zur Lieferung vorgesehenen Kauf beteiligt war, kann ich Ihnen sagen, dass die Anwendung zur Terminplanung von der Anwendung getrennt ist, mit der der Kauf abgeschlossen wurde. Das bedeutet, dass die Terminplanungsdaten aus einer anderen Anwendung stammen.

Wenn wir über die Modularisierung von Anwendungen sprechen, läuft die Diskussion bei Infrastrukturanbietern im Allgemeinen auf Microservices und Container hinaus. Und tatsächlich kann die „Webanwendung“ aus mehreren kleineren „Anwendungen“ bestehen, die als Microservices in einer containerisierten Umgebung bereitgestellt werden. Möglicherweise wird sie sogar in der Public Cloud bereitgestellt. Anwendungen werden jedoch auf vielfältige Weise in einzelne Bestandteile zerlegt, wodurch die Zahl der zu verwaltenden Anwendungen in jedem einzelnen Unternehmen erheblich steigt. Dazu gehören sowohl die Nutzung von Drittanbieterkomponenten – wie Google Maps – als auch mobile Apps.
Dazu gehören neue Webanwendungen, die all diese unterschiedlichen Daten in einer einzigen Ansicht zusammenführen. Denn niemand hat Zeit, zwischen drei verschiedenen Anwendungen hin- und herzuwechseln, um all diese Informationen zusammenzutragen. Das ist die digitale Wirtschaft – wir erwarten, dass Apps uns die lästige Arbeit abnehmen. Und Unternehmen werden dieser Erwartung gerecht, indem sie neue Anwendungen bereitstellen, die auf bestehenden – und externen – Anwendungen aufbauen.
All dies verdeutlicht, dass die digitale Transformation das Wachstum von Anwendungsportfolios vorantreibt und die Art und Weise verändert, wie Anwendungen entwickelt, bereitgestellt, integriert und letztlich sogar genutzt werden. Das wiederum bedeutet, dass sich auch die Art und Weise ändert, wie sie abgesichert, skaliert und betrieben werden.
Das bedeutet, dass sich die Anwendungsbereitstellung ebenfalls entsprechend wandeln muss.
Über den Autor

Lori MacVittie ist Distinguished Engineer und Chief Evangelist im Office of the CTO von F5 und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Anwendungsbereitstellung, Automatisierungsstrategie und Infrastruktur. Sie ist dafür bekannt, Komplexität verständlich zu machen – ob sie Leitplanken für KI-Agenten definiert, fragile Multicloud-Architekturen analysiert oder die Grenzen skalierbarer Systeme auslotet. Sie verfügt über mehr als dreißig Jahre Branchenerfahrung in der Anwendungsentwicklung, IT-Architektur sowie im Netzwerk- und Systembetrieb. Bevor sie zu F5 kam, war sie als mehrfach ausgezeichnete Technologie-Redakteurin tätig. MacVittie hat einen Masterabschluss in Informatik und ist eine produktive Autorin, deren Veröffentlichungen die Bereiche Sicherheit, Cloud und Unternehmensarchitektur abdecken. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern Brett- und Videospiele und vertritt mit voller Überzeugung klare Ansichten zum Thema Käse.
Weitere Blogbeiträge von Lori Mac VittieÄhnliche Blogbeiträge
Ein umfassender Leitfaden zur Bereitstellung und Sicherheit von KI-Anwendungen
Entdecken Sie optimale Strategien für die Absicherung und Bereitstellung von KI-Anwendungen.
KI zulassen und einführen? Lehren aus der Public Cloud
Die Einführung von KI steht unmittelbar bevor und könnte entscheidend sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher muss die IT-Sicherheit proaktiv handeln und der KI-Einführung schon jetzt einen Schritt voraus sein, um sie auf einen risikogerechten Weg zu lenken.
Stand der Anwendungsstrategie 2022: Zeit für die Modernisierung des Betriebs
Es ist deutlich geworden, dass Unternehmen ihren Fokus erneut auf die Geschäftsfunktionen richten müssen, um die Dynamik ihrer digitalen Transformation aufrechtzuerhalten. Kundenerlebnisse haben zwar weiterhin Priorität, doch auch Geschäftsfunktionen wie Recht, Personalwesen und Finanzen müssen digitalisiert werden. Das bedeutet, dass CIOs das Steuer übernehmen, während sich die digitale Transformation von der Modernisierung von Anwendungen hin zur Modernisierung von Betriebsabläufen verlagert.
F5s Weg zu einer vielseitigen Plattform für Anwendungsanalysen
F5 bietet heute die umfassendsten Anwendungsdienste entlang des gesamten Weges vom Code bis zum Kunden. Künftig werden wir verstärkt auf Anwendungstelemetrie und -analysen setzen, damit unsere Kunden wertvolle Erkenntnisse über ihre Anwendungen, Geschäftsabläufe und Benutzererlebnisse gewinnen können. Beim Ausbau unserer Cloud-Analysefunktionen werden wir ML und KI noch stärker nutzen, um unsere Kunden bei der Verbesserung ihrer Geschäftsdienste zu unterstützen.
Telemetrie: Eine andere Art von Daten
Verwenden wir den Begriff „Telemetrie“ nur, weil er attraktiver klingt als „Daten“? Letztlich sind sowohl Daten als auch Telemetrie strukturierte Informationseinheiten. Es ist kein Verbrechen, die Begriffe synonym zu verwenden. Doch wenn man es genau nimmt, gibt es einen Unterschied. Und dieser Unterschied wird immer wichtiger werden, je weiter Unternehmen in die Datenökonomie vordringen.
MTTR bedeutet nicht „Mean Time to Reboot“
„Schnell scheitern“ lautet heute das Mantra für mehr Geschwindigkeit. Ob in DevOps oder im Geschäftsleben: Wer in einer digitalen Wirtschaft agiert, muss eine möglichst perfekte Verfügbarkeit gewährleisten.